ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1868. Nº 4. April.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Der Buben Orden.

An die vielen seltenen alten Einblatt- und sonstigen Drucke, welche

zur deutschen Nationalliteratur gehören, reiht sich wol ein Büchlein

würdig an, welches im J. 1866 von der königl. Bibliothek im Haag bei

der Versteigerung der Bibliotheca Tydemanniana erworben wurde. Ich

erlaube mir, über dasselbe in Kurzem hier zu berichten und den Abdruck

des nicht umfangreichen Gedichtes folgen zu lassen.

Das kleine, nur acht Blätter in 2^o umfassende Heftchen fand ich

nirgends erwähnt. Auch E. Weller scheint es nicht zu kennen; und nur

bei Grässe, Trésor u. s. w. findet sich ein Pendant nämlich: Orden (der

vollen brüder).

Das Buchdruckerzeichen ist der sehr abgenutzte Stock des Johann

Koelhoff zu Köln, welcher nach ihm auch von Henricus de Nussia

angewendet wurde, und zwar in diesem Fall, wie sich mir aus

Vergleichungen ergab, vor 1509. Nach Köln ist deshalb dieser „Bouen

Orden“ zu setzen.

Die Abschrift ist in so weit getreu, als nur die schlimmsten

Druckfehler entfernt wurden; es sind desungeachtet noch sehr viele

dergleichen übrig geblieben.

+Fol. 1^a. (Titel.) Der bouen orden.+

(Folgt ein Holzschnitt, worauf ein Schiff mit vier Narren und ein Wagen

mit zwei Narren; der Wagen wird gezogen von einem Pferd, auf welchem

noch ein Narr. Wahrscheinlich rührt dieser Holzschnitt von einer

Ausgabe des bekannten Narrenschiffs her.)

+Fol. 1^b.+

Der bouen ordē byn (ich) genant

In der gantzer werlt wail bekant

Ind in allen geslechten dat is wys

Want ein huere off boiff dair in is

He is van broderē ind swesterē vol

Die allesamēt vā vernūfft syn dol

Wāt der ordē is sere strenge vā leuen

Ind leirt weder gotz gebot streuen

Ind woltu kennen eyn rechten wetzkegel

Merck off he volge deser regel

+Fol. 2^a.+ Dyt is der tytel und ouer|schryffte des Abts van

der boyffen orden

SEnt Magog van geckshusen. | Abt tzo Snodelberch by Ayster | feldt

im Sticht van Slabber, | Heymlich rait Bisschoffs ane sorgen van |

Erēberch ind hoeffmeister keisers ergantz | van vastenhusen Der intbuit

vch synen | wunderlichen grutz ind wat he vremdes | vermach. ind leist

vch wissen als her nae | geschreuen steit | Wilt ir hoeren ind syt

bereit ind swiget | Al stille ind begeuet vre claffen want | ouer all

vint men gecken ind affen. | Vant men sy ye so syn sy hie dat | Sy wair

in godes oamen (_sic_) Amen | Niemant en sal sich des schenē | ind lais

ouch varē alle affen|heit in denck nai der wissheit | Vnd sult ouch

niet erster|uen yr solt ydt an vre | kynder eruen Gar |

+Fol. 2^b.+

Ein hillich vater heisch sent magot

Der dede kundigen syn gebot

Synen orden ind syn gebet

Off yemant wer der syn wet

Ind syne regel wuolde intfaen

In synem orden syn vnderdain

Van geckshusen was he genant

He was der eyrstwerf den orden vant

Die stait van den boiffen orden

Dat ich in duytschen worden

Wil vertzellen sunder wain

Wilt ir hoeren ind wail verstain

Den eyrsten broder den he vntfinck

Der also sacht in den orden gynck

Dat was broder euerhart

Dem wart der orden also hart

Want he leyt mannichen harden dach

Hunger dorst ind vngemach

Allet vmb des ordens willen leyt

Ich nemen idt wael vp mynen eyt

Dat he alle syn leuen lanck

Nye vroelichen dach gewant

Want alle selicheit was ym dure

Sent magot gaf ym auenture

Dathe ein here und ein abt is wurden

In dem seluen swaren boiffen orden

Ind gaf eme die craft

Dat he van synre macht

In des rychen godes genade

Ander broder mochte ouch beraden

Fol. 3^a.

