45. Band, 1. Doppelheft. Görlitz, 1868. 8.

Die Kreisstadt Guben in der Nieder-Lausitz seit dem Jahre 1815. Vom

Archidiakonus Tschirch. -- Eine Studienreise nach Italien (1563-1565).

Vortrag von Prof. Dir. Kämmel. -- Gab es zu Görlitz eine Burg und

Burggrafen? Eine kritische Untersuchung von Dr. Herm. Knothe. --

Vasari über Dürer. Von Dr. Alfred von Sallet. -- Zur 100jähr.

Gedächtnissfeier Wilhelm v. Humboldt’s. Vortrag von Dr. Theod. Paur.

-- Langenau im Görlitzer Kreise. Beschrieben von Pastor Ender. --

Jubelfest des Gymnasiums in Luckau. -- Kinderreime und Kinderspiele.

Ein Beitrag zur Volkspoesie der Lausitz, von Karl Haupt, Pastor. --

Heidnische Alterthümer aus dem Lübener Kreise. Ein Beitrag zur Schles.

Alterthumskunde von dems. -- Bücheranzeigen, Miscellen etc.

+Schlesiens Vorzeit in Bild und Schrift.+ +Neunter Bericht des...

Vereins für das Museum schlesischer Alterthümer.+ Mit 2 Bildtafeln.

Breslau, 1868. 4.

Karl IV., römischer Kaiser und König von Böhmen. Von Dr. Luchs. --

Schlesiens Antheil an der Verbreitung der Glasmalerei im Mittelalter

und ihrer Wiederbelebung in der Neuzeit. Von Assessor Knoblich. -- Die

Breslauer Stadtbaumeister im 16. Jahrhundert. Von Dr. Alwin Schultz.

-- Circular des fürstbischöflichen General-Vicariat-Amtes zu Breslau.

-- Die Steinschneidekunst in Schlesien. Nach Traditionen aus dem

Riesengebirge. Von Graf Hoverden-Plencken. -- Vereinsangelegenheiten.

Zehnter Bericht (mit 3 lithogr. Bildtafeln u. 3 Holzschnitten): Der

Marienaltar des Museums schlesischer Alterthümer. Gezeichnet und

beschrieben von Dr. Alwin Schultz. -- Die Pfarrkirche zu St. Georg in

Reichenbach i. Schl. Von Robert Schück. -- Das Schloß Groß-Wilkau bei

Nimptsch. Von H. Strusche. -- Das Schloß Vogelgesang bei Nimptsch. Von

Dr. Luchs. -- Allerlei.

Nachrichten.

Literatur.

_Neu erschienene Werke._

33) +Die Stadt Halle+, nach amtlichen Quellen

historisch-topographisch-statistisch dargestellt von C. H.

+Freiherrn von Hagen+, Stadtrath. Halle, Verlag von Emil Barthel.

1867. 2 Bde. 8. 640 und 548 Stn. Mit lithogr. Plänen.

Wir haben öfter bei Anzeige ähnlicher Werke Anlaß genommen, darauf

hinzuweisen, welch schätzbares Material auch für die Geschichte

im Allgemeinen in den gegenwärtig immer häufiger erscheinenden

Städtechroniken zusammengetragen wird. Sie bieten gewissermassen zu

den großen Zügen jener die feinere Kehrseite und zeigen, wie das Volk

sich mit den Ereignissen abgefunden, welchen Boden jenes auf Grund

seiner Bildung und Stimmung den letzteren geboten, um überhaupt in

ihrer Eigenartigkeit Wurzel zu fassen, welchen befruchtenden oder

deckenden Niederschlag diese ersteren zurückgelassen. Während wir aber

meistens uns begnügen müssen, in diesen Monographieen zerstreutes

Material zusammengetragen zu sehen, finden wir hier zugleich eine mit

großem historischen Takt durchgeführte Bearbeitung -- obwohl jenes

im weitesten Umfange bis auf die Neuzeit in Anspruch genommen und

die Schrift den Charakter einer Monographie, d. h. den Zweck, eine

allseitige Beschreibung der alten und der gegenwärtigen Stadt Halle zu

sein, streng festhält. Vieles, was in den vorliegenden Bänden enthalten

ist, kann nur für die Bewohner des Ortes selbst Interesse haben;

vieles Andere aber sollte auch kein Forscher sich entgehen lassen. Wir

rechnen dahin vor allem den Inhalt des zweiten Bandes, die Darstellung

der Stadt in Bezug auf das kirchliche und weltliche Regiment. Manche

Abschnitte des ersten, die Einrichtungen der Stadt behandelnden Theiles

sind von Fachmännern geschrieben, wie die Physiographie des städtischen

Gebietes, der Abschnitt über Bergbau und Hüttenwesen u. a., so daß

der Charakter der Gründlichkeit dem Werke von vornherein aufgeprägt

erscheint.

v. E.

_Aufsätze in Zeitschriften._

+Das Ausland+: Nr. 46, S. 1099. Zur Geschichte der

Schreibmaterialien. -- Nr. 48, S. 1151. Aus Nachgrabungen auf der

Pfahlbaute Robenhausen im Jahr 1868. (Jakob Messikomer.)

+Daheim+: Nr. 9, S. 134. Der Dom zu Halberstadt. -- Nr. 11. Das

Tafelgeschirr des Quinctilius Varus. (Dr. Mor. Busch.)

+Europa+: Nr. 47, Sp. 1495. Bart, Perrücke, Zopf. (Zur Geschichte

derselben.) -- Nr. 49., Sp. 1537. Weihnachtsumzüge im Mittelalter.

(Heinr. Asmus.) -- Sp. 1549. Glasmacherleute im baierischen

Hochwald. (Gebräuche derselben).

+Die Gartenlaube+: Nr. 47. Ein Kleinod aus deutscher Vergangenheit

(das Topplerschlößchen, Rothenburg ob der Tauber). -- Nr. 50, S.

796. Hermann’s Hort in Hildesheim. (M. B.)

+Die Grenzboten+: Nr. 49, S. 375. Die souveräne Freiherrschaft

Wolde.

+Preuß. Jahrbücher+: 22. Bd., 4. Heft, Oct. Wallenstein u. die

Spanier. 2 (K. Wittich.)

+Danz. Kathol. Kirchenblatt+: Nr. 46. 47. Die Kirche zu Pestlin und

deren Restauration. (R. Bergau.)

+Evangel. Kirchen-Zeitung+: 83. Bd. 3. Heft, Sept. Woher die

Pastoren? -- Bernhard von Clairvaux als Prediger.

+Notes and Queries+: Nr. 47, p. 482. Angling lore in the fourteenth

century. (T. Westwood.) -- Nr. 49, p. 529. Early english and german

drama. -- P. 535. Cross-legged effigies and the crussaders.

+Revue générale de l’architecture+ etc.: 26. Vol., Nr. 3-4, p. 62.

Exemples de Ferronnerie des XVI., XVII. et XVIII. siècles. (Planche

9-10.) (Frantz Hugelin.)

+Sonntagsblatt+ (v. F. Duncker): Nr. 41. Zur Geschichte des

Pferdes. (C. v. Kessel.)

+K. Preuß. Staatsanzeiger+: Beil. Nr. 240. Zur Geschichte der

Industrie in Brandenburg-Preußen im 16., 17. u. Anfang des 18.

Jahrh. -- Zur rheinischen Provinzialgeschichte. -- Ausstellung

alterthümlicher Gegenstände in Erfurt. -- Nr. 258. Das Rathhaus zu

Goslar. -- Nr. 270 u. 276. Der Einfluß der Prämonstratenser auf die

Germanisierung u. Christianisierung der östlichen Provinzen des

preuß. Staats.

+Theolog. Studien u. Kritiken+: 1869, 1. Heft. Zur

Geschichtschreibung u. Sittenlehre Hermanns von Reichenau.

(Baxmann.)

+Ueber Land und Meer+: Nr. 10 (XI. Jahrg.), S. 150. Kloster

Bebenhausen (bei Tübingen). -- Nr. 11, S. 166. Der Nikla-(St.

Nikolaus-) Abend.

+Zeitschrift f. bild. Kunst+: 2. Heft, S. 35. Dürer’s Hausfrau. Ein

kritischer Beitrag zur Biographie des Künstlers. Mit Abbildungen.

(M. Thausing.) -- S. 47. Meisterwerke der Braunschweiger Galerie.

VI. Männliches Bildniss von Rubens.

+Illustr. Zeitung+: Nr. 1328, S. 421. Die antiken Silbergefäße von

Hildesheim.

Vermischte Nachrichten.

