jörg..... gos mich.
+Nürnberg.+
+A. Essenwein.+
Römerspuren im Osnabrück’schen.
Es möchte wol nicht unwahrscheinlich sein, daß die nördlichste der
römischen Heerstrassen (die südliche folgte bekanntlich dem Laufe der
Lippe) von Holland und dem Zuidersee durch das Fürstenthum Osnabrück
an die Weser führte. Wenigstens Möser meint, daß Germanicus auf seinem
zweiten Zuge von der Ems nach dem Idistavisischen Felde jenseit der
Weser über die Kuackenbrücke und so weiter über Vörden gegangen
sei. Wenn wir nun den östlichen Theil dieser Strasse vom rechten
Emsufer ab verfolgen, so kommen wir durch eine an vorchristlichen
Alterthümern und Römerspuren überaus reiche Gegend. Unterhalb Düthen
(dem Tuderium des Ptolemäus?), wo der Weg die bis dahin noch schiffbare
Ems überschritt, so daß hier eine Verbindung mit den zu Schiffe
stromaufwärts kommenden Truppen stattfinden konnte, finden wir in der
Nähe von Lathen in der Tinner Dose, einem zwischen dem Emsufer und dem
Hümmling gelegenen Moore, eine Fortsetzung der pontes longi, welche
die Holländer bekanntlich im Jahre 1818 im Bourtagner Moore zwischen
dem Kloster Terapel und dem Dorfe Varlte aufdeckten. Den Bohlenweg
in der Tinner Dose zwischen dem Hengstberge[142] und der Bauerschaft
Sprackel am Westrande des Hümmling entdeckte im Jahre 1860 der Amtsvogt
Buchholz in Lathen. Er besteht, wie der Bohlenweg in der Bourtagne,
aus 8 Fuß langen, ungleich breiten, 2 bis 3 Zoll dicken, mit der Axt
zugehauenen eichenen Bohlen und liegt ebenfalls 3-4 Fuß unter der
Sohle des Moores. J. G. Kohl besuchte den Bohlenweg in der Tinner Dose
einige Jahre später und hat in seinen „Nordwestdeutschen Skizzen“
davon erzählt. Wir betreten nun das Hochplateau des Hümmling, vor
allen ausgezeichnet durch heidnische Steindenkmäler, von denen nach
Wächter’s Statistik im Jahre 1841 noch 28 vorhanden waren. Erwägt man
nun, wie viele Steindenkmäler im Laufe der Zeit zerstört sein mögen,
so ist die Anhäufung derselben auf einem verhältnißmäßig so kleinen
Raume höchst merkwürdig. Gleich in der Sprackeler Mark finden wir ein
schönes Hünengrab von 13 Trägern und 4 Decksteinen. Berühmt sind ferner
die drei Börger Denkmäler, dann das schöne Hünenbette bei Werlte von
14 kolossalen Decksteinen und 32 Trägern. Leider zerstört ist das
berühmte Denkmal des Königs Surbold im Walde bei Börger, das größte
dieser Art, da unter dem einzigen Decksteine 50, nach Anderen sogar 100
Schafe Platz hatten. Aber neben den altheidnischen Denkmälern finden
wir wiederum Römerspuren. So wurden im Jahre 1824 in einem Grabhügel
mehrere römische Silbermünzen vom Kaiser Augustus und der Kaiserin
Faustina entdeckt (Wächter’s Statistik S. 139). Von dem trocknen Rücken
des Hümmling steigen wir in die Haseniederungen hernieder und verfolgen
unseren Weg über die Kuackenbrücke, an den Dammer Bergen vorbei über
Vörden, Venne, Bohmte in das Fürstenthum Minden. Wir durchziehen die
altosnabrückschen Aemter Bersenbrück, Damme, Vörden, Hunteburg und
Wittlage, welche überaus reich an altgermanischen Alterthümern und
Römerspuren sind. Im Amte Bersenbrück fesseln das berühmte Giersfeld
mit seinen 8 Steindenkmälern, welches oft, zuletzt von J. G. Kohl
in seinen „Nordwestdeutschen Skizzen“, beschrieben worden ist, und
unter vielen das Hünenbett zu Hekese bei Bersenbrück, welches 300 Fuß
lang und 20 Fuß breit ist, und Decksteine von 12 bis 15 Fuß Länge
enthält, unsere Aufmerksamkeit. Im Amte Damme liegen Steindenkmäler,
eines bei Hinnenkamp von 40 Fuß Länge und 24 Fuß Breite und eines bei
Damme, deren auch Lodtmann in seinen Monumentis Osnabrugensibus S. 29
erwähnt. Aber auch Römerspuren vermissen wir im Amte Damme und seiner
Nachbarschaft nicht. Am südlichen Abhange der Dammerberge liegen nahe
beieinander zwei Schanzen, Ringlager. In der Nähe von Ihorst fand man,
wie uns Nünning erzählt, im Jahre 1705 in einem Heidenmonumente einen
Carneol, worauf ein Kuhgespann sehr niedlich ausgraviert war. Vergl.