Ind hangen an den habyt

He hadde des ordens groissen vlyt

Eyn priuilegium he ym gaf

Da al der orden was komen af

Ind da die regel tzo mail in steit

Des was der abt wail gemeit

Dat priuilegium bedudet alsus

Benedicite dominus.

Geselle wuoltu dych bekeren

Ind den hilligen orden eren

Ind den boiffen orden entfaen

So moistu wyslich daer na staen

Ind gelouen dat in truwen

Dattu mit vreuden ind mit ruwen

Den hilligen orden stede tzo halden

Ind da by ouch tzo alden

Ouch wil ich dir vort sagen

Den habyt saltu moissen dragen

Nae sent magertz wetz

Dat is ein hemde ind ein netz

Dat willen wir dyr schencken

Dyn cleyder willen wir verdryncken

Idt sy peltz rock off wambus

Dat moistu aller komen vys

Kogelbrvch ind ouch die hosen

Dat moistu aller hier laissen

Licht vur dē wynde dunne vur dē hagē

Alsus moistu dich beiagen

Ind alsus in den orden varen

Ind dych ouch nyrgens ynne sparen

Fol. 3^b.

Ouch moistu dycke louffen erre

Want vnser closter dat is verre

Ind vnser dormenter is verbrant

Nyrgen nae is he genant

Ouch moistu dich ouch dair tzo saissen

Alle goide dynge saltu laissen

Ind bestain alle affenheit

Ind alle goide dinge sullen dir wesen leit

Du salt alle boisheit trecken vort

Nūmer en saltu sprechen goide wort

Vloich swere ind wese vnkuysch

Vlys dich tzo vndoegeden ind genuyss

Ind wanne du kumps tzo heren houe

So halt vast in dynem loue

Die genen die in der kuchen syn

So wirt dir vleisch broit ind wyn

So friß suyf ind bis ein sluch

Vur eyn got kiese dyn buich

Haue al wege dyn getzyde bald vyss

De kuche sy dyn gotzhuyss

Metten Prime synck du allein

Eyns anderen Jae sy dyn neyn

Tercie None ind Deprofundis

Lais varen ind rayme des mundes

Lais ouch varen dat magnificat

Ind mach dich mit den eyrsten sat

Pater noster ind ouch den crede

Mit den saltu ouch hauen vrede

Want sie en hoeren in den orden niet

Den sent magot gehalden het

Fol. 4^a.

Lais sy lesen die begynen

Ind begyn tzo sorgen ind tzo pynen

Ind begyn tzo sorgen al den dach

Wie dat gefullet werde dyn krach

Nummer en saltu werck bestain

Geneire dych mit moissich gain

As dich dan hunger besteit

Ind dyn buich widder die ribbe sleit

Ind is dat dir also ergait

Dattu kumbs in ein stat kalt in nat

Ind hais dar tzo den clappertzant

Ind en hais dar tzo noch gelt noch pant

Ind du en hais noch vleisch noch broit

Ind hais hunger ind dorst groit

Weistu wattu salt dan bestain

Vroemlich saltu dyn dynck anfain

Ganck umb in dat eirste huys

Ind sprech vngeluck vair hervys

Ind schudde dyn lodder holt

Ind sprich vrauwe dusentvalt

So mois vre goit vermeret syn

Ir syt so edel ind so rechte fyn

Ind van so gaer hoger art

Got hait vch seluer bewart

Lyef sele got ind ere

Is dattu den huys here

Nyet in dem huys en vyndes

So raeden ich dyr dattu begynnes

Van artzedyen tzo sagen

Woultu goit ind ere beiagen

Fol. 4^b.

