Voriger. Ein altes zahnloses Mütterchen, zerrissen gekleidet,
auf dem Rücken einen großen Bündel Reisig.
Dumont. Bon jour, Madame! Wo tragen du hin das Holzen?
Weib. Nach Haus. Gleich ins Gebirg, nach Blunzendorf.
Dumont. Blonsendorf? O schöner Nam! Du wohnen wohl sehr gerne
im Gebirge?
Weib. Ah ja, 's Gebirge wär schon schön. Wenn nur die Berg
nicht wären! Man steigt s' so hart.
Dumont. Das sind der Figuren, die der Landschaft beleben. O,
mir gefallen das Weib sehr.
Weib (beiseite). Ich gfall ihm, sagt er. Ja, einmal hätt ich
ihm schon besser gfallen.
Dumont. Sie sein so malerisch verlumpt. Ich kann sie nicht
genug betrachten. (Er sieht durch die einfache Lorgnette und
drückt das linke Auge zu.)
Weib. Er hat im Ernst ein Aug auf mich; aber 's andre druckt
er zu.
Dumont. Du seien wohl verheiratet?
Weib. Schon über dreißig Jahr.
Dumont. Und bekümmern sich dein Mann doch noch um dich?
Weib. Ah ja. Er schlagt mich fleißig noch.
Dumont. Er slagen dich? O! Das sein nick schön von ihm.
Weib. Ah, es is schon schön von ihm. Das ist halt im Gebirg
bei uns der Brauch. Ein schlechter Haushalt, wo s' nicht
raufen tun.
Dumont. Unschuldige Freuden der Natur. Von dieser Seit muß
sich das Bild noch schöner machen. Stell dich dort hin. Ich
will dich gans von ferne sehen.
Weib. Hören S' auf! Was sehen S' denn jetzt an mir? Hätten S'
mich vor vierzig Jahren angschaut. Jetzt bin ich schon ein
altes Weib.
Dumont. Das machen deiner Schönheit eben aus. Du sein
vortrefflich alt. Au contraire, du sollen noch mehr Falten
haben.
Weib. Warum nicht gar. Mein Mann sein die schon zu viel.
Dumont. Du sein wahrhaft aus der niederländischen Schule.
Weib. Ah beleib. Ich bin ja gar nie in die Schul gegangen.
Dumont. Ick hab einer ganzer Sammlung solcher alter Weiber zu
Haus.
Weib. Jetzt ists recht. Der sammelt sich die alten Weiber, und
die andern wären froh, wenn sie s' losbringeten.
Dumont (nimmt einen runden kleinen schwarzen Spiegel aus der
Tasche, dreht sich um und läßt die Gegend abspiegeln). O quel
contraste! Das Schloß! Der Wald! Der Weib! Der Ochsen auf der
Flur! O Natur, Natur! Du sein groß ohne Ende.
Weib. Der Mensch muß narrisch sein. Jetzt schaut er sich in
Spiegel und sieht Ochsen drin.
Dumont. Hier hast du einen Dukaten. Jetzt hab ich dich genug
gesehen. (Gibt ihr ein Goldstück.)
Weib (rasend erfreut). Ah Spektakel! Ah Spektakel! jetzt
schenkt er mir gar ein Dukaten. Euer Gnaden, das ist ja z'viel,
ich trau mir ihn gar nicht zu nehmen. Für was denn? sagen S'
mirs nur.
Dumont. Dein Anblick hat mir sehr viel Vergnügen verschafft.
Weib. Nein, das hätt ich meinen Leben nicht geglaubt, daß ich
mich in meinen alten Tagen sollt noch ums Geld sehn lassen. Ich
dank vieltausendmal. (Küßt ihm die Hand.) Euer Gnaden verzeihen
S'--Ich bitt Ihnen--hab ich Ihnen denn wirklich gfallen?
Dumont (muß lachen). O, du gefallen mir außerordentlich.
Weib (verschämt). Hören S' auf. Sie konnten ein altes Weib
völlig verruckt machen. Nein, wenn das mein Mann erfahrt, der
erschlagt mich heut aus lauter Freud. Ich sags halt. Wenn man
einmal recht schön war und man wird noch so alt, es bleibt doch
allweil noch a bissel was übrig. (Trippelt ab.)
Dumont (sieht ihr nach). Ha! wie sie schwankt. Wie ein alter
Schwan! Ich sein so aufgeregt, daß mir jeder Gegenstand gefallen.