Dr. J. H. Müller, vorchristliche Alterthümer S. 49.
Wir betreten nun auf einem einzigen Wege das Amt Vörden. Der jetzige
Flecken dieses Namens ist ein alter Grenzpaß. Vörden sind nach Möser
uralte Anlagen, älter als Strassen -- +es sind Wege, die zuerst
mit Holz belegt gewesen+. Im Amte Vörden sind die Römerspuren vor
allen wahrnembar. Unter der Regierung des Fürstbischofs Ernst August
II. wurden in einem Grabmale ein römischer Merkur und um ihn herum
verschiedene Aschentöpfe gefunden. In der Nähe des Wittenfeldes, wohin
die Sage die letzte Schlacht zwischen Karl d. G. und Wittekind verlegt,
werden von den Bauern, wie Möser erzählt, beim Plaggenmähen römische
Gold- und Silbermünzen gefunden und 130 solcher zu Barenaue aufbewahrt.
Möser hat sie für die Monumenta Osnabrugensia seines Freundes Lodtmann
bestimmt und behauptet, daß keine einzige das Zeitalter des Augustus
überschreite[143]. Wir betreten nun das für Alterthumskunde und Sage
wahrhaft classische Amt Hunteburg; denn hier liegen Welplage auf der
Haar, wo Karl d. G. nach der Sage lagerte, und das Karlsfeld, wo er mit
Wittekind stritt und das Feld behauptete. An dem Wege von Venne nach
Ostercappeln lagen früher (Wächter’s Statistik S. 111) 3 Steindenkmäler
auf dem s. g. Felsen-Esch. Das eine ist noch ziemlich erhalten, und der
einzige noch aufliegende Deckstein ist 10 Fuß lang, 5 Fuß breit und
4½ Fuß dick. Interessanter noch sind die 3 Denkmäler zu Dargvenne.
Das größte hat eine Länge von 26 Schritt, und die größte Breite beträgt
13 Schritt. Unter den noch vorhandenen 6 Decksteinen ist einer 10
Fuß lang, 6 Fuß breit und 5 Fuß dick. Auf einem zum Gute Krebsburg
gehörigen Grundstücke im Driehauser Felde liegt das ansehnlichste
Steindenkmal von allen (Wächter S. 111). Es besteht aus 42 großen und
kleinen Steinen, von denen noch 7 auf ihren Trägern ruhen.
Im Venner Moore wurden im Anfange der achtziger Jahre des vorigen
Jahrhunderts zwei römische Goldmünzen gefunden. Die eine derselben,
die auf dem Titelkupfer der Geschichte des Hochstifts Osnabrück von
Dr. Eberh. Stüve abgebildete bekannte Goldmünze August’s mit den
Cäsaren Gajus und Lucius auf dem Revers, ist im Besitz der Frau Gräfin
Münster zu Langelage. Die andere ist eine überaus seltene Goldmünze des
Aquillius Florus, die Riccio unter No. 5 der gens Aquillia anführt.
Caesar Augustus. Caput laur. dextr.
Rev. L. Aquillius Florus III. Vir. Flos.
Sie befindet sich jetzt im Besitze des Herrn Archiv-Sekretärs Sudendorf
zu Hannover.
Zwischen dem Dorfe Bohmte im Amte Wittlage und dem Stifte Levern im
Fürstenthum Minden zieht sich längs des Bohmter Bruches eine lange
Haide hin bis zum Levern’schen Sundern. Ehe man dahin gelangt, wird die
Haide durch Moräste, welche von beiden Seiten sich dort zusammenziehen,
fast bis zur Weite eines Büchsenschusses zusammengedrängt. In dieser
Erdenge finden sich an drei verschiedenen Stellen doppelte und
dreifache Gräben und Aufwürfe, die wie uralte Verschanzungen aussehen.
In der einen soll Karl d. G., in der gegenüberliegenden Wittekind vor
der Schlacht auf dem Karlsfelde gestanden haben. Vier in der Nähe
liegende Hügel wurden im Jahre 1807 vom Grafen Münster untersucht
und Gegenstände von Eisen: 3 Nägel, eine große, runde Schnalle mit
Heftnadel und mehrere längliche, an der Spitze gebogene Stücke
gefunden, außerdem eine feine, in Grünspan oxydierte Kette von der Form
und Größe einer gewöhnlichen Venetianerkette nebst Perlen von blauem
Email. Vergl. Müller a. a. O. S. 11.
