und das kommende Jahrhundert wird Zeuge sein von der Zertrümmerung
ihrer Verfassung und dem Auflösen ihrer Reiche. Selbst wenn das nicht
eintreten sollte, werden ihre Hilfsquellen durch die erfolglosen
Versuche zur Kolonisation aufgebraucht sein. Wer soll dann ihr
Nachfolger werden, wenn nicht wir? Welcher Staat, ausgenommen
Deutschland, Rußland, Frankreich, Oesterreich und Italien, kann binnen
einem Monat 200000 Mann ins Feld stellen? In Bezug auf intellektuelle
Kraft ist der Japaner den Europäern in jeder Hinsicht gewachsen, ja,
noch mehr. Haben die Japaner nicht die Vervollkommnung einer Erfindung
zuwege gebracht, welche den Europäern trotz jahrelanger Arbeit nicht
gelang? Unser Volk setzt durch die Vorzüge seiner Arbeit sogar das
erste Arbeitsvolk, die Franzosen, in Erstaunen. Wahr ist es, unser
Volk ist klein von Statur, aber die Ueberlegenheit des Körpers beruht
nicht auf der Größe, sondern auf der Konstitution. Ist die Revision
der Verträge vollzogen, und hat Japan China besiegt, dann sollten wir
eine der ersten Großmächte der Welt werden, und keine andere Macht
könnte sich in irgend eine Unternehmung einlassen, ohne zuerst uns zu
befragen. Japan könnte dann mit Europa in Wettbewerb treten als der
Vertreter der orientalischen Rassen.”
Diese Sätze geben viel zu denken, zumal die für Europa so ungünstigen
Vertragsbestimmungen zur Einführung gekommen sind, und der Krieg mit
China in der That den Japanern die leitende Stellung in Ostasien
gegeben hat. Schon denkt es an das von Okuma angedeutete, wenn nicht
klar ausgesprochene Zusammengehen der orientalischen Rassen, denn
erst kürzlich drang die Nachricht zu uns nach Europa, daß Japan sich
um den Abschluß eines Bündnisses mit China bemüht. Dieses ist durch
das Einschreiten Rußlands vorläufig verhindert worden, aber schon
der Versuch allein sollte dem Europäer zu denken geben. Schon haben
beachtenswerte Gelehrte wiederholt die Ansicht ausgesprochen, daß
unser Erdball niemals ganz durch das Abendland beherrscht werden wird
und daß die Zukunft den orientalischen Rassen gehört, und wer diese
letzteren, vor allem die Japaner und die Chinesen, kennen gelernt hat,
der wird solche Ansichten leider nicht ohne weiteres von der Hand
weisen können. Darüber, daß die europäischen Völker den orientalischen
weitaus überlegen sind, herrscht wohl nirgends ein Zweifel, ebenso
wahr ist es aber auch, daß die orientalischen Völker die fähigsten
zum Ueberleben sind. Schon in der gewöhnlichen Lebenskraft stehen die
abendländischen Völker weit hinter den Orientalen zurück. Die letzteren
haben sich unsere so teuer erkauften Erfindungen und Errungenschaften
ohne irgend welche Gegenleistung angeeignet und verwenden sie, ohne
auch nur entfernt unsere Bedürfnisse zu haben. Der Lebensunterhalt
eines Abendländers genügt für mindestens ein Dutzend Orientalen. Unser
Lebens- und Ernährungsprozeß ist viel zu kostspielig, als daß wir
in einem künftigen Wettlaufe mit den jetzt schon viel zahlreicheren
Orientalen dort ganz sicher als Sieger hervorgehen sollen. Gerade in
den künstlichen und kostspieligen Verhältnissen, welche mit unserer
Ueberlegenheit verbunden sind, liegt unsere Schwäche. Wohl wird
demgegenüber entgegnet, daß, je mehr die Orientalen sich unserer Kultur
ergeben, auch ihre Bedürfnisse sich in demselben Maße steigern werden,
wie es thatsächlich schon in Japan der Fall ist. Aber bleiben wir denn
in dieser Hinsicht stehen? Steigern sich nicht auch vielleicht in noch
größerem Verhältnis unsere Bedürfnisse? Man braucht nur an die Zeit
unserer eigenen Väter zu denken, um zu sehen, wie sich unsere ganzen
Lebensbedingungen verbessert, aber auch entsprechend verteuert haben,
und wird das, wie bisher, nicht auch in Zukunft der Fall sein?
