Betrachtungen, Schlüsse und Vorsätze

Wer aus den Fehlern, welche von andern vor ihm gemacht worden, oder noch

täglich um ihn her gemacht werden, die Kunst lernte selbst keine zu machen;

würde unstreitig den Namen des Weisesten unter den Menschen mit größerm

Recht verdienen als Confucius, Socrates oder König Salomon, welcher letzte,

wider den gewöhnlichen Lauf der Natur, seine größesten Torheiten in dem

Alter beging, wo die meisten von den ihrigen zurückkommen. Unterdessen

bis diese Kunst erfunden sein wird, deucht uns, man könne denjenigen immer

für weise gelten lassen, der die wenigsten Fehler macht, am bäldesten

davon zurückkommt, und sich gewisse Kautelen für zukünftige Fälle

darauszieht, mittelst deren er hoffen kann, künftig weniger zu fehlen.

Ob und in wie fern Agathon dieses Prädikat verdiene, mögen unsre Leser zu

seiner Zeit selbst entscheiden; wir unsers Orts haben in keinerlei Absicht

einiges Interesse ihn besser zu machen, als er in der Tat war; wir geben

ihn für das was er ist; wir werden mit der bisher beobachteten

historischen Treue fortfahren, seine Geschichte zu erzählen; und

versichern ein für allemal, daß wir nicht dafür können, wenn er nicht

allemal so handelt, wie wir vielleicht selbst hätten wünschen mögen, daß

er gehandelt hätte.

Er hatte während seiner Fahrt nach Sicilien, welche durch keinen widrigen

Zufall beunruhiget wurde, Zeit genung, Betrachtungen über das, was zu

Smyrna mit ihm vorgegangen war anzustellen. "Wie?" rufen hier einige

Leser, "schon wieder Betrachtungen?" "Allerdings, meine Herren; und in

seiner Situation würde es ihm nicht zu vergeben gewesen sein, wenn er

keine angestellt hätte. Desto schlimmer für euch, wenn ihr, bei gewissen

Gelegenheiten, nicht so gerne mit euch selbst redet als Agathon;

vielleicht würdet ihr sehr wohl tun, ihm diese kleine Gewohnheit

abzulernen."