So sprich dattu eyn meister sys

Ind sys van kunsten also wys

Idt sy dat heuftwe off den redde

Die gicht kanstu boesen mede

Den huest off den snabelruysch

Kanstu allet dat dryuen vys

Ouch saltu sie betasten

Synt sie vet so heisch sie vasten

Sprich du kunnest snyden den steyn

Ind dar tzo heilen arm ind beyn

Ind wie die suchten synt gelegen

Do weistu allet boyse entgegen

Hant sie dan heuftsweren

Den buychbyss off ander seren

Dairaf saltu sie corrigieren

Ind eyn sanunge visieren

Ind proeuen vmb ein goit woirt

Dat saltu dicke trecken voirt

Alsus saltu mit yn viseuasen

Ind salt yn driwerf in den ars blasen

Sy geuen dir wattu heisch

Idt sy visch off vleisch

Sy geuen dir broit ind gelt

Dat nym ind mach dych vp dat felt

Danck in sere ind bis vro

In dem anderen huse do ouch also

Ind versmae grois noch clein

Vyndestu anderswie dy mait alleyn

Off die dochter van dem huse

So treck ein ander kunst heruys

Fol. 5^a.

Sprich dattu ein waerseger sys

Ind sys verdreuen van parys

Ind hais waersagen geleirt

Ind sys daer van wael sere vermeirt

Wyden ind syden in dat lant

Es sy in dem vuyre off in der hant

In dem spigel off anderswae

Gelych wail ich michs verstae

Ouch kan ich ander meisterie

Ind schaffen eynen vrye

Wae magde ind knaben weren

Ich nemen tzo hulpen vnsen heren

Ind wolde idt mit worden daer tzo bringen

Dat sy were in den dyngen

Alle syns willen dat is wair

Idt sy heymlich off offenwair

Hedde ouch ein maget ein bolen vtverkoren

Als dat sie den magdum het verloren

Ind wer gesprongen ouer dat seyl

Dat kan ich allet machen heil

Die eyn saltu kruyt leren suiffen

Die ander baden in der kuiffen

Der derden laissen an dem enkel

An dem arm ind an dem schenckel

An den voissen off an der hant

Alsus wurstu al vmb wael bekant

Ind vur ein meister gehalden

Beyde van iungen ind van alden

So louff dan in dat wynhuys

Do mach dyn wort also kruys

Fol. 5^b.

Dae vinstu ritter ind knauen

Dae vinstu leyen ind paffen

Dae saltu auer nuwe begynnen

Van wiedspiel ind van mynnen

Van weidspiel ind van iagen

Dair van saltu syngen ind sagen

Van vogelen ind van hunden

Van torneien ind van tafelrunden

Van rennen ind van ryden

Van schirmen ind van stryden

Ind van anderen behegelichen dyngen

Dair aff saltu sagen ind syngen

Gyfft dir yemant goit off ere

Dat nym ind bedanck dich sere

Es sy gelt off wyn

Dat brenge dae die gesellen syn

Ind bewair dyn dynck mit eren

Dat dir idt niemant moege verkeren

Want alle die in dem orden syn

Die brengen al ir beiach by dat dyn

Es sy ouch klein off groit

Pletzer wurst vleisch off broit

Es gyft vrende tzer vart

Ind guyss des wyns in dynen bart

Ind tast mit tzo hyn ind her

Idt sal noch betzalen der

Der is niet burge wolde wesen

As men tzo reuenter hait gelesen

So saltu besitzen der rechter boiffen wet

Ind setzen dich by dat dobbelbret

Fol. 6^a.

Ind werpen al vmb ein kanse

Idt wirt ein hasert off ein schantze

Kanstu dan vurdel vp dem steine

Dattu werfes vil kansen off eyne

So machstu lychtlich goit gewinnen

Is dat die steine also rennen

Dat dich dat spiel duncket verloren

Sprinck vp ind mach eynen tzorn

Ind sprich ir boiffen die steyne syn valsch

Ind slach ir eynen an den hals

An dat heuft ind anderswae

Du vindest leichte eynen dae

Der sich des ordens wael versteit

Ind dich widder dyn oir sleit

Off he nympt eyn wyn kan

Ind absoluirt dich van dem bann

Ind deit dyr recht broderschaff

Ind nympt dir al dyn leyt aff

Ind gyft dyr vp mit vlissen

Dat dich die vloe niet en byssen.

