Somit konnte er dem lenkbaren Luftschiff eine erhöhte Geschw

66. Band. Jeder Band ist vollständig abgeschlossen.

Preis 10 Pf. (15 Heller.)

Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff.

Das Weltenfahrzeug zwischen den Riesen-Kometen.

[Illustration: »Der Zusammenstoß erfolgt,« schrieen die Inder.

»Der Komet wird unser Fahrzeug in Atome zermalmen.«]

Druck- und Verlags-Gesellschaft

Berlin

Das Weltenfahrzeug zwischen den Riesen-Kometen.

1. Kapitel.

Der große Feuerstern.

In der sonst so stillen Residenzstadt X. schien offener Aufruhr Platz

gegriffen zu haben.

Wüstes Geschrei tobte, hier und da sah man Feuer aus stattlichen

Gebäuden emporlodern.

Eine rasende Menge wälzte sich durch die Straßen und versuchte immer

wieder nach dem Residenzschloß zu gelangen.

Noch gehorchten die Soldaten den Befehlen der Offiziere, noch drängten

sie die Menge zurück, von Zeit zu Zeit hörte man das eigentümliche

scharfe Rasseln des Magazingewehrfeuers.

Dann wich die tolle Volksmenge unter Verwünschungen zurück, rannte nach

den Vorstädten, überall plündernd, Fenster und Türen zertrümmernd.

Was war denn nur geschehen, daß das Volk meuterte, daß offene Rebellion

und Aufruhr herrschte?

Es war ein Naturereignis, welches drohend am Himmel stand, ein Gestirn,

das stündlich an Größe zuzunehmen schien.

Ein Komet war es, wie man auf der Erde noch keinen zweiten gesehen. Ein

Schweifstern, der einer ungeheuren dahinschwebenden Feuermasse ähnelte.

Als der Komet vor Wochen im Weltenraum auftauchte, war er von den

Himmelskundigen bald gesehen, beobachtet, aber durchaus nicht

gefürchtet.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich nun die schreckliche Kunde, daß der

Komet sich der Erde nahe und mit ihr zusammentreffen werde. Die feurige

Gasmasse würde die Luft, welche den Erdball umgibt, verzehren und

dadurch alles Leben vernichten. Zu gleicher Zeit würde auch ein

schrecklicher Zusammenstoß des Kometen mit der Erde erfolgen.

Als die Nachricht zuerst gehört wurde, lachte man darüber, aber das

Lachen sollte bald verstummen.

Der anfangs so unansehnliche Komet wuchs mit unbeschreiblicher

Schnelligkeit, je näher er der Erde kam.

Natürlich gab sich die Regierung die größte Mühe, den Schrecken zu

bannen, aber vergeblich.

Da half kein Verbot, kein strenger Befehl, daß die Zeitungen keine

Berichte über das Fortschreiten des Kometen bringen durften. Umsonst

konfiszierte man hier und dort die Blätter; es war unmöglich, die

Katastrophe aufzuhalten.

Das war der Grund des Aufruhrs, der in den Straßen tobte, man hörte es

von den Leuten, die sich wie toll gebärdeten.

»In zwei Monaten ist alles vorbei,« schrieen die Leute. »Acht Wochen

soll es ja noch dauern, dann ist es mit der Erde aus, dann müssen alle

sterben. Aber so lange wollen wir noch das Leben genießen. Jetzt hat es

ja keinen Zweck mehr, daß man Reichtümer aufstapelt. Alle Schatzkammern

müssen geöffnet werden. Es gibt keine Gesetze mehr. Wir wollen leben und

genießen, so lange das irdische Dasein noch dauert. Jedes Gesetz muß

aufgehoben werden, jeder soll machen, was er will und keiner darf mehr

sein wie der andere.«

Wieder drängten die Massen gegen das mächtige Residenzschloß vor,

welches, von dem großartigen Park umgeben, einer Insel in tobender

Meeresbrandung glich.

Und so wie hier war es meist auf der ganzen Erde. Allenthalben kamen

Berichte von Volkstumulten, von Aufständen, von Anzeichen des drohenden

Anarchismus, ein Drüber und Drunter, welches schrecklicher als die

bevorstehende Vernichtung der Erde durch den Feuerstern zu werden

drohte.

Oben in den prunkvollen Zimmern des Residenzschlosses stand der

Herrscher. Um ihn standen eine Anzahl Männer, die Minister, die

Mitglieder der Regierung. Die meisten zeigten ratlose, geängstigte

Gesichter.

Nur der Herrscher, eine hohe, gebietende Gestalt, bewahrte die Fassung.

Er brauchte nicht zu fragen, er brauchte nicht die Berichte der

Militärgewalt zu vernehmen. Das dumpfe Brausen und Toben, welches durch

die verhangenen Fenster drang, sagte genug und lüftete man die schweren

Vorhänge, so sah man den Feuerschein brennender Häuser.