Es ist für einen Agathon nicht so leicht, als für einen jeden andern, die

Erinnerung einer begangenen Torheit von sich abzuschütteln. Braucht es

mehr als einen einzigen Fehler, um den Glanz des schönsten Lebens zu

verdunkeln? Wie verdrießlich, wenn wir an einem Meisterstücke der Kunst,

an einem Gemälde oder Gedichte zum Exempel, Fehler finden, welche sich

nicht verbessern lassen, ohne das Ganze zu vernichten? Wie viel

verdrießlicher, wenn es nur ein einziger Fehler ist, der dem schönen

Ganzen die Ehre der Vollkommenheit raubt? Ein Gefühl von dieser Art war

schmerzhaft genug, um unsern Mann zu vermögen, über die Ursachen seines

Falles schärfer nachzudenken. Wie errötete er itzt vor sich selbst, da er

sich der allzutrotzigen Herausforderung erinnerte, wodurch er ehmals den

Hippias gereizt, und gewissermaßen berechtiget hatte, den Versuch an ihm

zu machen, ob es eine Tugend gebe, welche die Probe der stärksten und

schlauesten Verführung aushalte--Was machte ihn damals so

zuversichtlich?--die Erinnerung des Sieges, den er über die Priesterin zu

Delphi erhalten hatte? Oder das gegenwärtige Bewußtsein der

Gleichgültigkeit, worin er bei den Reizungen der jungen Cyane geblieben

war? Die Erfahrung, daß die Versuchungen, welche seiner Unschuld im Hause

des Sophisten auf allen Seiten nachstellten, ihn weniger versucht als

empört hatten?--der Abscheu vor den Grundsätzen des Hippias--und das

Vertrauen auf die eigentümliche Stärke der seinigen?--Aber, war es eine

Folge, daß derjenige, der etliche mal gesiegt hatte, niemals überwunden

werden könne? War nicht eine Danae möglich, welche das auszuführen

geschickt war, was die Pythia, was die Thrazischen Bacchantinnen, was

Cyane, und vielleicht alle Schönen im Serail des Königs von Persien nicht

vermochten, oder vermocht hätten?--Und was für Ursache hatte er, sich auf

die Stärke seiner Grundsätze zu verlassen?--Auch in diesem Stücke schwebte

er in einem subtilen Selbstbetrug, den ihm vielleicht nur die Erfahrung

sichtbar machen konnte. Entzückt von der Idee der Tugend, ließ er sich

nicht träumen, daß das Gegenteil dieser intellektualischen Schönheit

jemals Reize für seine Seele haben könnte. Die Erfahrung mußte ihn

belehren, wie betrüglich unsere Ideen sind, wenn wir sie unvorsichtig

realisieren--Betrachtet die Tugend in sich selbst, in ihrer höchsten

Vollkommenheit--so ist sie göttlich, ja (nach dem kühnen aber richtigen

Ausdruck eines vortrefflichen Schrift-Stellers) die Gottheit selbst.--Aber

welcher Sterbliche ist berechtigt, auf die allmächtige Stärke dieser

idealen Tugend zu trotzen? Es kömmt bei einem jeden darauf an, wie viel

die seinige vermag.--Was ist häßlicher als die Idee des Lasters? Agathon

glaubte sich also auf die Unmöglichkeit, es jemals liebenswürdig zu finden,

verlassen zu können, und betrog sich,--weil er nicht daran dachte, daß es

ein zweifelhaftes Licht gibt, worin die Grenzen der Tugend und der

Untugend schwimmen; worin Schönheit und Grazien dem Laster einen Glanz

mitteilen, der seine Häßlichkeit übergüldet, der ihm sogar die Farbe und

Anmut der Tugend gibt? und daß es allzuleicht ist, in dieser

verführischen Dämmerung sich aus dem Bezirk der letztern in eine

unmerkliche Spiral-Linie zu verlieren, deren Mittel-Punkt ein süßes

Vergessen unsrer selbst und unsrer Pflichten ist.

Von dieser Betrachtung, welche unsern Helden die Notwendigkeit eines

behutsamen Mißtrauens in die Stärke guter Grundsätze lehrte; und wie

gefährlich es sei, sie für das Maß unsrer Kräfte zu halten; ging er zu

einer andern über, die ihn von der wenigen Sicherheit überzeugte, welche

sich unsre Seele in diesem Zustand eines immerwährenden moralischen

Enthusiasmus versprechen kann, wie derjenigen worin die seinige zu eben

der Zeit war, als sie in dem feingewebten Netze der schönen Danae gefangen

wurde. Er rief alle Umstände in sein Gemüte zurück, welche zusammen

gekommen waren, ihm diese reizungsvolle Schwärmerei so natürlich zu machen;

und erinnerte sich der verschiednen Gefahren, denen er sich dadurch

ausgesetzt gesehen hatte. Zu Delphi fehlte es wenig, daß sie ihn den

Nachstellungen eines verkappten Apollo preis gegeben hätte--zu Athen hatte

sie ihn seinen arglistigen Feinden würklich in die Hände geliefert. Doch,

aus diesen beiden Gefahren hatte er seine Tugend davon gebracht; ein

unschätzbares Kleinod, dessen Besitz ihn gegen den Verlust alles andern,

was ein Günstling des Glückes verlieren kann, unempfindlich machte. Aber

durch eben diesen Enthusiasmus unterlag sie endlich den Verführungen

seines eignen Herzens eben so wohl als den Kunstgriffen der schönen Danae.