Wandt idt hoert den broederen tzo

Tzo allen tzyden idt sy spade off vroe

Hude broder morgen geslagen

Al sulchen orden sullen die heren dragen

Als wir vch alsus vinden rein corrigiret

Ind van den sunden absoluiret

Vch lust tzo dryncken vil de bass

Als vch dat bloet leufft vmb den hals

Weistu wattu dan salt doin

Du salt werffen vmb ein nuwe soyn

Fol. 6^b.

Vmb peys ind vmb vrede

Dat vuer eyn den anderen bede

Ind gelouen by vren eyden

Vre ein van dem anderen nyet tzo scheiden

Ind sytzen weder neder vp die stat

Ind dryncket ouch des wyns sat

Ind solt dat also volbringen

Mit drincken ind mit syngen

Als idt in vre regel steit

So wilch man gelt off cleit

Mit eyme slaiffen dreyt

En helt niet des ordens eyt

Ind is vys syme orden getreden

Dair vmb sage ich vch mit kurtzen reden

Haistu dan gelt off pant

Des mach dich quyt tzo hant

Ind behalt des ordens recht

Woultu syn ein getruwer knecht

Ind ein gehorsam broder

So en halt rock noch voider

Broich hosen noch lappen

Du setzes idt allet vur den tzappen

As du drinckes ouch also

Dat alle dyn lyf is gantz vro

Ind dich dan der slaiff besteit

Ind dyn tzunge vp trippen geit

Ind du weres geren tzo rasten

Ind beginst al vmb dich tzo tasten

En mach dir niet geuallen bass

So kruyf in eyn vass

Fol. 7^a.

Bis vro ind kruyf balde dair in

Ind sprech me noch mynne

Want vns die bedde syn dure

So willen wir louffen in ein schuyre

Jae iae boiffen orden got ere dich

Leuen ich lange ich meren dich

So gain ich in ein wyn huys

Hain ich idt dat mois her vyss

So gaint die stein vp dem brede

Ind sagent mir ein nuwe rede

Setz dych neder geselle myn

Ind trecke vyss die cleider dyn

Want der wurffel hait den art

Dat he van rechter vart

Nie goit en gewart

Hye endet der boiffen orden und etzlige broder des seluen Ordens stain

genoempt mit namen ind tzonamen als hernae volghen wirt

Fol. 7^b.

Hyr nae volgen die Namen der broder.

(Folgt der nämliche Holzschnitt, welcher schon auf dem Titel steht.)

Fol. 8^a.

Dyt syn die namen der broder dye tzo der tzeyt in dem orden waeren:

Setzwurffel

Clopkyste

Kyicker durch den gaden

Fotzen huet

Tzyt verliess

Duldendey

Quincquanck

Krauen schenckel

Ruymschottel

Lantschade

Hundes quaste

Droech potgyn

Ruyme die kyste

Suyme dich niet

Quait vasel

Nummer goit

Galgen cloppel

Seyl meysigyn

Sleinerbeck

Luntres der alt

Stapelgeck

Selden reyn der iunge

Slabbert der alt

Fuet heinrichen

Her anteschmyt

Her hoden sack

Schnyden wynt

Galgen swengell

Ind vort vil rechlicher gesellen der namen mir tzo vil wer tzo tzelen

want ir syn vil boues maisse Dat yr eyn den anderen niet en kan

geruymen die straissen.

Explicit caluerstertz der

Hunt hait die blase en wech.

Maria hoichgeboren ind moder der barmhertzycheit bedenck dye armen

broder dat Sy nummer werden verloren Want sye lyden vp erden so groysse

smaecheit ynd spot des lais Sy geniessen barmhertziger ewiger got Amen.

+Fol. 8^b.+ (Buchdruckerzeichen.)

+Haag.+ M. J. A. G. +Campbell+,

zweiter Bibliothekar bei der königl. Bibliothek.

=Einige Leuchter für den Profangebrauch=, +in den Sammlungen des

germanischen Museums+.

[Illustration: Fig. 1.]

[Illustration: Fig. 2.]

[Illustration: Fig. 3.]

In Nr. 12 des vorigen Jahrganges sind einige Leuchter aus den

Sammlungen des germanischen Museums abgebildet, die theils sicher,

theils wahrscheinlich dem kirchlichen Gebrauche angehörten und daher

in unsern Sammlungen unter die kirchlichen Alterthümer eingereiht sind.