Indem wir nun das Fürstenthum Osnabrück verlassen und in das
Fürstenthum Minden eintreten, finden wir in der alten Comitia Stemwede
in der Nähe von Randen, sechs Stunden von Minden, die letzten Spuren
von altgermanischen Denkmälern. Graf Münster, welcher diese Gegend
im Jahre 1807 besuchte, gibt an, daß von zwei Denkmälern nichts mehr
übrig sei, als der Platz, wo sie gestanden. Von den beiden anderen,
theilweise erhaltenen weise das hinter dem sogenannten Jägerkruge
gelegene einen Hauptstein von enormer Länge auf. Er soll 8 Schritte
lang und 3 Schritte breit sein. Vergl. Müller a. a. O. S. 21.
Soweit haben wir nun den Germanicus auf seinem Zuge nach dem jenseit
der Weser gelegenen Idistavisischen Schlachtfelde zwischen der
Weserscharte, dem Schaumburger Walde und den Döhrener Bergen begleitet,
und wenn auch die Richtigkeit dieses Weges wol nicht bewiesen werden
kann, da Tacitus hier gerade eine empfindliche Lücke hat (Ann. II,
8 ist hinter „hausti sunt“ bis „metanti castra“ eine Lücke, und die
Angabe des Weges verloren gegangen), so bleibt doch der Umstand
wichtig, daß wol selten anderswo ein solcher massenhafter Fund von
Römermünzen aus der Zeit des Augustus vorkommt.
+Lintorf.+
+Dr. Herm. Hartmann.+
Die Dürermedaille von Bezold.
Wer je ein Original dieser Medaille gesehen hat, wird gleich zur
Ueberzeugung gekommen sein, daß sie nicht, wie Will[144] und
Bolzenthal[145] angeben, um 1625 entstanden sein kann. Sie gehört
unbestreitbar den besseren Werken der Mitte des 16. Jahrhunderts an.
Wie ist nun der Name Janus Bezoldus auf dem Revers der in den beiden
citierten Werken abgebildeten Medaille zu erklären? Gab es zwei
Künstler dieses Namens, oder hat Hans Bezold, der bekannte Nürnberger
Goldschmied, eine ältere Darstellung copiert? Letzteres wäre möglich;
ich habe zwei sehr ähnliche, aber durchaus verschiedene Ausführungen
dieser Porträtmedaille constatiert.
Ich besitze ein prachtvolles +Original in Silber+ von diesem
Kunstwerke, mit folgender, erhaben aus dem Silber heraus ciselierten
Umschrift auf der Vorderseite: ALBERTI DVRERIS (_sic_) PICTORIS GERMANI
EFFIGIES. 1561. ✣
Der Revers ist wie bei dem von Will und Bolzenthal abgebildeten
Exemplare ebenfalls schwarz emailliert, und man liest darauf in
erhabenen, silbernen Buchstaben folgende Inschrift, wie sie auch in dem
Nürnbergischen Münz-Cabinet von C. A. im Hof, Th. I, Abth. 2, S. 726
abgedruckt ist:
Honori
Alberti Dureri Norimberg.
Pictoris celeberrimi
Cernere naturam si vis, en cerne Dürerum
Haec sculptura refert os, humerosque. Viri
Ipsa sed athereos mens alta perambulat igneis
Impar cui Pallas Parrahasiusq(ue) fuit,
Ingenij monumēta libros tabulasq(ue) reliquit
Quas admiratur Gallia, Roma, Brito
Fulsit Olympiadas denas et quatuor orbi
Hesperus hic Cineres patria servat hum(us).
Denatus Norimbergae
VIII Idum Aprilis
A. Dn̄i. MDXXIIX
Vom Avers besitze ich außerdem einen alten Bleiabguß ohne alle
Inschrift.
Da diese Medaille das authentische Datum von 1561 hat, so kann sie
unmöglich von dem bekannten Hans Bezold sein, der 1550 geboren wurde.
+Paris.+
+Edwin Tross.+
Hat Luther die von Sebastian Franck übersetzte Türkenchronik
bevorwortet?
Eine herrschende Tradition, der u. A. selbst H. Bischof in seiner
Tübinger Preisschrift über S. Franck und Heinr. Merz in dem
biographisch-literarischen Artikel der Herzog’schen Real-Encyklopädie
für protest. Theologie und Kirche beistimmen, nimmt an, daß Luther die
von S. Franck aus dem lateinischen Original eines Siebenbürgers im J.