Soeben war ein Ministerrat abgehalten worden.

Hundert Vorschläge wurden gemacht, aber alle als unausführbar befunden.

Sie scheiterten an der Wut der Volksmassen, die alles zu vernichten

drohten.

Die Minister und die sonstigen Spitzen der Regierung hatten schon seit

Tagen und Nächten keine Ruhe gefunden. Eine Beratung war der anderen

gefolgt, jetzt waren die Herren mit ihrer Weisheit zu Ende.

Es schien, als ob ein bitteres Lächeln um die Lippen des Herrschers

spielte, als er seine Räte und Vertrauten mit einer Handbewegung und

einigen kurzen Worten verabschiedete.

In wenigen Augenblicken war der Herrscher allein.

Er blieb am Tische stehen und blätterte mechanisch in den Dokumenten.

Dann trat er ans Fenster.

Draußen knatterte wieder das Gewehrfeuer.

Nur ungern hatte der Herrscher den Befehl erteilt, gegen das rasende

Volk Gewalt zu gebrauchen. Es ging nicht anders, draußen begann man ja

schon zu morden, zu rauben und zu plündern.

»Die Sturmflut naht,« murmelte der Herrscher. »Bald wird sie alles

überfluten. Schrecklich, entsetzlich, die Menge wartet nicht, bis die

Katastrophe erfolgt, sie macht schon vorher die Erde zur Hölle. Und das

alles, alles nur, weil sich der eine an mir rächen wollte. Dieser Mann,

der einen solchen Ruf besitzt, der ihn bis zur gehässigsten Vergeltung

anwendet. Und dieser Mann, der soviel Unglück angerichtet hat, der hütet

sich, vor meine Augen zu kommen. Niemand weiß, wo er sich befindet, er

schleudert seine giftigen Pfeile aus der Verborgenheit in die rasende

Menge.«

Der Herrscher hatte die letzten Worte unwillkürlich laut gesprochen.

Plötzlich wendete er den Kopf, als ein Geräusch im Saal ertönte. Dort an

der schweren Portiere, die zu den fürstlichen Gemächern führte, stand

ein stattlicher junger Mann mit geistreichem und zu gleicher Zeit auch

energischem Antlitz.

Es war einer der Prinzen des Herrscherhauses, ein Mann, der sich in

seinen Mußestunden aus Begeisterung mit der astronomischen Wissenschaft

beschäftigte.

Der Herrscher trat in sichtlicher Erregung auf den Prinzen zu.

»Wie steht es?« fragte er hastig. »Ist der Aufenthalt des Gelehrten

entdeckt worden?«

Der Prinz schüttelte den Kopf.

»Es ist unmöglich,« erwiderte er. »Der Rachsüchtige hält sich verborgen.

Zudem werden die Nachforschungen durch den Aufstand so erschwert, daß

ich das Unternehmen schon von Anfang an als hoffnungslos betrachtete.«

Der Herrscher stampfte mit dem Fuße auf den Boden, daß es dröhnte.

»Wie kann dieser Mann das Unheil verantworten?« rief er in höchster

Empörung. »Wie kann er nur solche entsetzliche Rache nehmen! Ich habe

bereits Nachrichten erhalten, daß die Soldaten in ihrer Treue wankend

werden. Nicht alle, aber doch ein großer Teil. Und wenn das geschieht,

wenn auch diese letzte Stütze der Ordnung zusammenbricht, dann kommt es

zu einer Katastrophe, so furchtbar, so entsetzlich, wie man es noch nie

auf Erden erlebt. Dann sind die fürchterlichsten Revolutionen der

Vergangenheit ein Kinderspiel gegen diese Schrecken.«

Der Prinz neigte zustimmend das Haupt.

»Und das schlimmste ist,« erwiderte der, »daß dieser rachsüchtige

Gelehrte recht hat. Ich war gestern und heute in der Universität, auf

den beiden Sternwarten. Ich habe alle Gelehrten auf Ehre und Gewissen

befragt, gebeten, mir die volle Wahrheit zu sagen und die Berechnung

nochmals durchzugehen. Ich hatte ja immer noch die Hoffnung, daß die

Rache jenes Mannes der Grundlage entbehrte, daß er nur Schrecken und

Aufruhr verbreiten wollte. Bis vor wenigen Stunden hegte ich noch

Hoffnung.«

»Und dann?« fragte der Herrscher.