Wir haben dort nur diejenigen beschreiben zu müssen geglaubt, die in

Original sich in unsern Sammlungen befinden, ohne auf die reichhaltige

Sammlung von Abgüssen einzugehen, in denen sich der Entwickelungsgang

leicht verfolgen läßt, da solche als bekannt vorausgesetzt werden

dürfen. Diesen Leuchtern nun lassen wir hier einige folgen, die sich

in der Sammlung profaner Gebrauchsgegenstände finden, glauben jedoch,

da dergleichen aus älterer Zeit verhältnißmäßig selten sind, auch auf

einige Abgüsse interessanter Originale eingehen zu sollen. Der älteste,

dessen wir zu erwähnen haben (Fig. 1), zeigt einen einfachen Dorn auf

einem aus romanischem Blattwerk gebildeten dreiseitigen Fuße. Die

Arbeit ist handwerksmäßig roh. Er dürfte dem 13. Jahrh. entstammen;

das Original ist in Sigmaringen. Das älteste Original unserer

Sammlung ist ähnlich; es zeigt einen umgestürzten sechsblätterigen

Blumenkelch, oben abgeflacht und mit einem Dorn versehen, um den sich

ein Wachskerzchen wand (Fig. 2). Dieser Leuchter ist von Kupfer, mit

Emailschmuck ausgestattet, und war ehemals vergoldet. Er gehört schon

dem 14. Jahrh. an. Ein ähnlicher, etwas größerer Leuchter aus dem 14.

Jahrh. findet sich in der k. k. Ambraser-Sammlung in Wien. (Photographie

im german. Museum.) Eine weitere Leuchterform des 14. Jahrhunderts,

die nicht selten gewesen zu sein scheint, ist im german. Museum nur

durch ein Bruchstück vertreten; ein Abguß eines ganzen Leuchters,

der sich im bayerischen Nationalmuseum in München befindet, erklärt

jedoch das Bruchstück hinreichend. Es stellt einen Mann (Fig. 3) in

engen Beinkleidern, kurzer um die Hüfte gegürteter Tunica mit weiten

Aermeln dar, der auf den ausgespreizten Armen zwei Kerzenhülsen trägt

und auf einer dreifüßigen Platte steht. Wir bilden nicht unser

Bruchstück, sondern den Leuchter des bayerischen Museums in München

ab, da noch vielseitig ähnliche Bruchstücke als heidnische Götzen

gelten. Klemm hat in einer der früheren Ausgaben seines Werkes solche

Figuren (ohne Untersatz und Lichthülsen) für altgermanisch gehalten,

und das germanische Museum besitzt einige Abgüsse von solchen Figuren

aus dem böhmischen Museum in Prag, die, mit heidnischen Götzennamen

versehen, als slavische Idole galten, bei uns jedoch unter die Leuchter

des 14. Jahrhunderts eingereiht sind. Die Abbildung des vollständigen

zweiarmigen Leuchters wird jedoch hoffentlich jeden Zweifel lösen, der

noch da und dort bestehen sollte.

[Illustration: Fig. 4.]

[Illustration: Fig. 5.]

[Illustration: Fig. 6.]

[Illustration: Fig. 7.]

Aus dem 15. Jahrhunderte besitzt das Museum zwei sehr hübsche Leuchter

aus Eisen. Der eine ist klein, für eine Kerze bestimmt, die durch eine

Feder in der hohen Hülse festgehalten wird. Wir haben in diesem nur 4″

2‴ hohen Leuchterchen, das schon ganz an die für Talgkerzen gebrauchten

Leuchter unseres Jahrhunderts erinnert, offenbar den Leuchter der

einfachen bürgerlichen Haushaltung (Fig. 4), während der Leuchter Fig.

5, für vier Wachskerzen berechnet, in höheren Kreisen der Gesellschaft

seine Dienste leistete. Ein Messingleuchter in Gestalt eines Drachen

(Fig. 6) erinnert an die romanischen Drachenleuchter, steht aber auf

der Grenzscheide des 15. und 16. Jahrhunderts. Die Kerzenhülse stammt

von einem andern Leuchter her und ist zur Erklärung, da sie gerade

paßt, hier aufgesetzt. Zwei ziemlich einfache, zweiarmige Eisenleuchter

gehören dem 16. Jahrh. an. Es schien nicht nöthig, sie hier abzubilden.