Die durch die Verträge mit Japan anerkannte Gleichstellung der
Europäer mit den Japanern, die Unterstellung der ersteren unter die
Gesetze der letzteren, die vermehrten Handelsbeziehungen mit Ostasien,
die immer steigende industrielle Thätigkeit des Abendlandes und
dementsprechend auch das Bedürfnis immer größerer Absatzgebiete, die
Erwerbung von Kolonien in China und im Stillen Ozean und damit auch die
gefährliche Nachbarschaft eines Reiches wie Japan bringt die vorhin
ausgesprochenen Fragen der Gegenwart immer nachdrücklicher vor Augen.
Nicht nur Ostasien ist in den Vordergrund gerückt, auch die Ostasiaten
sind es, und es ist deshalb keineswegs zwecklos, noch einmal in die
Warnungstrompete zu stoßen. Ein bißchen weniger Vertrauensseligkeit
in Bezug auf die Orientalen wäre gewiß von größtem Nutzen. Man hat
bisher wohl sehr viel mit den ostasiatischen Reichen sich beschäftigt,
aber wenig mit dem eigenartigen, verschlossenen, schwer zu erfassenden
Charakter ihrer Völker.
Verzeichnis der vom Verfasser benutzten Werke.
~S. Wells Williams „The Middle Kingdom”.
C. F. Gordon Cumming „Wanderings in China”.
Archdeacon Moule „New China and old”.
Chester Holcombe „The real Chinaman”.
Dyer Ball „Things chinese”.
W. Spencer Percival „The Land of the Dragon”.
Knollys „English Life in China”.
Leon Rousset „A travers la Chine”.
Eugen Simon „La Cité chinoise”.
Griffis „The Mikado’s Empire”.
Douglas Sladen „The Japs at home”.
W. T. Finck „Lotostime in Japan”.
Henry Normann „The Real Japan”.
Chamberlain „Things Japanese”.
Alice Bacon „Japanese girls and woman”.
Alice Bacon „A Japanese Interior”.
de Riseis „Giappone moderno”.
Morse „Japanese Homes”.
Knollys „Sketches of Life in Japan”.
Scydmore „Jinrikishaw days in Japan”.
Ch. Loonen „Le Japon moderne”.
Comte Dalmas „Les Japonais”.
„Ostasiatischer Lloyd”.
„Pekinger Staatszeitung”.
„North China Daily News”.
„North China Herald”.
„Eastern World” „Japan Daily Mail”.
Ernst v. Hesse-Wartegg „Schantung und Deutsch-China” (Leipzig,
J. J. Weber).
„Journal of the China Branch of the Royal Asiatic Society”.~
Die chinesischen Illustrationen wurden großenteils nach
photographischen Aufnahmen des Verfassers, ferner nach Photographien
von D. K. Griffith in Hongkong, Kae Hing in Hongkong und Sze Yuen
Ming & Co., 42 Nanking Road, Shanghai hergestellt. Besonders das
letztgenannte Haus besitzt eine sehr große Auswahl chinesischer
Photographien zu billigen Preisen und kann besonders empfohlen werden.
-- Die Photographien für die japanischen Illustrationen wurden
teilweise von Kelly & Walsh, Buchhändler, Yokohama bezogen.
Verzeichnis geographischer Werke des Verfassers.
