1868. Nº 8. August.
Chronik des germanischen Museums.
+Nürnberg+, 15. August 1868.
Nachdem wir unsere Chronik in der vorigen Nummer dazu benützt haben,
den auswärtigen Freunden mitzutheilen, was in jüngster Zeit in Bezug
auf die Sammlungen geschehen ist, und so an dieser Stelle nicht
blos ein Bild dessen zu geben, was im Laufe der Zeit der Anstalt
geschenkt worden, und wie ihre äußeren Verhältnisse sich entwickelt
haben, sondern auch, so weit die innere Entwickelung sich in kurzen
Worten darstellen läßt, für kommende Zeiten festzuhalten, in welcher
Reihenfolge und in welchem Maße hier die Fortschritte sich ergaben, so
haben wir in dem gegenwärtigen Berichte wieder zunächst der äußeren
Schicksale, d. h. der Unterstützungen, die uns geworden sind, zu
gedenken.
Wie früher alljährlich, so ist uns auch im Jahre 1868 aus bayerischen
Kreisfonds eine namhafte Unterstüzung zugegangen, und zwar aus
mittelfränkischen 300 fl., oberfränkischen 50 fl., unterfränkischen
100 fl., oberpfälzischen 50 fl., rheinpfälzischen 100 fl. und
niederbayerischen 200 fl. Die großh. oldenburgische Staatsregierung hat
den früher geleisteten Beitrag von jährlich 100 fl. auf drei weitere
Jahre erstreckt; Herr Graf v. Erbach-Schönberg hat die Summe von 100
fl. zur Minderung unserer Schuld an Herrn von Aufseß gespendet.
Unserem Wunsche, den wir in der Chronik zu Nr. 4 dieses Jahres
ausgesprochen: es möchten die edeln Familien Deutschlands uns
behülflich sein, daß unsere Grabsteinhalle in Gipsabgüssen der
künstlerisch und historisch merkwürdigsten Grabsteine wo möglich auch
die Namen der alten edeln Familien dem Publikum vor Augen führe, hat in
liebenswürdigster Weise Herr Freiherr v. Gemmingen, großh. Kammerherr,
in Karlsruhe entsprochen und einen Gipsabguß des Grabsteins Diether’s
von Gemmingen († 1405) in der Kirche zu Gemmingen uns übersendet.
Möge dies schöne Beispiel recht viele Nachfolge finden, und mögen uns
baldigst die betreffenden Mittheilungen gemacht werden, damit wir in
der chronologischen Aufstellung der Denkmale nicht beirrt sind.
Wir haben noch zu erwähnen, daß die hohen Regierungen, angeregt zum
Theile durch die öffentlichen günstigen und ungünstigen Aussprüche über
unsere Anstalt, derselben nunmehr ein erhöhtes Interesse zuwenden, und
daß manche derselben sich veranlaßt gesehen, spezielle Informationen
über den jetzigen Zustand und die gegenwärtigen Tendenzen des german.
Museums einzuholen. Mit Freuden begrüßen wir diese Schritte, da wir
darin nicht nur Beweise des Interesses sehen, sondern auch fest
überzeugt sind, daß Alles, was in jüngster Zeit geschehen und worin
sich der jetzt in unserer Nationalanstalt herrschende Geist ausspricht,
so weit gebilligt werde, daß wir über die fernere Unterstützung
derselben von Seite der Regierungen beruhigt sein können.
Mit besonderem, hohem Danke aber haben wir hier der bayerischen
Regierung zu gedenken, die uns überhaupt so wohlwollende Förderung
hat angedeihen lassen, daß sie nämlich, in Folge der Informationen,
die der Herr Referent im Kultusministerium sich hier erholte, und auf
dessen Bericht hin, die Bitte des I. Vorstandes genehmigt und ihre
Gesandten bei allen deutschen Höfen angewiesen hat, den Regierungen
Aufschlüsse über die jetzigen Zustände des Museums zu geben und sie
zu nachdrücklicher pekuniärer und moralischer Unterstützung desselben
einzuladen. Wir hoffen, daß dieser wohlwollende Schritt der bayerischen
Regierung, der auf direkter Information über unsere Anstalt beruht, den
Regierungen, wie auch dem gesammten deutschen Volke, den Beweis liefern
wird, daß das germanische Museum sich nunmehr auf einer Bahn befindet,
die es vollkommen berechtigt, das Interesse des deutschen Volkes in
Anspruch zu nehmen.
Unser Gelehrtenausschuß hat auch im Monat Juli mehrere seiner Glieder
leider durch den Tod verloren, nämlich: den Universitätsprofessor und
Direktor der k. Gemäldegallerie in Berlin +G. F. Waagen+ († 15. Juli),
der sich zugleich als vieljähriges Mitglied des Verwaltungsausschusses
um unsere Anstalt verdient gemacht hat; ferner: +Chrn. v.