Ein Landsknecht des 16. Jahrh., der ehemals zwei Kerzen auf den

ausgestreckten Armen trug und auf einem runden Untersatze steht, ist

eine Reproduktion des Gedankens, den schon Fig. 3 gibt. Da die Figur

des Landsknechtes sehr charakteristisch ist, so glauben wir, sie hier

abbilden zu sollen (Fig. 7). Drei verschiedene eiserne Leuchter, die

dem 16. und 17. Jahrh. angehören, dienten, wie Fig. 1 und 2, zur

Festhaltung dünner Wachskerzchen, die jedoch in eine scheerenartige

Federvorrichtung eingeklemmt waren. Einer davon ist in Fig. 8

abgebildet. Zum Schlusse geben wir in Fig. 9 und 10 zwei Leuchter aus

dem 16. und 17. Jahrh. als Probe schöner Eisenarbeit. Fig. 9 ist so

eingerichtet, daß die Kerzenhülse nebst dem Behälter für Tropfwachs

sich auf- und abschieben läßt; ohne Zweifel befand sich eine zweite

solche Kerzenhülse neben der ersten. Fig. 10 hat, wie Fig. 4, eine

Federvorrichtung, welche die Talgkerze in der Hülse festzuhalten hat.

Er hat unten sein Tropfbrett; die Verzierungen, welche den Charakter

der Renaissance tragen, sind frei und leicht und zeigen ungemeine

Handfertigkeit. Zwei ähnliche, etwas einfachere und vielleicht etwas

jüngere Leuchter sind im Besitze des Herrn v. Wurmser in Gratz.

[Illustration: Fig. 8.]

[Illustration: Fig. 9.]

Wir haben nun zwei ganz gleiche Wandarmleuchter aus Eisen zu nennen,

von denen der eine in Fig. 11 abgebildet ist. Aus vierkantigem

Eisen ist ein horizontaler Arm gebildet, der am Ende auf einer

in die Wand eingreifenden senkrechten Stütze aufliegt und dessen

vorderes Ende durch eine schräge Stütze gehalten wird. Durch

aufgeschweißtes Flacheisen sind maßwerkähnliche Verzierungen

gebildet. Diese Wandarme gehören dem 16. Jahrh. an. Ferner ist eine

Reihe interessanter Kronleuchter vorhanden. Dem 14. bis 15. Jahrh.

gehört ein Messingleuchter an, der ganz ähnlich sich im Rathhause zu

Regensburg findet; dem 15. und 16. Jahrh. ein einfacher, flacher,

eiserner Reif, auf den einige Kerzenträger aufgenietet sind, und der

an drei Ketten hängt; derselben Zeit ein großes Hirschgeweih, das

mit einem geschnitzten Engel mit vergoldetem Gewande und Haaren,

bemaltem Gesichte und Händen verbunden ist. Der Engel hält in der

einen Hand einen Kerzenträger; eine Anzahl solcher ist an dem durch

einen Eisenreif vollends in’s Runde gezogenen Geweih befestigt.

Dieser Kronleuchter stammt aus dem Rathhause zu Forchheim. Besonders

schön ist ein dem 16. Jahrh. angehöriger großer Kronleuchter, der

einen Drachen vierköpfig und zweischwänzig zeigt (Fig. 12), welcher

mit einem Rennthiergeweih verbunden ist und an drei Ketten hängt. Er

stammt vom Schlosse Gleishammer bei Nürnberg und ist Geschenk des Herrn

Fabrikbesitzers Zeltner. Einige weibliche Halbfiguren von ähnlichen

Leuchtern in Gypsabguß schließen diese Serie der Beleuchtungsapparate.

[Illustration: Fig. 10.]

[Illustration: Fig. 11.]

[Illustration: Fig. 12.]

Ziemlich einfach sind zwei alte Blendlaternen (17. Jahrh.), während

eine Reihe von Lichtputzscheeren in Messing einige Exemplare enthält,

die mit außerordentlich reichem und schönem Schmucke versehen sind.