124) Die bei +Hildesheim+ entdeckten werthvollen +silbernen Gefäße+

sind, nachdem sie sich als antike Werke ergeben, nach Berlin geschafft

worden, um daselbst im Museum aufgestellt zu werden. Dieser Fund wird

in dem demnächst zu erwartenden Winkelmann-Programm des Bonner Vereins

von Alterthumsfreunden im Rheinlande wissenschaftlich behandelt und

publiciert werden. Die Arbeit ist von Professor Wieseler in Göttingen

übernommen worden. (Blätter, die ausführlicher über den Fund berichten,

sind unter der vorhergehenden Rubrik „Aufsätze in Zeitschriften“

angegeben.)

(Ill. Ztg. 1326.)

125) Beim Bau des Eisenbahndammes (schreibt man aus +Münster+ v. 12.

Decbr.) haben sich diesseits der neuen Emsbrücke in der Gegend einer

alten Umwallung 4 höchst interessante und seltene +Bronzegegenstände+

gefunden, die sämmtlich ungefähr dieselbe Form haben; nur sind 2 etwas

kleiner im Umfange und Durchschnitten. Einen besondern Namen kann man

ihnen nicht geben, da man mit Sicherheit nichts darüber anzugeben

vermag, wozu sie ursprünglich gedient haben. Gestalt und Grösse hält

ungefähr die Mitte zwischen Hufeisen und dicken Ringen. Aeußerlich

liegen an der geraden Seite blattartige Querreifen, auf dem rundlichen

Bügel Gravierungen, zu welchen bei einigen Exemplaren noch Löcher

hinzukommen.

(Köln. Ztg. Nr. 348, 2. Bl.)

126) Beim Ausgraben eines Wasserbehälters an der Südseite der Stadt

+Boppard+ sind die Arbeiter in einer Tiefe von etwa 8 Fuß auf mehrere

alte +steinerne Särge+ gestoßen, welche aus einem weichen Stein

gehauen und theils mit einem steinernen ausgewölbten Deckel, theils

mit Steinplatten zugedeckt sind. Die trogartig ausgehauenen Särge

sind noch gut erhalten und von verschiedener Größe. Nach dem Inhalte

der Särge zu schließen, gehören sie etwa dem 5. Jahrh. an. Es fanden

sich darin bei den Gebeinen verrostete, aber in ihrer Gestalt noch

gut erkennbare Schwerter, Schmuckgegenstände und vollständig gut

erhaltene, weiche Steine von der Grösse eines Ziegelsteines, deren

Inschriften noch so leserlich sind, als wären sie erst vor einem Jahre

ausgegraben. Die charakteristischen Lettern lassen das Zeitalter mit

Bestimmtheit erkennen; auf einem der Steine liest man: Hic requiescit

in pace Chrodbertus..... (unius?) anni. Der kleine Sarg, worin sich

dieser Stein befand, scheint einer Kinderleiche angehört zu haben. Ein

anderer Inschriftstein, der in einem der Särge lag, enthält bei dem

Namen die Bemerkung: presbyter X ann. (während 10 Jahre Priester?). Ein

Sarg ist offenbar aus einer früheren römischen Votivtafel ausgehauen;

seine untere Fläche zeigt genau die Form einer solchen und eine

vertilgte ältere Inschrift. Deutliche Skulpturen, von welchen eine ein

Meerungeheuer mit Wolfsrachen und Fischschweif darstellt, das von einem

Manne bekämpft wird, sind daran noch sichtbar.

(Dies. Nr. 347, 2. Bl.)

127) In +Alt-Ofen+ ist man auf dem Grund und Boden der ersten

Alt-Ofener Kalk- und Ziegelbrennerei-Actiengesellschaft auf +römische

Grabstätten+ gestossen, die aus Backsteinen hergestellt sind. Einer

der dazu verwendeten Ziegel trug den Stempel _Leghardi._ Zwei Skelette

wurden in den Gräbern gefunden, darunter das eine das Gerippe eines

Kindes, neben dem ein silberner Ohrring lag. Die Nachgrabungen werden

fortgesetzt.

(Ill. Ztg. Nr. 1328.)

