Literatur.
_Neu erschienene Werke._
28) +Belagerung, Zerstörung und Wiederaufbau der Burg Hohenzollern
im fünfzehnten Jahrhundert.+ Nach dem jetzigen Standpunkte der
Quellen dargestellt von Dr. L. +Schmid+, Hauptlehrer an der
Real-Anstalt zu Tübingen. Mit Beilagen von zuvor ungedruckten
Urkunden. Tübingen, Verlag der Osiander’schen Buchhandlung. 1867.
8. 122 Stn.
Die vorliegende kleine Schrift erzählt, durchweg auf urkundliche
Forschung gestützt, den verderblichen Streit der Brüder Friedrich und
Eitelfritz Grafen von Zollern gegeneinander und jedes derselben gegen
die ihnen verfeindeten Landstände aus ihrer Nachbarschaft. Abgesehen
vom Schicksale der jüngst in erneutem Glanze hergestellten Burg, welche
in jenen Streitigkeiten zu Grunde gieng, werden wir schwerlich mehr für
eine der aufgeführten Personen oder Thatsachen ein Interesse gewinnen,
welchen bei der Nacktheit und Rohheit der ihren Handlungen zu Grunde
liegenden Triebfedern nicht einmal ein romantisches Gewand sich umlegen
läßt. Doch gerade in dieser streng historischen Darstellung werden die
behandelten Personen und Thaten typisch für tausend andere, welche, wie
wir wissen, damals im Reiche sich bewegten. Wir sehen die erschreckende
Leere, in welcher der bedeutendste Theil des Volkskörpers existierte,
und würden in Verlegenheit sein, die folgenden Geschichtsepochen
herzuleiten, wenn nicht noch andere Quellen uns zu Gebote ständen. Die
Kulturgeschichte, z. B. das Fehdewesen, die Kriegskunst der Zeit
u. s. w., erhalten, in dem Buche mancherlei Ausbeute.
v. E.
_Aufsätze in Zeitschriften._
+Europa+: Nr. 34, Sp. 1063. Der Frauendienst des Mittelalters. --
Nr. 35, Sp. 1097. Volkskrankheiten und Heilkunst im Mittelalter.
+Illustr. Familien-Journal+: Nr. 37 (771), S. 170. Die Sachsen in
Siebenbürgen.
+Die Gartenlaube+: Nr. 36, S. 572. Eine Denkstätte „deutscher
Treue“ (Burg Trausnitz im Thale).
+Grenzboten+: Nr. 34, S. 300. Abseit der Heerstraße. 2. Eschwege.
+Notes and Queries+: Nr. 35, S. 193. The Fairford windows: Albrecht
Durer, etc.
+Revue des deux mondes+: T. 76, 15. Août, 4. livr., p. 791.
La Suisse et ses ballades. I. L’épopée de la faim et le héros
national. (Louis Étienne.)
+Wochenblatt der Stadt Weissenburg+: Nr. 88. Fund eines römischen
Militärdiploms bei Weissenburg in Mittelfranken.
+Allgemeine Zeitung+: Wochenausg. Nr. 35, S. 550. Die Restauration
des Ulmer Münsters. -- S. 553. Rede auf Jakob Balde. (J. Schrott.)
+Danziger Zeitung+: Nr. 4996, 14. Aug., u. 4998, 15. Aug. Der
Ziegelrohbau mit besonderer Rücksicht auf die Provinz Preußen. (R.
Bergau.)
+Illustr. Zeitung+: Nr. 1312, S. 130. Die Sonn- und
Mondfinsternisse in Brauch und Glauben des Volks. -- S. 131. Das
Haus zum „Goliath“ in Regensburg. (H. Weininger.) -- Nr. 1314. Das
Passionsspiel zu Brixlegg.
Vermischte Nachrichten.