+Siam+, das Reich des weißen Elefanten. Leipzig, J. J. Weber,
1899. Preis 15 Mark.
+Schantung und Deutsch-China.+ Leipzig, J. J. Weber, 1899. Preis
14 Mark.
+Korea+, eine Sommerreise in das Land der Morgenruhe. Leipzig,
Carl Reißner. Preis 7 Mark.
+Tausend und ein Tag im Occident.+ Leipzig, Carl Reißner. 2 Bände.
2. Auflage. Preis 6 Mark.
+Kuriosa aus der Neuen Welt.+ Leipzig, Carl Reißner. Preis 5 Mark.
+Andalusien+ und ein Ausflug nach Marokko. Leipzig, Carl Reißner.
Preis 8 Mark.
+Mississippifahrten.+ Reisebilder aus dem amerikanischen Süden.
Leipzig, Carl Reißner. Preis 8 Mark.
+Prairiefahrten.+ Leipzig, Gustav Weigel. Preis 3 Mark.
+Nordamerika+, seine Städte und Naturwunder, Land und Leute. 2.
Auflage. 4 Bände. Leipzig, Gustav Weigel. Preis 20 Mark.
+Canada und Neufundland.+ Freiburg i. B., Herders Verlag. Preis 8
Mark.
+Mexiko+, Land und Leute. Wien, C. Hölzels Verlag. Preis 10 Mark.
+Tunis.+ Wien, Hartlebens Verlag. Preis 8 Mark.
+Chicago+, eine Weltstadt im amerikanischen Westen. Stuttgart,
Union, Deutsche Verlagsanstalt. Preis 4 Mark.
Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.
Druck von J. J. Weber in Leipzig.
Verlag von J. J. Weber in Leipzig
Schantung und Deutsch-China
Von Kiautschou ins heilige Land von China und vom Jangtsekiang nach
Peking. Von =E. v. Hesse-Wartegg=.
Mit 145 in den Text gedruckten und 17 Tafeln Abbildungen, 6
Beilagen und 3 Karten. Preis kartoniert 14 Mark. In Originaleinband
(mandarinblaues Leder mit aufgepresstem Mandarinbrustschild in Gold,
Silber und vier Farben) 18 Mark.
Ernst v. Hesse-Wartegg konnte dem deutschen Leser keine willkommenere
Gabe bringen als das Ergebnis seiner neuesten Reise nach China. Kein
Land des Erdballes steht heute so sehr im Vordergrunde der allgemeinen
Aufmerksamkeit wie das Reich der Mitte. Kein Land ist für den deutschen
Leser, aber ebenso auch für den deutschen Kaufmann, den Industriellen,
den Soldaten und Seemann von so grosser Wichtigkeit. Die Erschliessung
Chinas, die Ernst v. Hesse-Wartegg seit Jahren in Zeitungsartikeln und
zahlreichen Vorträgen befürwortet hat, ist erfolgt. Das Deutsche Reich
hat sich in thatkräftiger Weise seinen Anteil daran gesichert und mit
Kiautschou eine Eingangspforte, einen Stützpunkt gewonnen, der für
die Entwickelung der deutschen Beziehungen in Ostasien von grösster
Wichtigkeit ist.
Norddeutscher Lloyd, Bremen
Dampfschiffahrts-Gesellschaft.
Der Norddeutsche Lloyd unterhält ausser regelmässigen Schnell- und
Postdampferverbindungen nach Nord- und Südamerika folgende
Reichspostdampferlinien:
a) ~Bremen -- Ostasien.~ Reiseweg: Bremen bezw. Hamburg, Rotterdam,
Antwerpen, Southampton, Genua, Neapel, Port-Said, Suez, Aden,
Colombo, Penang, Singapore, Hongkong, Shanghai, Nagasaki, Hiogo,
Yokohama (direkt). Abfahrten alle 14 Tage Dienstags oder Mittwochs.
b) ~Bremen -- Australien.~ Reiseweg: Bremen, Antwerpen, Southampton,
Genua, Neapel, Port-Said, Suez, Aden, Colombo, Freemantle,
Adelaide, Melbourne, Sydney. Abfahrten alle 4 Wochen, abwechselnd
mit der ostasiatischen Linie.