128) Bei den Restaurationsarbeiten des +Kaiserhauses+ in +Goslar+

ist ein für den Wiederaufbau wichtiger Fund, der über den inneren

Ausbau Licht verbreitet, gemacht worden. Die Nachgrabungen haben in

Fortsetzung zu den beiden Säulen an der Rückwand zu Seiten des Thrones

je zwei 4 Fuß lange und 3 Fuß breite Säulenlager, in Zwischenentfernung

von etwa 15 Fuß durch Sandsteinbogen verbunden, in der Richtung nach

der Vorderseite des Gebäudes freigelegt, also zu beiden Seiten des

mittelsten der vorhandenen sieben Gewölbe. Da diese vier Säulenlager

die einzigen vorhandenen sind, so berechtigt der Umstand zu dem

Schlusse, daß die Decke des ganzen Saales nicht eine gewölbte war,

zumal sich oben auf dem Mauerwerke noch hie und da Spuren der alten

Balkenlager finden, und ferner, da noch jetzt das Gebäude mitten über

der Fronte einen Erker trägt, daß der Mittelbau über und vor dem

Throne, eben von vier steinernen Säulen (von einer findet sich auch

noch die Basis) getragen, sich bis ins Dach hinein erhob.

(D. Kunstztg. Nr. 42.)

129) Unter die namhaftesten Erwerbungen des Alterthumsvereins zu

Mannheim aus neuerer Zeit zählt eine große Ara (10 Zentner schwer) von

gelbem Sandstein mit vier halblebensgroßen Reliefbildern, Herkules und

Merkur, Juno und Minerva darstellend. Der Stein war in den Burgtrümmern

auf dem Eichelberg bei Odenheim-Wiesloch gefunden worden und seit

Jahren in einem Garten des Rentamtsgebäudes in Neckarelz (wo in der

katholischen Kirche eine als Taufstein benutzte Ara mit den Göttern

der sieben Wochentage sich noch befindet) der allgemeinen Kenntniß

entzogen. Die Göttergestalten waren bisher nach der Deutung von

Wilhelmi für Merkur, Herkules, Jupiter und Aeskulap gehalten worden.

(Korr. v. u. f. D. Nr. 609.)

130) Von +Venedig+ wird in Bezug auf die +zwischen Oesterreich und

Italien wegen der Archive und Bibliotheken getroffenen Vereinbarung+

Folgendes berichtet: Die italienische Kommission hat von der Wiener

Regierung Alles, was sie wünschte, mit großer Bereitwilligkeit

erlangt: 4000 Bände historischer Dokumente, meistens dem Zentralarchiv

Venedigs angehörend; mehr als 100 Codices der Bibliothek von S. Marco;

10 Foliobände von Staatsakten des Hauses Visconti und der ersten

Sforza, ehemals dem Archiv von Mailand zugehörig; eine große Zahl von

Gemälden und andern Kunstgegenständen, darunter der berühmte Kelch der

Königin Theodelinde. In Wien sind noch zurückgeblieben 200 Codices,

die zwischen den Jahren 1837 und 1842 aus Mailand dorthin kamen,

als der berühmten Sammlung Foscarini angehörig betrachtet, welche

Oesterreich im Jahre 1800 ankaufte. Darüber, heißt es, unterhandle man

noch. Behalten hat Wien mehr als 300 Bände Depeschen venetianischer

Botschafter an den deutschen Höfen von 1540 bis 1797, mit der

Verpflichtung, dieselben zum Behufe von Abschriften nach Venedig zu

schicken, wenn sie gewünscht werden.

(Das.)

131) Unter dem Namen +Holbein-Society+ ist in London ein Verein

zusammengetreten, der sich zur Aufgabe macht, von alten, seltenen

Büchern, zu deren Herstellung sich die Kunst mit der Literatur

verbunden, Facsimile-Abdrücke zu veranstalten. Weil es viele solcher

Werke gibt, die Holbein ihren Kunstschmuck verdanken, so hat die

Gesellschaft nach ihm sich genannt. Die mit Hilfe der Photolithographie

zu reproduzierenden Werke sollen den Mitgliedern der Gesellschaft

zu sehr mäßigen Preisen geliefert werden, und zwar soll der Anfang

mit Holbeins Todtentanz (Lyon 1538) und seinen Bildern für das alte

Testament (1548) gemacht werden.

(Mag. f. d. Lit. d. Ausl. Nr. 49.)

+Mittheilungen.+

In der C. H. +Beck+’schen Buchhandlung in +Nördlingen+ erschien soeben

und ist durch alle Buchhandlungen zu beziehen:

Kunst und Kunstgewerbe

+vom frühesten Mittelalter bis Ende des achtzehnten

Jahrhunderts+.

=Ein Hand- und Nachschlagebuch=

zur leichten Orientirung in Fächern und Schulen, Meistern,

Nachahmungen, Mustern, Technik, Zeichen und Literatur.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band. · 第 148 / 150 题