Stramberg+ in Coblenz († 20. Juli) und den geh. Regierungsrath und
Universitätsprofessor Dr. Fr. +W. Schubert+ in Königsberg († 21. Juli).
Seit Veröffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden folgende
+Jahresbeiträge+ bewilligt:
Von =öffentlichen Kassen=: Landshut, Stadtmagistrat 10 fl. (statt
früher 5 fl.)
Von =Privaten=: =Archangel=. Lehrer der deutschen Sprache E. Roller 3
fl. -- =Jena.= Verlagsbuchhändler Costenoble 1 fl. 10 kr., Professor
Czermak 1 fl. 45 kr., Dr. Ebers 1 fl. 45 kr., Dr. med. Frankenhäuser
1 fl. 45 kr., Buchhändler Ed. Frommann 1 fl. 10 kr., Professor
Gädechen 1 fl. 10 kr., Hofrath Gerhardt 1 fl. 45 kr., Geh. Hofrath
Göttling 1 fl. 45 kr., Ober-App.-Ger.-Rath v. Hahn 1 fl. 10 kr., Dr.
Friedr. Klopfleisch 1 fl. 45 kr., Archidiakonus Dr. Klopfleisch 1 fl.
45 kr., Geh. Hofrath Ried 1 fl. 45 kr., Postmeister Schmidt 1 fl.
10 kr., Hofrath Stöckhardt 1 fl. 10 kr., Professor Zenker 1 fl. 45
kr. =Lauf.= Kaufmann J. Gebhardt 1 fl., k. Notar Weingärtner 1 fl.
=Ludwigsburg.= W. Eberbach 1 fl., Apotheker Greiner 1 fl. 10 kr., Dr.
v. Heider in Markgröningen 1 fl., E. Schreiber 1 fl. 10 kr. =Neustadt
a/H.= Herausgeber der Neustädter Chronik, Kunstgärtner Dochnahl 1
fl. =Nürnberg.= Apotheker Rosenhauser 1 fl. 45 kr., Oberst Schieber
1 fl. 45 kr., Regimentsaktuar Ant. Unfried 1 fl. =Pfaffenhofen.=
Mühlbesitzer Aichbiehler in Gebrontshausen 1 fl. 45 kr., Pfarrer
Ant. Hell in Gosseltshausen 1 fl. 45 kr., Kaufmann Alois Kistler in
Wolnzach 1 fl. 45 kr., Maler Balthasar Kraft 1 fl. =Posen.= Kaufmann
und Stadtverordneter Breslauer 1 fl. 45 kr., Reg.-Rath Fritsche 1 fl.
45 kr., Medizinalrath Dr. Le Visseur 1 fl. 45 kr., Reg.-Rath Meerkatz
1 fl. 45 kr., Reg.-Rath Seliger 1 fl. 45 kr., Baurath Stenzel 1 fl. 45
kr., Buchdruckereibesitzer Zörn 1 fl. 45 kr. =Reutlingen.= Oberamtmann
Schippert 1 fl. 45 kr. =Schwerin=. Gymnas.-Lehrer Dr. Sellin 1 fl. 45
kr. =Stuttgart.= Hauptmann im k. württ. Generalstab Sarvey 1 fl.
+Einmalige+ Beiträge wurden gegeben.
Von =Privaten=: =Jena=. Privatdozent Dr. Conrad 1 fl., O.A.G.-Rath
Eberhardt 1 fl. 45 kr., Professor Fortlage 1 fl. 45 kr., Buchhändler
Fr. Frommann 1 fl. 10 kr., Hofrath Gegenbauer 1 fl. 45 kr., Professor
Geuther 1 fl. 45 kr., O.A.G.-Rath Gottschalk 1 fl. 45 kr., O.A.G.-Rath
v. Gross 1 fl. 45 kr., Professor Häckel 1 fl. 45 kr., Professor
Hildebrand 1 fl. 10 kr., Prosessor Hilgenfeld 52½, Professor
Langethal 1 fl. 10 kr., Justizamtmann Martin 52½ kr., Professor
Schäffer 52½ kr., Collegienrath Dr. Schiele 1 fl. 45 kr., Professor
Schillbach 1 fl. 10 kr., Hofrath E. Schmid 1 fl. 10 kr., Bauinspektor
Spittel 1 fl. 10 kr., O.A.G.-Rath Schüler 1 fl. 45 kr., Diakonus Stier
52½ kr., Geh. Medizinalrath Wedel 1 fl. 45 kr., Schuldirektor Dr.
Zeiß 52½ kr. =Wien.= k. k. Gerichts-Adjunkt Ritter von Raimann 3 fl.
30 kr.
Für unsere Sammlungen liefen ferner folgende Geschenke ein: