2) +Altarschmuck. Ein Beitrag zur Paramentik in der evangelischen
Kirche+ von +Lic. Moriz Meurer+, Pfarrer zu Callenberg bei Waldenburg
im Königr. Sachsen. Leipzig, Dörffling u. Franke. 1867. B. 99 Stn.
Nach Vorgang der katholischen Kirche beginnt endlich auch der
Protestantismus die äußere Ausstattung seiner Cultstätten wieder
in’s Auge zu fassen und auf eine würdigere Herstellung derselben zu
dringen. Gegenüber der mehr und mehr eingerissenen Formlosigkeit des
Gottesdienstes wird die geschichtliche Thatsache geltend gemacht,
daß jene keineswegs ursprüngliche Einrichtung, noch Absicht der
Reformatoren, sondern nur allmählich sich herausstellendes Ergebniß
gewisser allgemeiner Zeitströmungen gewesen, und daß vor der
herrschenden Achtlosigkeit die vollkommene Berechtigung bestehe, was
früher ein gesundes Gefühl eingegeben, jetzt mit richtiger Erkenntniß
zurückzuführen. Der Verfasser des oben genannten kleinen Werkes
fügt durch dasselbe den Verdiensten, die er sonst schon nach dieser
Richtung hin sich in hervorragender Weise erworben, ein neues hinzu.
Das Buch hat eine durchaus praktische Tendenz, verzichtet deshalb von
vorn herein auf neue, weitergehende Forschungen, faßt vielmehr an der
Hand bewährter Fachmänner die bisherigen Ergebnisse der Wissenschaft
übersichtlich zusammen und tritt selbständig in Ziehung der Grenzen
auf, innerhalb welcher die evangelische Kirche auf Grund ihres
Bekenntnisses sich den allgemeinen Strebungen anzuschließen habe.
Einige Capitel sind praktischen Fingerzeigen gewidmet.
v. E.
3) +Uebersichtliche Darstellung der Geschichte der kirchlichen
Dichtung und geistlichen Musik+ von +H. M. Schletterer+,
Kapellmeister in Augsburg. Nördlingen. Druck und Verlag der C. H.
Beck’schen Buchhandlung. 1866. 8. 323 Stn.
Die Geschichte der kirchlichen Dichtung ist, für sich allein oder im
Zusammenhange mit der ganzen Literatur, mehrfach behandelt worden,
meistens aber vom Standpunkt der Sprachkunde oder der Dichtung im
engeren Sinne. Ihre Bearbeitung in der kundigen Hand eines Musikers von
Fach muß eine ganz andere Gestalt gewinnen und Momente zur Würdigung
bringen, die anderswo eine ihrer Bedeutung entsprechende Geltung
schwer finden können. Denn in der ganzen Entwicklung der kirchlichen
Dichtung liegen lange und zum Theil sehr wichtige Perioden, in
welchen der Inhalt mit der Form schwer ringt und durch die Sprache
nur einen geringen Theil seiner selbst zur Offenbarung bringt. Erst
im Zusammentritt mit der musikalischen Durchführung ersteht das
vollkommene Kunstwerk und enthüllt die ganze Tiefe und Bedeutung seines
Wesens. -- Der Verfasser beginnt mit dem geistlichen Lied und dem
Kirchengesange in den ersten Jahrhunderten des Christenthums und führt
in getrennter Betrachtung, doch stets festgehaltener Wechselbeziehung
der beiden, ihre Geschichte durch die Zeiten des h. Ambrosius Gregor’s
des Gr., sowie der Perioden vor und nach dem Reformationszeitalter bis
zur Gegenwart, indem er für die letzten Jahrhunderte der kirchlichen
Tonkunst ein besonderes Augenmerk zuwendet und am Schlusse die
angestrebte, hie und da bis zu den bekannten Gesangbuchstreitigkeiten
ausartende Wiederherstellung des Kirchengesanges näher berührt. Wie im
ganzen Buche sich die Arbeit des bewährten Fachmannes bekundet, die den
Stoff innerhalb der gesetzten Grenzen vollkommen bewältigt, so wird der
Werth derselben durch die Wärme des Vortrags erhöht, die vorzüglich
geeignet ist, auch den Laien heranzuziehen und zu seinem Vortheil ihm
Interesse für einen Gegenstand einzuflößen, der die wichtigsten Momente
unserer geistigen Entwicklung enthält.
v. E.