+Nürnberg.+

A. +Essenwein+.

Ein hebräischer Druck des Sigenot.

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts bildete sich unter den Juden

Deutschlands mehr und mehr ein neuer Zweig der Literatur aus, welcher

in Uebertragungen und Bearbeitungen nicht nur hebräischer, sondern auch

deutscher Bücher in jene jüdisch-deutsche Mischsprache bestand, die bis

auf den heutigen Tag (doch jetzt mehr als Satire) unter den Israeliten

in Wort und Schrift vielfach in Uebung geblieben ist und früher fast

immer mit hebräischen Buchstaben und nach einem den deutschen Lauten

angepaßten Systeme dargestellt wurde. Diese jüdische Volksliteratur

erreichte ihre Blüthe in der zweiten Hälfte des 17. Jahrh., als

durch die Verfolgung, die über die Juden in Polen ergieng, diese in

alle europäischen Länder zerstreut wurden. Im Anfang beschränkte sie

sich fast nur auf das religiöse Gebiet, indem meist Theile der heil.

Schrift, Gebete Stücke des Cultus und Ritus, moralische Abhandlungen

der Rabbiner u. a. m. in dieses volksthümliche Gewand gekleidet wurden;

später jedoch griff man auch nach profanen, namentlich unterhaltenden

Stoffen, unter denen wieder die Ritter- und Heldengeschichten, Volks-

und Märchenbücher (König Artus Hof, Kaiser Octavian, Herzog Baba der

Fromme, Ritter Sigmund und Magdalena, die sieben weisen Meister, die

Schildbürger, Eulenspiegel etc.), auch einzelne Volkslieder u. dgl. die

beliebtesten waren.

Eine reiche Sammlung dieser Erzeugnisse ist die des ehemaligen Prager

Rabbiners David Oppenheim, die (früher in Hannover) jetzt in der

Bodley’schen Bibliothek zu Oxford sich befindet und deren Verzeichniß

mehreren Zusammenstellungen der jüdisch-deutschen Literatur als

Grundlage gedient hat. Vgl. Naumann’s Serapeum, IX. Jhg., Nr. 20 ff.

Einen willkommenen Nachtrag zu denselben glauben wir in folgender

Mittheilung über ein in der Hof- und Staatsbibliothek zu München in

einem Sammelbande (A. Hebr. 377) enthaltenes Stück geben zu können, auf

welches wir durch Herrn Custos J. Klausner daselbst aufmerksam gemacht

wurden. Es ist dies eine Uebertragung des bekannten, zur deutschen

Heldensage gehörigen Gedichtes von Sigenot, und zwar der späteren

Bearbeitung desselben, wie solche in Drucken des 15.-17. Jahrh.

vielfach verbreitet wurde (s. v. d. Hagen, Grundriß, S. 26-33. Gödeke,

Grundriß, S. 70). Dieselbe erstreckt sich jedoch nicht sowohl auf die

Sprache, wie bei den übrigen Stücken dieses Literaturkreises, sondern

sie besteht nur in einer ziemlich genauen Uebertragung des Textes,

wie er sich in diesen Drucken darstellt, aus der deutschen in die

hebräische Schrift, wobei jedoch für unsere Vokale nicht die hebräische

Punktierung, sondern eine eigene Bezeichnung angewendet ist; nämlich:

a = א (oder ohne Bezeichnung); e= ע und י; tonloses e = י (oder ohne

Bezeichnung); i = י; anlautend אי; o = ו, auch א, anlautend או; u =

ו, anlautend auch או; ä = ע (e); ö = וי oder ע (e); ü = וי; au = וי,

anlautend אוי; äu und eu = עוי; ei = יי, anlautend איי, auslautend ייא;

ie (diphthongisches) im Auslaut יא. Für w steht װ, für ch כ, auslautend

ך, für f und v פ. Alle Dehnungszeichen der deutschen Orthographie

fallen weg, Doppelconsonanten sind vereinfacht.