Zweiglinien:
a) ~Singapore, Batavia, Macassar, Neu-Guinea, Sydney.~ Alle 12 Wochen
anschliessend an die entsprechenden Dampfer der ostasiatischen
Hauptlinie.
b) ~Hongkong -- Sydney.~ Reiseweg: Hongkong, Saipan (Marianneninseln),
Ponape (Karolineninseln), Neu-Guinea, Rockhampton, Brisbane,
Sydney. Alle 12 Wochen anschliessend an die entsprechenden Dampfer
der Hauptlinien.
Anschlussverbindungen:
Penang -- Deli
Penang -- Rangoon
Singapore -- Deli
Singapore -- Bangkok
Singapore -- Borneo
Singapore -- Batavia
Hongkong -- Swatow
Hongkong -- Bangkok
Shanghai -- Hankow
Shanghai -- Kiautschou
Shanghai -- Tschifu
Shanghai -- Tsientsin.
~Bremen -- Ostasien~, Frachtdampferlinie. Abfahrten laut besonderem
Fahrplan.
Nähere Auskunft erteilt der =Norddeutsche Lloyd, Bremen=.
[Illustration]
Verlag von J. J. Weber in Leipzig
Siam
das Reich des weissen Elefanten von =E. v. Hesse-Wartegg=.
Mit 120 in den Text gedruckten und 18 Tafeln Abbildungen, sowie einer
Karte von Siam. Preis geheftet 12 Mk., in Originaleinband 15 Mk.
Das ganze Wunderland des weissen Elefanten, die feenhafte Pracht
seines Königshofes, die fremdartigen an die Märchen aus „Tausend und
eine Nacht” erinnernden Festlichkeiten, das Leben und Treiben der
Siamesen, der seltsame Buddhistenkultus mit seinen Hunderttausenden von
Priestern, die grauenhaften Totengebräuche, Aberglaube, Geisterfurcht
und Gottesgerichte, daneben Jagden, Theater und Vergnügungen, alles
das wird von Hesse-Wartegg mit Meisterhand in fesselndster Weise
dargestellt; dann folgen Schilderungen der Landesprodukte, des Handels
und Verkehrs und hochwichtige Bemerkungen für die Sicherung und
Ausbreitung des deutschen Handels.
[Illustration]
HAMBURG-AMERIKA-LINIE
Direkter deutscher Post- und Schnelldampferdienst.
[Illustration]
Hamburg-Neuyork Hamburg-Mexiko
Hamburg-Frankreich Hamburg-Canada
Hamburg-Belgien Hamburg-Ostasien
Hamburg-England Hamburg-Nordbrasilien
Hamburg-Portland Genua-La Plata
Hamburg-Baltimore Stettin-Neuyork
Hamburg-Boston Neuyork-Mittelmeer
Hamburg-Philadelphia Neuyork-Ostasien
Hamburg-Galveston Neuyork-Westindien
Hamburg-New-Orleans Orientfahrten
Hamburg-Venezuela Nordlandfahrten
Hamburg-Westindien
ferner mit den Dampfern der Deutschen Ostafrika-Linie:
=Hamburg-Ostafrika=
und mit den Dampfern der Hamburg-Südamerikanischen D.-G.:
=Hamburg-Brasilien, Hamburg-Argentinien, Hamburg-Uruguay.=
Hamburg-Neuyork via Southampton und Cherbourg
Schnelldampferdienst.
Nähere Auskunft erteilt die
HAMBURG-AMERIKA-LINIE, Abteilung Personenverkehr
Hamburg, Dovenfleth 18-21
sowie deren Vertreter.
[Illustration: OST-ASIEN.]
End of Project Gutenberg's China und Japan, by Ernst von Hesse-Wartegg