_Aufsätze in Zeitschriften._
+Das Ausland+: Nr. 51, S. 1208. Wälschtirolische Märchen. -- 1868,
Nr. 1, S. 6. Das Passionsspiel im Sarnthal. (v. R.-D.) -- S. 12. Die
Celtengräber in Derbyshire.
+Daheim+: 1868, Nr. 13. Der Tod des letzten Hohenstaufen.
+Erheiterungen+: 1868, 1. Hft., S. 16. Donaustauf bei Regensburg. (Hans
Weininger.)
+Europa+: Nr. 51, Sp. 1607. Die deutschen Altväter der botanischen
Wissenschaft.
+Illustr. Familien-Journal+: 1868, Nr. 1 (735). Die
culturgeschichtliche Weihnachtsfeier.
+Die Gartenlaube+: 1868, Nr. 1. Alte Städte und altes Bürgerthum. 1.
Nürnberg im Norden (Hildesheim). (Mor. Busch.)
+Deutsche Kunst-Zeitung+: Ein Beitrag zur Geschichte der van Eyck’schen
Schule. (Ernst Förster.) -- Architektonische Notizen: Die Restauration
der Schloßkapelle in Ambras. Die Restauration des Ulmer Münsters.
+Magazin f. d. Literatur des Ausl.+: Nr. 52, Sp. 728. Zur Roswithafrage
(Notiz).
+Illustrirte deutsche Monatshefte+: Nr. 39 (135), Dez. 1867, S. 263.
Ein Revolutionär der Wissenschaft (Paracelsus). (Karl Ruß.) -- S.
315. Zur Erfindungsgeschichte der Dampfmaschine. (Th. Weiß.) -- Nr.
40 (136), Jan. 1868, S. 358. Die mittelalterliche Bewaffnung. (Hans
Weininger.)
+Volksblatt f. Stadt u. Land+: Nr. 103. Zur Geschichte der Rebus.
+Zeitschrift f. bild. Kunst+: 1868, Nr. 1, S. 7: Ein Brief Albrecht
Dürer’s an Spalatin. Mitgeth. von Ed. His-Heusler. -- S. 12. Zwei
Könige. Nach einem Karton eines untergegangenen Wandbildes von Hans
Holbein.
+Danziger Zeitung+: Nr. 4622, 3. Jan. 1868. Bilder aus der Marienkirche
zu Danzig. (R. Bergau.)
+Illustr. Zeitung+: Nr. 1276. Das Genfer Escaladefest. -- Nr. 1277.
Die Stadt Rothenburg. -- Weihnachtsbräuche. -- Nr. 1279. Koller Gustav
Adolph’s, Königs von Schweden.
Vermischte Nachrichten.
1) Von Freunden der Münz- und Wappenkunde in +Dresden+, welche sich
schon seit Jahr und Tag in zwanglosen Zusammenkünften gegenseitig zu
belehren und zu unterstützen unternommen hatten, gieng vor einiger Zeit
die Anregung zur Gründung eines förmlichen Vereins für jene Fächer aus,
und es fand diese Idee so viel Anklang, daß sich am 8. Nov. v. Js. ein
+Verein für Münz-, Wappen- und Siegel-Kunde+ förmlich constituieren
konnte. Er hat sich Statuten gegeben und einen Vorstand gewählt,
welcher aus dem Adv. Gautsch als Vorsitzendem, Kaufmann Schnecke als
Schriftführer und Juwelier Widemann als Schatzmeister besteht. Es ist
bereits mit benachbarten Geschichts- und Alterthums-Vereinen Verbindung
angeknüpft worden; auch hat der Verein verschiedene Arbeiten in Angriff
genommen, von denen später einmal Mittheilung gemacht werden soll.
Einige Geschenke haben schon den Grund zu einer Bücher-, Münz- und
Wappensammlung gelegt.