1530 übersetzte Türkenchronik mit einer Vorrede eingeleitet habe.
Diese Angabe hat ihre großen Bedenken; es mag daher gerathen sein, um
die für Luther und S. Franck gleich wichtige Frage zur Entscheidung zu
bringen, die bisher bekannten wesentlichen Momente zusammenzustellen.
1) Die Vorrede findet sich nach Erbkam, Geschichte der protestantischen
Sekten, 1848, S. 291, Not. 3 +nicht+ in der Walch’schen Ausgabe von
Luther’s Werken; eben so wenig in der neueren Erlanger, noch in der
Jenaer Ausgabe, welche ich beide selber verglichen habe.
2) Die beiden von H. Stainer zu Augsburg im Jahre 1530, resp. unter
dem 26. October und dem 18. December vollendeten Drucke enthalten
diese Vorrede gleichfalls nicht. s. Jördens, Lexikon I, 559. Ch. K.
am Ende, Fortges. kleine Nachlese, 1798, S. 6 und die dort gegebenen
Nachweisungen.
3) Freilich erwähnen Jördens a. a. O. sowie Ch. K. am Ende, daß die
Augsburger Drucke Nachdrucke einer von Fr. Peypus zu Nürnberg in
demselben Jahre veranstalteten editio princeps sind. Dafür spricht auch
in dem Augsburgischen Titel der Zusatz: Newlich widerumb vberlesen.
Diese editio princeps scheint aber beiden Männern nicht durch Autopsie
bekannt gewesen zu sein.
4) Der Titel der Nürnberger Ausgabe lautet bei Ch. K. am Ende a. a. O.,
muthmaßlich nach Nopitsch in dem Nürnberger Gelehrten-Lexikon oder auch
Schelhorn’s Ergötzlichk. 1, 126:
Chronica vnnd beschreibung der Tuͤrckey mit yhrem Begriff, ynnhalt,
prouincien, voͤlckern, ankunfft, kriegen, reysen, glauben, religionen,
gesatzen, sytten, geperden, weis, regimenten, fruͤmckeyt, vnnd
boßheiten, von eim Sibenbuͤrger, 22 jar darinn gefangen gelegen, in
Latein beschrieben, +verteutscht mit einer vorrhed D. Martin Lutheri.
Zehen oder aylff Nation+ vnd Secten der Christenheyt Anno MDXXX. in 4.
Zuletzt: Getruckt zu Nuͤrnbergk durch Fridericum Peypus.
Die gesperrten Worte lauten nun in den Augsburger Drucken wesentlich
anders:
+durch Sebastian Franck verteutscht. Sechzehn Nation, Secten vnd
parthey.+
5) Wäre es möglich, daß diese Peypus’sche, ohne Angabe des Uebersetzers
veranstaltete Ausgabe von Just. Jonas herrührte? Die Jenaer Ausgabe von
Luther’s Werken enthält in tom. V (1588) Bl. 258 b ff. eine Vorrede
Luther’s von 1530: „Auff ein Lateinisch Buchlin geschrieben, Welchs
von der Tuͤrcken Religion zum teil redet, Verdeutscht durch D. Justum
Jonam.“
Soweit das, was ich zu ermitteln wußte. Ich darf aber wol die Hoffnung
aussprechen, daß auch Andere mit mir den Wunsch und das Bestreben hegen
werden, an ihrem Theile jedem der hier betroffenen Triumvirn zu seinem
Rechte zu verhelfen.
+Schwerin.+
+Friedr. Latendorf.+
Ein Heft Meisterlieder von Hans Sachs.
Wegen des beinahe vollständigen Verschwindens von Einzeldrucken der an
sich so seltenen Meisterlieder unseres Hans Sachs will ich hier den
Inhalt einer kleinen Sammlung, welche der Nürnberger Drucker Valentin
Fuhrmann um das Jahr 1580 besorgte, kurz beschreiben. Den Tönen zufolge
sind die zehn darin enthaltenen Meisterlieder sämmtlich von Hans Sachs.
Das Exemplar gehört dem germanischen Museum; aber es mangelt Bogen A,
und von mehreren Blättern des Bogens B der untere Theil mit etwa zwei
Zeilen. Dies war auch der Grund, weshalb man es zurückgestellt hatte,
so daß es erst jetzt mir zu Gesicht kam. Vollständig mußte das Heft
16 Blätter zählen; es ist ohne Datum und trägt die Nachschrift: Bey
Valentin Fuhrmann. Vom fünften Liede fehlen die beiden ersten Zeilen,
mit denen der erste Bogen schloß; dasselbe handelt vom Teufel wie er
den Juristen holt: drei Strophen oder Gesetze.