87) Der Bildhauer Gustav v. Dornis hat, ursprünglich für den
Marktbrunnen zu +Eisenach+, eine +Statue Martin Luther+’s als
kleinen Currentschülers geschaffen. Bei der Feier des vorjährigen
Wartburgjubiläums ward der Gedanke angeregt, das Denkmal vor dem
Wohnhause der Frau Cotta aufzustellen, die den Currentschüler Luther
in ihre mütterliche Pflege genommen hatte. Die burschenschaftlichen
Kreise, von welchen der Gedanke ausgegangen, wollen ihn nun auch zur
Ausführung bringen, und Robert und Richard Keil in Weimar haben zu
diesem Zwecke einen Aufruf erlassen in ihren „Erinnerungsblättern an
die burschenschaftlichen Wartburgfeste von 1817 und 1867“ -- einem
Buch, welches zunächst bestimmt ist, dem 1866 zu Jena verstorbenen
Professor Scheidler ein Grabmal zu stiften.
(Ill. Ztg. 1312.)
88) Im Archiv des Kreisgerichts zu +Marburg+ wurden verschiedene,
seither unbekannt gewesene +Briefe Luther+’s und des +Götz von
Berlichingen+, sowie einige Ablaßbriefe von 1517 aufgefunden.
(Frk. Kur. Nr. 245.)
89) Wie Herr J. Blahut in Prag dem german. Museum schreibt, befindet
sich in seinem Besitze ein +Planetolabium+ aus dem Nachlasse des
dänischen Astronomen +Tycho de Brahe+, welches, seinem System
gemäß eingerichtet, nicht allein von ihm, sondern auch von Kepler und
dem Kaiser Rudolf II. benutzt worden sein soll. Bis zum Jahre 1852 auf
der Prager Sternwarte verwahrt, wurde es sodann nebst andern Sachen
veräußert und von dem gegenwärtigen Besitzer erstanden. Derselbe
denkt, es jetzt wieder zu verkaufen und, sollte ihm in Deutschland
kein annehmbarer Preis geboten werden, sich nach England zu wenden. Es
wäre sicher wünschenswerth, daß eine so seltene Reliquie Deutschland
erhalten bliebe.
90) Im herzoglichen Museum zu +Braunschweig+, und zwar im letzten,
nordwärts stehenden Fensterschranke in der östlichen Galerie, befindet
sich ein altes +Altarlaken+ von ponceaurothem Seidendamast, in welches
Figuren, die sich wiederholen: kniende, ein Rauchfaß schwingende
Engel, Sonne, Halbmond, Löwe und Adler, sowie in Medaillenform der
Heiland und die Jungfrau Maria, eingestickt sind. Diese jetzt ziemlich
unscheinbare Altardecke war ursprünglich ein von Kaiser +Otto+ IV.
(von Braunschweig), Sohn Heinrich’s des Löwen, getragener Mantel. In
seinem am 18. Mai 1218, also kurz vor seinem am 29. auf der Harzburg
erfolgten Tode, errichteten letzten Willen hieß es: „Wir bitten dich,
Bruder Pfalzgraf Heinrich, wenn Wir gestorben sind, das heilige
Kreuz, die Lanze, die Krone und den Zahn von St. Johannes dem Täufer,
sammt den übrigen Reichskleinodien (-reliquien?), mit Ausnahme Unsers
Mantels, welcher an St. Aegidien zu geben ist (praeter pallium nostrum,
quod dandum est ad Stum. Aegidien), noch zwanzig Wochen zu verwahren
und Keinem zu überantworten, der nicht einmüthiglich zum Haupte des
Reichs erkoren ist.“ Auf diese Weise kam der kaiserliche Mantel an
das Aegidienkloster zu Braunschweig und wurde von den Mönchen in eine
Altardecke umgewandelt. Nach der Reformation blieb er Jahre lang
versteckt und unbemerkt mit andern Sachen in einer Kiste auf dem Boden
des Collegium Carolinum verborgen liegen, bis er vor einigen Jahren
aufgefunden und sein Kunst- und historischer Werth richtig gewürdigt
wurde.
(Braunschw. Tagbl. Nr. 217.)
91) Bei der Abräumung eines Platzes auf dem +Regensteine+ bei
Blankenburg (Braunschweig) wurden verschiedene +Alterthümer gefunden+,
namentlich eine eiserne Kanonenkugel, eine Streitaxt, eine sehr gut
erhaltene Todtenurne und verschiedene Pfeilspitzen. Es hat sich
herausgestellt, daß die Kanonenkugel aus dem Jahre 1757 von der
Beschießung des Regensteins durch den französischen General d’Ayen
herrührt.