2) Im Dorfe +Reinhardsgrimma+ bei Dippoldiswalde ist im Herbste v. Js.
beim Roden eines Baumes auf Ritterguts-Grund und Boden ein +Topf mit
2300 Stück Brakteaten gefunden+ worden. Der Besitzer des Gutes hat
den ganzen Fund dem als Münzkenner und Sammler wohlbekannten Herrn
Benno von Römer in Dresden zur Sichtung und Bestimmung übergeben,
welcher bereits ermittelt hat, daß der ganze Fund in 46 verschiedene
Typen zerfällt. Die Mehrzahl besteht in Brakteaten des Markgrafen
Heinrich des Erlauchten zu Meißen, und zwar ungefähr aus den Jahren
1230-1260. Darunter sind 36 Stück böhmische in 17 verschiedenen Typen;
einige mit den Buchstaben C. S., C. V. und C. bezeichnet; sodann 4
Stück wahrscheinlich bischöflich meißnische. Alle 2300 Stück sind mit
wenig Ausnahmen vortrefflich erhalten und wie nur eben aus der Münze
gekommen. An 400 Stück halbe, sorgfältig in der Mitte zerschnittene
bestätigen, daß man dies nicht dem Zufalle, sondern der Absicht
zuzuschreiben hat, auf diese Weise Scheidemünze zu bekommen. Nachdem
das königl. Münzkabinet sich die noch nicht in demselben befindlichen
Exemplare ausgewählt haben wird, soll der Fund im Ganzen verkauft
werden. Ein ausführlicher Bericht darüber ist noch von Herrn von Römer
zu erwarten.
3) In der Generalversammlung des akadem. Dombauvereins in Bonn hielt
der Dombaumeister Voigtel aus Köln einen Vortrag, in welchem er sich
auch über die +Ausgrabungen+ verbreitete, die +an der Nordseite
des Kölner Doms+ zum Zweck des Terrassenbaues vorgenommen wurden.
Man stieß dabei in beträchtlicher Tiefe auf die Reste eines römischen
Tempelbaues zu Ehren des Titus, den laut der Inschrift die Augustalen
mit einer Mauer umgaben, auf die Ueberbleibsel einer Reiterstatue, auf
ein römisches Bad und daneben auf die Grundmauern eines Gebäudes aus
der Römerzeit, das offenbar durch Feuer zerstört worden war. Neben
einem Raume, der zur Küche gedient haben mochte, waren bis zu einer
Tiefe von 40 Fuß die Hinterlassenschaften der culinarischen Genüsse
aufgespeichert: Köpfe von Hirschen, Rehen, Ebern, dichte Lagen von
Austernschalen. Unterhalb des erwähnten römischen Bades wurde noch
ein zweites Bad bloßgelegt, welches in seiner Einrichtung auf ein
noch höheres Alter zurückwies. Etwa 600 Münzen von Titus an und viele
Geräthschaften wurden aufgefunden. Im künftigen Jahre (1868) sollen die
Ausgrabungen fortgesetzt werden.
(Ill. Ztg. Nr. 1278.)
4) Die alte +Kölner Dombibliothek+ befindet sich, seitdem sie
von Darmstadt an Preußen ausgeliefert und dem Domkapitel zu Köln
zurückgegeben ist, in einem feuerfesten Local des erzbischöflichen
Priesterseminars daselbst hinter Schloß und Riegel, der Erlösung
harrend, die ihr auf den ausdrücklichen Wunsch des Ministers durch
Dr. Jaffé in Berlin in der Form eines Katalogs und der Publication
der in ihr enthaltenen Inedita zu Theil werden soll. Das Kapitel
wird durch den Umbau der Domsakristei, beziehungsweise den Anbau
eines Kapitelsaales und Archivraums geeignete Räumlichkeiten für die
Aufstellung der Bibliothek herstellen.
(Dies. Nr. 1277.)
