Valentin.
Valentin.
Lied
Heissa lustig ohne Sorgen
Leb ich in den Tag hinein,
Niemand braucht mir was zu borgen,
Schön ists, ein Bedienter z' sein.
Erstens bin ich zart gewachsen
Wie der schönste Mann der Welt,
Alle Säck hab ich voll Maxen,
Was den Mädchen so gefällt.
Zweitens kann ich viel ertragen,
Hab ein lampelfrommen Sinn,
Vom Verstand will ich nichts sagen,
Weil ich zu bescheiden bin.
Drittens kann ich prächtig singen,
Meine Stimme gibt so aus,
Denn kaum laß ich sie erklingen,
Laufen s' alle gleich hinaus.
Viertens kann ich schreiben, lesen,
Hab vom Rechnen eine Spur,
Bin ein Tischlergsell gewesen--
Und ein Mann von Politur.
Fünftens, sechstens, siebntens, achtens
Fallt mir wirklich nichts mehr ein,
Darum muß meines Erachtens
Auch das Lied zu Ende sein.
Ah! heut kann ich einmal mit Recht sagen: Morgenstund tragt
Gold im Mund. Hat mir die Sängerin, die neulich bei unserm
Konzert eine chinesische Arie gesungen hat, für das Honorar,
was ich ihr von dem gnädigen Herrn überbracht hab, zwei blanke
Dukaten geschenkt. Der gnädige Herr hat ihr aber auch für
eine einzige Arie fünfzig Dukaten bezahlen müssen. Das ist
ein schönes Geld. Aber das ist doch nichts gegen Engeland.
In London, hör ich, da singen s' gar nach dem Gewicht. Da
kommt eine von den großen Noten auf ein ganzes Pfund, drum
heißt man s' auch die Pfundnoten. Da verdient sich eine an
einen einzigen Abend einige Zenten. Die müssen immer ein Paar
Pferd halten, daß sie ihnen das Honorar nachführen. Aber es
war auch etwas Göttliches um diese Sängerin. Ich versteh doch
auch etwas von der Musik, weil ich in meiner Jugend öfter nach
den Noten geprügelt worden bin, aber im Distonieren kommt ihr
keine gleich. Ich hab die ganze Arie nicht hören können, weil
ich im Hof unten war und die Jagdhund besänftigt hab, damit s'
nicht so stark dreingeheult haben, aber einmal hat sie einen
Schrei herausgelassen--Nein, ich hab schon verschiedene
Frauenzimmer schreien ghört, doch dieser Ton hat mein Innerstes
erschüttert. Aber den schönsten Wohlklang hat sie doch erst
gezeigt, wie sie die zwei Dukaten auf den Tisch geworfen hat,
das macht sie unsterblich. Und wenn ich ein Theaterdirektor wär:
die engagieret ich unter den schönsten Bedingungen. (Rosa
schleicht sich herein, tritt langsam vor und steht bei den
letzten Worten mit verscblungenen Armen neben ihm.) Und
gelächelt hat sie auf mich--gelächelt hat sie--
Rosa. Nun und wie hat sie denn gelächelt? (Lächelt boshaft.)
Wie denn? Hat sie so gelächelt--so?
Valentin. Ah, hör auf! Das ist ja nur eine Travestie auf ihr
Lächeln. Du wirst dir doch nicht einbilden, daß du das auch
imstand bist?
Rosa. Warum? Warum soll sie besser lachen können als ich?
Valentin. Nun, eine Person, die für eine Arie fünfzig Dukaten
kriegt, die wird doch kurios lachen können?
Rosa. Ja, aber wer zuletzt lacht, lacht am besten, und die werd
ich sein. Ich brauch keinen solchen Liebhaber, der in die Stadt
hineinlauft und den Theaterprinzessinnen die Cour macht.
Valentin. Ich muß tun, was mir mein Herr befiehlt. Punktum!
Rosa. Du und dein Herr ist einer wie der andere.
Valentin. Nu das wär mir schon recht, da wär ich auch ein
Millionär wie er.
Rosa. Du hast deine Amouren in der Stadt, und er hat s' im Wald
draus. Und wie schaust denn wieder aus? Den ganzen Tag hat man
zu korrigiern an ihm! Ist denn das ein Halstuch gebunden, du
lockerer Mensch? Geh her! (Bindet es ihm.)
Valentin. So hör auf, du erwürgst mich ja, schnür mich nicht so
zusamm!
Rosa. Das muß sein.