War nicht dieses zauberische Licht, welches seine Einbildungs-Kraft

gewohnt war, über alles, was mit seinen Ideen übereinstimmte, auszubreiten;

war nicht diese unvermerkte Unterschiebung des Idealen an die Stelle des

Würklichen, die wahre Ursache, warum Danae einen so außerordentlichen

Eindruck auf sein Herz machte? War es nicht diese begeisterte Liebe zum

Schönen, unter deren schimmernden Flügeln verborgen, die Leidenschaft mit

sanftschleichenden Progressen sich endlich durch seine ganze Seele

ausbreitete? War es nicht die lange Gewohnheit sich mit süßen

Empfindungen zu nähren, was sie unvermerkt erweichte, um desto schneller

an einer so schönen Flamme dahinzuschmelzen? Mußte nicht der Hang zu

phantasierten Entzückungen, so geistig auch immer ihre Gegenstände sein

mochten, endlich nach denenjenigen lüstern machen, vor welchen ihm ein

unbekanntes, verworrenes, aber desto lebhafteres innerliches Gefühl den

wirklichen Genuß dieser vollkommensten Wonne versprach, wovon bisher nur

vorüberblitzende Ahnungen seine Einbildung berührt, und durch diese

leichte Berührung schon außer sich selbst gesetzt hatten? Hier erinnerte

sich Agathon der Einwürfe, welche ihm Hippias gegen diesen Enthusiasmus,

und diejenige Art von Philosophie, die ihn hervorbringt und unterhält,

gemacht hatte; und befand sie itzt mit seiner Erfahrung so übereinstimmend,

als sie ihm damals falsch und ungereimt vorgekommen waren. Er fand sich

desto geneigter, die Meinung des Sophisten, von dem Ursprung und der

wahren Beschaffenheit dieser hochfliegenden Begeisterung Beifall zu geben;

da es ihm, seitdem er sie in den Armen der schönen Danae verloren hatte,

unmöglich geblieben war, sich wieder in sie hineinzusetzen; und da selbst

das lebhaftere Gefühl für die Tugend, wovon sein Herz wieder erhitzt war,

weder seinen sittlichen Ideen diesen Firnis, den sie ehemals hatten,

wiedergeben, noch die dichterische Metaphysik der Orphischen Sekte wieder

in die vorige Achtung bei ihm setzen konnte. Er glaubte durch die

Erfahrung überwiesen zu sein, daß dieses innerliche Gefühl, durch dessen

Zeugnis er die Schlüsse des Sophisten zu entkräften vermeint hatte, nur

ein sehr zweideutiges Kennzeichen der Wahrheit sei; daß Hippias eben

soviel Recht habe, seinen tierischen Materialismus und seine verderbliche

Moral, als die Theosophen ihre geheimnisvolle Geister-Lehre durch die

Stimme innerlicher Gefühle und Erfahrungen zu autorisieren; und daß es

vermutlich allein dem verschiednen Schwung unsrer Einbildungs-Kraft

beizumessen sei, wenn wir uns zu einer Zeit geneigter fühlen, uns mit den

Göttern, zu einer andern mit den Tieren verwandt zu glauben; wenn uns zu

einer Zeit alles sich in einem ernsthaften, und schwärzlichten, zu einer

andern alles in einem fröhlichen Lichte darstellt; wenn wir itzt kein

wahres und gründliches Vergnügen kennen, als uns mit stolzer Verschmähung

der irdischen Dinge in melancholische Betrachtungen ihres Nichts, in die

unbekannten Gegenden jenseits des Grabes, und die grundlosen Tiefen der

Ewigkeit hineinzusenken; ein andermal kein reizenderes Gemälde einer

beneidenswürdigen Wonne, als den jungen Bacchus, wie er, sein

Efeu-bekränztes Haupt in den Schoß der schönsten Nymphe zurückgelehnt, und

mit dem einen Arm ihre blendenden Hüften umfassend, den andern nach der

düftenden Trinkschale ausstreckt, die sie ihm lächelnd voll Nektars

schenkt, von ihren eignen schönen Händen aus strotzenden Trauben frisch

ausgepreßt; indes die Faunen und die fröhlichen Nymphen mit den

Liebes-Göttern mutwillig um ihn her hüpfen, oder durch Rosengebüsche sich

jagen, oder müde von ihren Scherzen, in stillen Grotten zu neuen Scherzen

ausruhen.