5) Der Erzbischof von Köln hat folgende +Preisaufgabe+ ausgeschrieben:
„Wir wünschen, daß eine treue +Kirchengeschichte der Erzdiöcese Köln+
im Anschluß an die Reihenfolge ihrer Bischöfe und Erzbischöfe in
möglichster Kürze und populärer Darstellung ausgearbeitet werde, unter
Zugrundelegung zuverlässiger Nachrichten, deren Quellen zu notieren
sind. Die politischen Thaten und Ereignisse aus dem Leben der Bischöfe
und Erzbischöfe oder der Landesgeschichte dürfen zwar nicht ganz mit
Stillschweigen übergangen, sollen jedoch nur insofern berührt werden,
als es für die richtige Darstellung des betreffenden Charakters oder
der Kirchengeschichte des Erzbisthums selbst nöthig oder nützlich
erscheint. Auf richtige Chronologie ist vorzüglich Sorgfalt zu
verwenden“. Drei Jahre, vom 8. December 1867 an, sind als Frist
angesetzt, binnen welcher die Arbeit vorgelegt werden muß; der Preis
für die beste Leistung beläuft sich auf 400 Thlr., für die nächstbeste
auf 200 Thlr. Die beste Arbeit muß durch den Druck veröffentlicht
werden; das Verlagsrecht bleibt dem Verfasser ungeschmälert.
(Dies. Nr. 1280.)
6) Die bekannte „+Wiltener Meistersängerhandschrift+“, über welche
Professor Dr. J. V. Zingerle in Innsbruck einen besonderen Bericht
veröffentlicht hat, ist von der Münchener Hof- und Staatsbibliothek
erworben worden. Die Handschrift besteht aus 176 Blättern in
Kleinfolio, ist im 15. Jahrhundert geschrieben und befand sich Ende
des 16. Jahrhunderts im Besitz der Wolkensteiner. Auch die Meraner
Fragmente der Eneit von H. v. Veldeke gehören seit kurzem der
Bibliothek in München an und werden demnächst in den Monatsberichten
der dortigen Akademie erscheinen.
(Allg. Ztg., Beil. Nr. 354.)
7) Bei Troß in Paris erscheint eine Serie von +altfranzösischen
Dichtungen+. Der Schatz des Ungedruckten ist in den Pariser
Bibliotheken noch auf lange ergiebig. Das neueste, von H. Michelant
besorgte Werk ist ein Roman d’aventures aus dem 13. Jahrhundert:
„Blancadin und Orgueilleuse d’amour“, in etwa 6000 Kurzzeilen, in der
Art des „Guillaume de Palerme“, „Richard le bel“ u. s. f. gehalten.
Kritische Behandlung und äußere Ausstattung sind anerkennenswerth.
Vom Herausgeber, bekannt als kaiserlicher Bibliothekar in Paris, ist
für den Literarischen Verein in Stuttgart eine Ausgabe des Romans vom
Ritter Cifar angekündigt.
(Ill. Ztg. Nr. 1280.)
8) Das +Kaiserhaus zu Goslar+ wurde bekanntlich von der Stadt dem
König Georg zum Geschenk gemacht, und die von ihm angeordnete
gründliche Restauration des Gebäudes ist von der preußischen Regierung
aufgenommen und fortgesetzt worden. Die Untersuchungen von Kunst-
und Bauverständigen haben außer Zweifel gestellt, daß der vom Kaiser
Heinrich III. um 1050 unternommene Bau im großen Ganzen in dem
gegenwärtig vorhandenen Gebäude ziemlich vollständig erhalten ist,
und daß der nunmehr wieder freigelegte große Saal die im 11. bis 13.
Jahrhundert in Goslar abgehaltenen Reichsversammlungen in sich hat
tagen sehen. Auch die frühere kaiserliche Hauskapelle ist wieder
aufgefunden in dem unter dem Namen „Gefängnißthurm“ als Haftlocal
benutzten Gebäude.
(Dies. Nr. 1277.)
9) Die +Reiterstatue Karls des Großen+ für das Monument, welches
demselben in +Lüttich+ errichtet wird, ist in Brüssel gegossen und von
da nach ihrem Bestimmungsorte auf einem eigenen Lastwagen geschafft
worden. Das Standbild ist ein Werk des Bildhauers Jehotte, 5 Meter hoch
und ebenso lang und wiegt 9-10,000 Kilogramm.
(Dies. Nr. 1276.)
10) Ein vorzügliches +Gemälde+ von +David Teniers+ hat die belgische
Regierung für den Preis von 125,000 Frcs. für das Brüsseler Museum
erworben.
(Dies. Nr. 1280.)
Verantwortliche Redaction: +A. Essenwein+. Dr. +G. K. Frommann+. Dr.
+A. v. Eye+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.
[Illustration: Z. A. f. K. d. d. V. 1868 Nº 1. Druck v. A. Leykam^s
Erb. in Graz.]