Valentin. Nein, das Schnüren ist sehr ungesund. Es wird jetzt
ganz aus der Mod kommen. Du sollst dich auch nicht so zusammradeln.
Rosa. Das geht keinen Menschen was an!
Valentin. Aber wohl! Das Schnüren hätt sollen gerichtlich
verboten werden, aber die Wirt sind dagegen eingekommen.
Rosa. Wegen meiner! Ja apropos, du stehst ja da, als wann ein
Feiertag heut wär? Wirst gleich gehn und dich anziehn auf die Jagd!
Valentin. Jetzt muß ich wieder auf die verdammte Jagd.
Rosa. Ja wer kann dafür, daß du so ein guter Jäger bist?
Valentin. Ah, ich jag ja nicht, ich werd ja gejagt. Sie behandeln
mich ja gar nicht wie einen Jäger. Ich ghör ja unters Wildpret.
Das letztemal hat der gnädige Herr eine Wildente geschossen,
und weil kein Jagdhund bei der Hand war, so hab ich sie müssen
aus den Wasser apportieren, und wie ich mitten drin war, haben
sie mich nimmer herauslassen.
Rosa. Und das laßt du dir so alles gfallen?
Valentin. Ja weil ich halt für meinen Herrn ins Feuer geh, so geh
ich halt auch für ihn ins Wasser.
Rosa. Nu so tummel dich, es wird gleich losgehen.
Valentin. Die verflixte Jagd! Wann man nur nicht so hungrig würd,
aber ich versichere dich: Ein Jäger und ein Hund frißt alle
Viertelstund.
Rosa. Schäm dich doch!
Valentin. Du glaubst nicht, was man auszustehen hat. Was einem
die Gäst alles antun. Meiner Seel, wenn mir nicht wegen dem
gnädigen Herrn wär, ich prügelt sie alle zusamm.
Rosa. So red doch nicht immer vom Prügeln in einem vornehmen
Haus. Da sieht man gleich, daß du unterm Holz aufgewachsen bist.
Valentin. Wirf mir nicht immer meinen Tischlerstand vor.
Rosa. Weil du gar so pfostenmäßig bist.
Valentin. Schimpf nicht über mein Metier.
Rosa. Laß mich gehn. Ich nehm mir einen andern. Ich weiß schon,
wem ich heirat.
Duett
Rosa. Ein Schlosser ist mein schwache Seit,
Das ist der erste Mann,
Der sorgt für unsre Sicherheit
Und schlagt die Schlösser an.
Valentin. Mein Kind, da bist du schlecht bericht,
Der Tischler kommt zuvor,
Der Schlosser ist der Erste nicht,
Der Tischler macht das Tor.
Rosa. Ein Schlosser ist zu schwarz für mich
Und seine Lieb zu heiß.
Valentin. Verliebt sich ein Friseur in dich
Der macht dir nur was weiß.
Rosa. Nein! nein! ein Drechsler! o wie schön!
Der ist für mich gemacht.
Valentin. Der kann dir eine Nasen drehn,
Da nimm du dich in acht.
Rosa. Ein Bäck, der ist mir zu solid,
Ich fürcht, daß ich mich härm.
Valentin. So nimm dir einen Kupferschmied,
Der schlagt ein rechten Lärm.
Rosa. Mit einem Schneider in der Tat,
Da käm ich prächtig draus
Valentin. Doch wenn er keine Kunden hat,
So geht der Zwirn ihm aus.
Rosa. Ein Klampfrer ist ein sichrer Mann,
Dem fehlt es nie an Blech.
Valentin. Ich ratet dir ein Schuster an
Es ist halt wegnem Pech.
Rosa. Ein Hutrer wär wohl nicht riskiert,
Der hat ein sichres Gut.
Valentin. Ja wenn die Welt den Kopf verliert,
Da braucht kein Mensch ein Hut.
Rosa. Ein Spekulant, o welche Pracht--
Doch hätt ich kaum den Mut.
Valentin. Ah, wenn er pfiffig Krida macht,
Da gehts ihm erst recht gut.
Rosa. Kurzum, ich wend im Kreis herum
Vergebens meinen Blick.
Drum kehr ich zu dem Tischler um,
Er ist mein einzig Glück.
Valentin. Verlaß dich auf den Tischlerjung,
Der macht dir keinen Gram.
Und kriegt das Glück einmal ein Sprung,
Der Tischler leimts zusamm.
Beide. Ein schöner Stand ist doch auf Ehr
Ein wackrer Handwerksmann.
Seis Schneider, Schuster, seis Friseur,
Ich biet das Glas ihm an.
(Beide ab.)