Neunter Auftritt

Vorige. Flottwell. Sockel.

Flottwell. Guten Morgen, edle Freunde!

Alle. Guten Morgen!

(Einige schütteln ihm die Hand.)

Flottwell. Wir kommen spät zur Jagd. Ich hoffe, daß die Herren,

die heut zum erstenmal in meinem Schloß geruht, mit der

Bedienung so zufrieden waren, als ichs nur immer eifrig

wünschen kann. Gern hätt ich Ihren Schlaf mit süßen Träumen

auch bewirtet, doch leider stehn die nicht in meinem Sold.

Ein Gast. Mir hat von Lilien geträumt.

Helm. Und mir von einer wilden Sau, der ich den Fang gegeben hab.

Walter. Ich hab die Gastfreundschaft an einem goldnen Tisch

gesehen, und deutscher Lorbeer hat ihr Haupt geschmückt.

Pralling. Ich habe all mein Glück auf die Coeur-Dame gesetzt,

und als ich es verloren hatte, bin ich aufgewacht.

Flottwell. Und was hat dir geträumt, Freund Valentin?

Valentin. Mir hat geträumt, Euer Gnaden hätten mir vier Dukaten

geschenkt.

Flottwell (lachend). Das ist ein eigennützger Traum, doch will

ich ihn erfüllen.

Valentin. Ich küß die Hand Euer Gnaden.

Flottwell. Was mir geträumt hat, kann ich euch noch nicht

entdecken. Es war ein süßer Traum, dienstfertig meinem höchsten

Wunsch, er hat mir meines Lebens Zukunft rosig abgespiegelt.

Helm. Dir hat gewiß von einem Rendezvous geträumt. Spitzbub!

Was? Von Augen wie Rubin und solchem dummen Zeuch.

Flottwell (lachend). Du kannst etwas erraten haben, Herzensbruder.

Es soll ein Rendezvous fürs ganze Leben werden. Doch still

davon, mein Herz ist übermütig heut, es könnte sich verraten.

Pralling. Wir kennen Ihre Schliche schon, Sie haben andre Jagd

im Sinn als wir.

Flottwell. So ist es auch. Jagt euren Freuden nach, um mich

braucht ihr euch nicht zu kümmern. Wir haben jeder andre

Leidenschaft.

Pralling. Ich leide an der Gicht.

Helm. Ich bin ein passionierter Jäger.

Walter. Ich spreche dem Champagner zu.

Dumont. Und ick bewundre der Natur.

Helm. Das nimmt mich wunder, Chevalier. Sie sind ja kurzsichtig.

Dumont. Das sind der Menschen alle.

Pralling. Und wenn Sie fahren, schlafen Sie im Wagen.

Dumont. O, das macken nichts. Ein wahrer Naturfreund müssen

ihrer Schönheit auch im Schlaf bewundern können.

Helm. Das kann ich nicht. Mein Liebling ist die Jagd.

Flottwell. Heda! bringt uns Bordeaux. Die Herren sollen sich

begeistern.

Dumont. Mackt mir der Fenster auf, daß ick der Landschaft kann

betrachten. (Sieht durchs Glas.)

Wolf. Hier ist Bordeaux!

(Er ordnet die Diener, welche schon bereitet standen und ihn

in gefüllten Stengelgläsern auf silbernen Tassen präsentieren.)

Walter (ruft). Herrlicher Wein!

Dumont (am Fenster entzückt rufend). Himmlischer Wasserfall!

Flottwell (schwingt das Glas). Auf ewge Freundschaft und auf

langes Leben, meine Herren!

Alle. Der reiche Flottwell lebe lang!

Dumont (wie vorher, ohne ein Glas genommen zu haben). Ha! der

Kirchhof macken sich dort gut.

Flottwell. Oh, wär ich überreich! Ich wünscht es nur zu sein,

um meine Schätze mit der Welt zu teilen. Was ist der Mammon

auch! das Geld ist viel zu sehr geachtet. Drum ists so stolz.

Es will nie in des armen Mannes Tasche bleiben und strömt nur

stets dem Reichen wieder zu.

Helm (enthusiasmiert). Wer ist so gut wie unser edler Flottwell

hier?

Walter. Ich kenne kein Gemüt, das seinem gleicht.

Alle. Jawohl!

Dumont. Un enfant gâté de la nature.

Flottwell. Oh, lobt mich nicht zu viel. Ich habe kein Verdienst

als meines Vaters Gold. Will mirs die Welt verzeihn, ists wohl

und gut, und tut sies nicht, mag sie sich selbst mit ihrem Neid

abfinden. Ich kämpfe nicht mit ihm. Mein Glück ist kühn, es

fordert mich heraus, darum will ich mein Dasein großartig

genießen, und wollen Sorgen mich besuchen, laß ich mich

verleugnen. Düstern Philosophen glaub ich nicht. Nicht wahr,

Freund Helm, man muß das Leben von der schönen Seite fassen?

Der Himmel ist sein herrlichstes Symbol. Die glühnde Sonne

gleicht dem heißen Brand der Liebe, der mildgesinnte Mond

der innigen Freundschaft, die reiche Saat der Sterne ist ein

Bild der Millionen Freuden, die im Leben keimen. Die ernsten

Wolken sind zwar kummervolle Tage, doch Frohsinn ist ein

flüchtger Wind, der sie verjagt.

Sockel. Ein Göttermann! Ein wahrer Göttermann! Verstanden!

Flottwell. Gebt doch ein Glas auch unserm wackern Baumeister.

Oh, das ist gar ein wichtger Mann hier, meine Herren, der wird

ein neues Schloß uns bauen, und diese Hallen wollen wir der

Zeit nicht länger vorenthalten. Flottwells Haus solls heißen,

noch ein Glas auf dieses Ehrenmannes Werk! (Zu Sockel, barsch.)

Trinken Sie!

Sockel (erschrickt, daß er das Glas fallen läßt). Verstanden!

Alle (schwingen die Gläser). Flottwells Haus! Lang solls bestehn!

Flottwell (stürzt ein Glas hinein). Und nun zur Jagd, Ihr Herren!

Werft die Gläser hin und nehmt 's Gewehr zur Hand! Der Wald ist

euer Eigentum und all mein Wild. Doch hetzt mirs nicht zu sehr,

ich kanns nicht leiden, denn der Hirsch weint wie ein Mensch,

wenn er zu Tod gepeinigt wird. Und seit ich dieses Schauspiel

sah, hab ich die Jägergrausamkeit verloren. Nun Glück zur Jagd!

Der Abend führt uns wieder hier zusammen, dann wollen wir beim

vollen Glas besprechen, wer eines edlern Sieges sich zu freuen

hat? Ihr! oder ich!

Der Verschwender · 第 20 / 102 题