(Dass. Nr. 237.)
92) Der Geh. Archivrath Dr. Lisch berichtet in den Meckl. Anz.
über einen größern Fund aus dem Torfmoore von +Holzendorf+, Amts
Sternberg. Dieser Fund besteht aus den +Resten einer Gießstätte der
Bronzezeit+, unter welchen sich auch eine vollständige bronzene Gußform
zu bronzenen Wurfgeschossen (framea oder Celt), die erste in den
deutschen Ostseeländern entdeckte, mit den abgebrochenen Gußzapfen,
findet, außerdem aber noch aus ungefähr 30 Stücken von theils noch
nicht gefeilten gegossenen Alterthümern geringeren Werthes, theils
von Bruchstücken zerbrochener bronzener Geräthe, welche offenbar zum
Einschmelzen bestimmt gewesen sind.
(Korr. v. u. f. D. Nr. 434.)
93) In dem Forste zwischen +Beschine+ und +Mönchmotschelnitz+
(Schlesien) sprengte man einen erratischen Block von enormer
Größe. Unter demselben, in einer Tiefe von etwa 6 Fuß, fanden die
Arbeiter einen Steinhammer von sehr schöner Arbeit. Derselbe ist von
Serpentinstein, die Face bildet eine regelmäßige Ellipse, nur an einem
Ende so weit abgeplattet, wie es der Gebrauch als Hammer bedingt; am
entgegengesetzten Ende ist eine etwas lückige Schneide, in der Mitte
ein vollkommen zirkelrundes, durchgehendes Loch; am dicksten Theile
hat der Hammer in der Face wie im Profil zwei Zoll Durchmesser; der
Diameter von der Schneide bis zum andern Ende beträgt sechs Zoll.
(Augsb. Postztg. Nr. 214.)
94) Die antiquarischen +Aufgrabungen auf Rügen+ haben am 18. Aug.
begonnen. Die von der Regierung ernannte Comission, welche diese
Arbeiten leitet, besteht aus dem Generalconservator Geh. Regierungsrath
v. Quast in Berlin, dem Archivrath Dr. Lisch in Schwerin und dem als
Zeichner fungierenden Baumeister Hammer, welchen sich, auf besondere
Einladung, der auf Kosten der dänischen Regierung abgesendete
Alterthumsforscher Staatsrath Worsaae aus Kopenhagen angeschlossen hat.
Die der Commission gestellte Aufgabe ist, die auf Rügen befindlichen
Burgwälle aus heidnischer Zeit zu untersuchen. Nach dem vorläufig
entworfenen Plan erstreckt diese Untersuchung sich auf die Wälle
zu Garz, auf dem Rugard, auf dem Gute zu Venz bei Gingst, Arcona,
Herthaburg und Werder bei Saßnitz.
(Ill. Ztg. Nr. 1313.)
95) Interessante Nachforschungen hat man unlängst an dem kleinen
See (loch) von +Forfar+, in der hochschottischen Grafschaft Forfar
(Angus), angestellt, welche die ungewöhnliche Seichtigkeit des Wassers
erleichterte. Das Dasein eines Crannog, oder +Pfahlbaues+, in diesem
See war seit lange bekannt, aber erst jetzt ward er genauer untersucht.
Zwölf Arbeiter durchbrachen den Dammweg, von welchem 150 Ellen
bloßgelegt wurden; er bestand aus einem Aufwurf von Stein und Mergel,
der sich bis zum westlichen Ende des Sees erstreckte. Auf der Nordseite
erhob sich eine Reihe von Pfählen mit einer Querlage von Pfählen
darüber, im Allgemeinen gegen 5 Fuß unter der Oberfläche des Grundes.
In diesem fand man Lager von Asche, Schaf- u. Rinderknochen, Hauer von
Wildschweinen und einige Bronzewerkzeuge. Man sieht, wie dieser Crannog
an die Pfahlbauten der Schweiz erinnert.
(Korr. v. u. f. D. Nr. 444.)
Verantwortliche Redaction: A. +Essenwein+. Dr. G. K. +Frommann+. Dr. A.
v. +Eye+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.