Der Schluß, den er aus allen diesen Betrachtungen, und einer Menge andrer,

womit wir unsre Leser verschonen wollen, zog, war dieser: Daß die erhabnen

Lehrsätze der Zoroastrischen und Orphischen Theosophie, wahrscheinlicher

Weise (denn gewiß getraute er sich über diesen Punkt noch nichts zu

behaupten) nicht viel mehr Realität haben könnten, als die lachenden

Bilder, unter welchen die Maler und Dichter die Wollüste der Sinnen

vergöttert hatten; daß die ersten zwar der Tugend günstiger, und das

Gemüte zu einer mehr als menschlichen Hoheit, Reinigkeit und Stärke zu

erheben schienen, in der Tat aber der wahren Bestimmung des Menschen wohl

eben so nachteilig sein durften, als die letztern; teils, weil es ein

widersinniges und vergebliches Unternehmen scheine, sich besser machen zu

wollen, als uns die Natur haben will, oder auf Unkosten des halben Teils

unsers Wesens nach einer Art von Vollkommenheit zu trachten, die mit der

Anlage desselben im Widerspruch steht; teils weil solche Menschen, wenn es

ihnen auch gelänge, sich selbst zu Halbgöttern und Intelligenzen

umzuschaffen, eben dadurch zu jeder gewöhnlichen Bestimmung des geselligen

Menschen desto untauglicher würden. Aus diesem Gesichtspunkt deuchte ihn

der Enthusiasmus des Theosophen zwar unschädlicher als das System des

Wollüstlings; aber der menschlichen Gesellschaft eben so unnützlich: indem

der erste sich dem gesellschaftlichen Leben entweder gänzlich entzieht

(welches würklich das Beste ist, was er tun kann) oder wenn er von dem

beschaulichen Leben ins würksame übergeht, durch Mangel an Kenntnis einer

ihm ganz fremden Welt, durch abgezogene Begriffe, welche nirgends zu den

Gegenständen, die er vor sich hat, passen wollen, durch übertrieben

moralische Zärtlichkeit, und tausend andre Ursachen, die ihren Grund in

seiner vormaligen Lebens-Art haben, andern wider seine Absicht öfters,

sich selbst aber allezeit schädlich wird.

In wie fern diese Sätze richtig seien, oder in besondern Fällen einige

Ausnahmen zulassen, zu untersuchen, würde zu weit von unserm Vorhaben

abführen, genug für uns, daß sie dem Agathon begründet genug schienen, um

sich selbst desto leichter zu vergeben, daß er, wie der Homerische Ulyß in

der Insel der Calypso, sich in dem bezauberten Grunde der Wollust hatte

aufhalten lassen, sein erstes Vorhaben, die Schüler des Zoroasters und die

Priester zu Sais zu besuchen, sobald als ihm Danae seine Freiheit wieder

geschenkt hatte, ins Werk zu setzen. Kurz, seine Erfahrungen machten ihm

die Wahrheit seiner ehemaligen Denkungs-Art verdächtig, ohne ihm einen

gewissen geheimen Hang zu seinen alten Lieblings-Ideen benehmen zu können.

Seine Vernunft konnte in diesem Stücke mit seinem Herzen und sein Herz

mit sich selbst nicht recht einig werden; und er war nicht ruhig genug,

oder vielleicht auch zu träge, seine nunmehrige Begriffe in ein System zu

bringen, wodurch beide hatten befriedigt werden können. In der Tat ist

ein Schiff eben nicht der bequemste Ort, ein solches Werk, wozu die Stille

eines dunkeln Hains kaum stille genug ist, zu Stande zu bringen; und

Agathon mag daher zu entschuldigen sein, daß er diese Arbeit verschob, ob

es gleich eine von denen ist, welche sich so wenig aufschieben lassen, als

die Ausbesserung eines baufälligen Gebäudes; denn so wie dieses mit jedem

Tage, um den seine Wiederherstellung aufgeschoben wird, dem gänzlichen

Einsturz näher kommt; so pflegen auch die Lücken in unsern moralischen

Begriffen und die Mißhelligkeiten zwischen dem Kopf und dem Herzen immer

größer und gefährlicher zu werden, je länger wir es aufschieben sie mit

der erforderlichen Aufmerksamkeit zu untersuchen, eine richtige Verbindung

und Harmonie zwischen den Teilen und dem Ganzen herzustellen.