Dieser in hebräische Schrift umgekleidete Sigenot umfaßt 196 Strophen

auf 22 Blättern in kl. Quart. Das erste derselben trägt auf der

Vorderseite nachstehenden Titel in einer Einfassung:

„ein schön lid un gros riter(sch)schaft wert ir drinen gefinden. gar

kurz weilig zu leien[36] fer weiber un meidlich. verteischt[37] gar

bescheidlich genant mit namen her ditreich. zu kaufen arm un reich in

einem gelt rechten. aso wert enk[38] got (_er sei gelobt!_[39]) behüten

fer bösen anfechten.

gedrukt in der gelobten stat Kraka unter dem gewaltigen köng sigmunds

_im Jahre 357 in der kleineren Zahl_ (d. i. 5357 = 1597).“

(Unten in der Einfassung:) „_durch die Hand_ (des) _isaak_ ben (Sohn)

_des herrn_ aaron von prostiz.“

Oben in der Einfassung steht mit hebräischen Worten: „Dies ist das Thor

des Herrn, die Gerechten werden dahinein gehen“ (Psalm 118, 20).

Auf der anderen Seite des ersten Blattes beginnt das Gedicht selbst,

dessen Strophen durch Absätze, die Reimzeilen aber nur durch ein Punkt

unterschieden sind.

Wir geben hier die ersten drei Strophen in buchstäblich getreuer

Uebertragung der hebräischen Schriftzeichen und mit in den Noten

beigefügter Vergleichung der wesentlichen Varianten des alten Druckes

„durch Friderich Gutknecht zu Nuͤrnberg“ (um 1560), den O. Schade auf’s

neue (Hannover, K. Rümpler. 1854) in 150 Exemplaren hat abdrucken

lassen.

WOLT ir her schaft hie betragen[40]. gros abenteier wil ich eich sagen.

fon sterken sturmen un herte. die der berner um[41] hildbrant leit.

fil menchen sturmen er da streit. bis das in got ernerte. es mocht im

anders nit dergan[42]. er reit alein aus beren. durch menchen wilden

vinstern plan[43]. das mocht ir heren geren. gros lib un leid im da

geschach. fon einem starken risen. kam er in un gemach.

da der berner bei hildbrant sas. di zwen worden auch reden das. was

si heten erstriten(.) mit irer held kreft[44] hant. also sprach

sich meister hildbrant. ich hob so fil erliten. wol fon den starken

eisengrein. un fon sein wilden weib[45]. si het mir nach[46] das leben

mein. gescheiden fon den leibe. si zwang mich unter[47] ire bein. ich

must sein da gebliben(.)[48] das wendeit[49] ir her ein[50].

her ditreich sprach jo das ist war. dein leben stund als um ein har. da

si dich het um fangen(.) unter ireh achsel[51] si dich zwang. dein wer

di war kegen ir so krank. es was um dich ergangen. ich schlug ir ab das

heibte zwar. fon stund must si dich lasen. hildbrant sprach her das ist

war. si was gros on masen. wo si nach (noch?) in der erden leit. ich

leid nie herter druken. bei ale meiner zeit.

Nach der Schlußstrophe (196): „Si traten zu den rosen an“ etc. heißt es:

„ausgenomen von galchot[52] un auf judisch verteischt gar schön aus der

masen kurz weiliglich drinnen zu leien[36] klein un ach grosen. darum

mit dem kaufen seit geschwinden. fil leicht wert ir sie bald nimer

gefinden. den sie werden ferzukt werden. _durch dieses Verdienst_ wert

uns got (_er sei gelobt!_) füren ins heilig land un erden.

die fürbit fon den schutphim[53] die es haben aus weiten landen

gebracht und druf vil haben verzert mit namen

aharon bar (Sohn des) abraham schlita _aus der heiligen Stadt_

botko(w)iz (?).

jakob bar joseph _seligen Andenkens aus der heil. Stadt_

eisenstat.“

Zum Schlusse geben wir hier noch kurz den ganzen Inhalt dieses

Sammelbandes an:

1) Außerordentliche Gebete zwischen dem Ueberschreitungs- und dem

Wochenfeste. 1593. (hebräisch.)

2) „Ein schön Frauenbüchlein.... wie sich eine jegliche Frau soll

halten etc.“ Posen. 1602. (deutsch.)

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band. · 第 39 / 150 题