Fünfter Auftritt

Voriger. Ein altes zahnloses Mütterchen, zerrissen gekleidet,

auf dem Rücken einen großen Bündel Reisig.

Dumont. Bon jour, Madame! Wo tragen du hin das Holzen?

Weib. Nach Haus. Gleich ins Gebirg, nach Blunzendorf.

Dumont. Blonsendorf? O schöner Nam! Du wohnen wohl sehr gerne

im Gebirge?

Weib. Ah ja, 's Gebirge wär schon schön. Wenn nur die Berg

nicht wären! Man steigt s' so hart.

Dumont. Das sind der Figuren, die der Landschaft beleben. O,

mir gefallen das Weib sehr.

Weib (beiseite). Ich gfall ihm, sagt er. Ja, einmal hätt ich

ihm schon besser gfallen.

Dumont. Sie sein so malerisch verlumpt. Ich kann sie nicht

genug betrachten. (Er sieht durch die einfache Lorgnette und

drückt das linke Auge zu.)

Weib. Er hat im Ernst ein Aug auf mich; aber 's andre druckt

er zu.

Dumont. Du seien wohl verheiratet?

Weib. Schon über dreißig Jahr.

Dumont. Und bekümmern sich dein Mann doch noch um dich?

Weib. Ah ja. Er schlagt mich fleißig noch.

Dumont. Er slagen dich? O! Das sein nick schön von ihm.

Weib. Ah, es is schon schön von ihm. Das ist halt im Gebirg

bei uns der Brauch. Ein schlechter Haushalt, wo s' nicht

raufen tun.

Dumont. Unschuldige Freuden der Natur. Von dieser Seit muß

sich das Bild noch schöner machen. Stell dich dort hin. Ich

will dich gans von ferne sehen.

Weib. Hören S' auf! Was sehen S' denn jetzt an mir? Hätten S'

mich vor vierzig Jahren angschaut. Jetzt bin ich schon ein

altes Weib.

Dumont. Das machen deiner Schönheit eben aus. Du sein

vortrefflich alt. Au contraire, du sollen noch mehr Falten

haben.

Weib. Warum nicht gar. Mein Mann sein die schon zu viel.

Dumont. Du sein wahrhaft aus der niederländischen Schule.

Weib. Ah beleib. Ich bin ja gar nie in die Schul gegangen.

Dumont. Ick hab einer ganzer Sammlung solcher alter Weiber zu

Haus.

Weib. Jetzt ists recht. Der sammelt sich die alten Weiber, und

die andern wären froh, wenn sie s' losbringeten.

Dumont (nimmt einen runden kleinen schwarzen Spiegel aus der

Tasche, dreht sich um und läßt die Gegend abspiegeln). O quel

contraste! Das Schloß! Der Wald! Der Weib! Der Ochsen auf der

Flur! O Natur, Natur! Du sein groß ohne Ende.

Weib. Der Mensch muß narrisch sein. Jetzt schaut er sich in

Spiegel und sieht Ochsen drin.

Dumont. Hier hast du einen Dukaten. Jetzt hab ich dich genug

gesehen. (Gibt ihr ein Goldstück.)

Weib (rasend erfreut). Ah Spektakel! Ah Spektakel! jetzt

schenkt er mir gar ein Dukaten. Euer Gnaden, das ist ja z'viel,

ich trau mir ihn gar nicht zu nehmen. Für was denn? sagen S'

mirs nur.

Dumont. Dein Anblick hat mir sehr viel Vergnügen verschafft.

Weib. Nein, das hätt ich meinen Leben nicht geglaubt, daß ich

mich in meinen alten Tagen sollt noch ums Geld sehn lassen. Ich

dank vieltausendmal. (Küßt ihm die Hand.) Euer Gnaden verzeihen

S'--Ich bitt Ihnen--hab ich Ihnen denn wirklich gfallen?

Dumont (muß lachen). O, du gefallen mir außerordentlich.

Weib (verschämt). Hören S' auf. Sie konnten ein altes Weib

völlig verruckt machen. Nein, wenn das mein Mann erfahrt, der

erschlagt mich heut aus lauter Freud. Ich sags halt. Wenn man

einmal recht schön war und man wird noch so alt, es bleibt doch

allweil noch a bissel was übrig. (Trippelt ab.)

Dumont (sieht ihr nach). Ha! wie sie schwankt. Wie ein alter

Schwan! Ich sein so aufgeregt, daß mir jeder Gegenstand gefallen.

Der Verschwender · 第 33 / 102 题