Doch dieser Aufschub war in dem besondern Falle, worin sich Agathon befand,

desto weniger schädlich, da er, von der Schönheit der Tugend und der

unauflöslichen Verbindlichkeit ihrer Gesetze mehr als jemals überzeugt,

eine auf das wahre allgemeine Beste gerichtete Würksamkeit für die

Bestimmung aller Menschen, oder wofern ja einige Ausnahme zu Gunsten der

bloß kontemplativen Geister zu machen wäre, doch gewiß für die seinige

hielt. Vormals war er nur zufälliger Weise, und gegen seine Neigung in

das aktive Leben verflochten worden: itzo war es eine Folge seiner

nunmehrigen, und wie er glaubte geläuterten Denkungs-Art, daß er sich dazu

entschloß. Ein sanftes Entzücken, welches ihm in diesen Augenblicken den

süßesten Berauschungen der Wollust unendlich vorzuziehen schien, ergoß

sich durch sein ganzes Wesen bei dem Gedanken, der Mitarbeiter an der

Wiedereinsetzung Siciliens in die unendlichen Vorteile der wahren Freiheit

und einer durch weise Gesetze und Anstalten verewigten Verfassung zu

sein--Seine immer verschönernde Phantasie malte ihm die Folgen seiner

Bemühungen in tausend reizende Bilder von öffentlicher Glückseligkeit

aus--er fühlte mit Entzücken die Kräfte zu einer so edeln Arbeit in sich;

und sein Vergnügen war desto vollkommener, da er zugleich empfand, daß

Herrschsucht und eitle Ruhm-Begierde keinen Anteil daran hatten; daß es

die tugendhafte Begierde, in einem weiten Umfang gutes zu tun, war, deren

gehoffete Befriedigung ihm diesen Vorschmack des göttlichsten Vergnügens

gab, dessen die menschliche Natur fähig ist. Seine Erfahrungen, so viel

sie ihn auch gekostet hatten, schienen ihm itzt nicht zu teuer erkauft, da

er dadurch desto tüchtiger zu sein hoffte, die Klippen zu vermeiden, an

denen die Klugheit oder die Tugend derjenigen zu scheitern pflegt, welche

sich den öffentlichen Angelegenheiten unterziehen. Er setzte sich fest

vor, sich durch keine zweite Danae mehr irre machen zu lassen. Er glaubte

sich in diesem Stücke desto besser auf sich selbst verlassen zu können, da

er stark genug gewesen war, sich von der ersten loszureißen, und es mit

gutem Fug für unmöglich halten konnte, jemals auf eine noch gefährlichere

Probe gesetzt zu werden. Ohne Ehrgeiz, ohne Habsucht, immer wachsam auf

die schwache Seite seines Herzens, die er kennen gelernt hatte, dachte er

nicht, daß er von andern Leidenschaften, welche vielleicht noch in seinem

Busen schlummerten, etwas zu besorgen haben könne. Keine übelweissagende

Besorgnisse störten ihn in dem unvermischten Genusse seiner Hoffnungen;

sie beschäftigten ihn wachend und selbst in Träumen; sie waren der

vornehmste Inhalt seiner Gespräche mit dem Syracusischen Kaufmanne, sie

machten ihm die Beschwerden der Reise unmerklich, und entschädigten ihn

überflüssig für den Verlust der ehemals geliebten Danae; einen Verlust der

mit jedem neuen Morgen kleiner in seinen Augen wurde; und so führten ihn

günstige Winde und ein geschickter Steuermann nach einer kurzen Verweilung

in einigen griechischen See-Städten, wo er sich nirgends zu erkennen gab,

glücklich nach Syracus, um an dem Hof eines Fürsten zu lernen, daß auf

dieser schlüpfrigen Höhe die Tugend entweder der Klugheit aufgeopfert

werden muß, oder die behutsamste Klugheit nicht hinreichend ist, den Fall

des Tugendhaften zu verhindern.

Geschichte des Agathon. Teil 2 · 第 31 / 64 题