»Meine Hoffnung ist geschwunden,« erwiderte der Prinz. »Meine eigenen

Beobachtungen geben mir die Gewißheit, daß das Schreckliche bevorsteht

und das gleiche sagten auch die Gelehrten. Der Riesenkomet trifft mit

der Erde zusammen und vernichtet alles Leben. Anfangs hoffte ich noch

darauf, daß das nahende Ungeheuer durch andere Planeten in seinem

verderblichen Lauf gestört werden könnte, aber auch diese Hoffnung ist

dahin. Unsere Instrumente haben es bewiesen, die Planeten können den

Vernichter nicht mehr aufhalten. Er saust mit großer Geschwindigkeit auf

die Erde zu, er wird mit der Erde zusammentreffen.«

Draußen tobte der Lärm, das Gebrüll der rasenden Volksmenge schallte

herüber. Wieder knatterten Schüsse.

Der Herrscher ging mit großen Schritten im Saale auf und ab.

»Warum mußte ich das erleben?« sprach er, sein ergrautes Haar flüchtig

im Spiegel betrachtend. »Warum konnte ich nicht in der Gruft meiner

Vorfahren ruhen? Jetzt muß ich den doppelten Untergang der Erde mit

ansehen. Es ist fürchterlich, es ist entsetzlich. Die Empörung droht

nicht allein in unserem Lande, sondern auch in allen Kulturstaaten der

Welt.«

Plötzlich blieb der Herrscher stehen.

»Du willst mir noch etwas sagen,« sprach er zu dem Prinzen. »Ich sehe es

Dir an, Du hast noch etwas auf dem Herzen. Sprich, ist es etwas

Wichtiges?«

»Es ist allerdings etwas Wichtiges,« lautete die Antwort. »Aber ich bin

überzeugt, daß der Vorschlag, den ich machen könnte, mit Entrüstung

zurückgewiesen wird.«

»Wie -- was?« rief der Herrscher erregt. »Zurückgewiesen? Ist es ein

Vorschlag, der die Katastrophe verhindern könnte?«

»Das kann ich nicht sagen,« erwiderte der Prinz. »Aber es würde der

letzte Zweifel beseitigt werden. Ich habe ja immer noch eine ganz

schwache Hoffnung, daß das Fürchterliche vermieden wird. Aber die Menge

denkt nur an den drohenden Untergang der Erde, die Massen sind in

Verzweiflung, sie wollen noch einmal ihr Dasein genießen.«

»Rede, rede,« rief der Herrscher, dessen Stimme leise zitterte. »Noch

könnte ich mit der Militärmacht den Aufruhr einige Zeit niederhalten,

und das wird auch in anderen Kulturstaaten gelingen. Sprich, sprich, was

bedeuten Deine geheimnisvollen Worte?«

»Darf ich reden, ohne daß ich in Ungnade falle?« fragte der Prinz mit

gedämpfter Stimme. »Darf ich?«

»Alles, alles,« rief der Herrscher, »was Du willst! Ich erlaube es Dir,

ich gebiete es Dir sogar. Es ist sicherlich etwas Seltsames.«

»Allerdings,« tönte es zurück. »Es gibt noch einen Menschen auf der

Welt, der uns über das letzte Geheimnis Aufschluß bringt, er vermag es.

Und dieser Mann, der die Gewißheit bringt, der uns sagt, hier ist

entweder Vernichtung oder Rettung, das ist der Luftpirat, Kapitän Mors,

der Mann mit der Maske.«

Es herrschte tiefes Schweigen im Saal. Man hörte nur die Atemzüge der

beiden Männer.

Der Herrscher hatte anfangs eine abwehrende Gebärde gemacht, aber gleich

darauf ging er in tiefem Nachdenken umher. Seine Stirn war gefaltet, die

Hände verkrampft, ein Kampf schien in der Seele des mächtigen Mannes zu

toben.

Plötzlich blieb er vor dem Prinzen stehen.

»Du hast mir noch nicht alles gesagt,« sprach er. »Du bist bereits mit

dem Luftpiraten in Verbindung getreten. Du hast ihn aufgefordert,

Klarheit zu schaffen, nur um das Entsetzliche zu verhindern. Sage es

mir, ich zürne Dir gewiß nicht. O nein, vielleicht muß ich Dir sogar

recht geben.«

»Gut denn,« erwiderte der Prinz, während draußen das Wutgeschrei der

Menge wie Donnerbrausen ertönte. »Ja, ich habe es gewagt. Allerdings war

es nur ein Zufall, vielleicht ein glücklicher Zufall. In dem

geheimnisvollen Schlupfwinkel des Luftpiraten befindet sich nämlich ein

Astronom, ein treuer Begleiter des Maskierten, der ihn schon auf seinen

wunderbaren Weltreisen begleitet hat. Dieser Gelehrte steht mit einem

andern Gelehrten unserer Sternwarten in Verbindung. Es ist noch eine

alte Freundschaft und die beiden verkehren miteinander. Allerdings

selten und geheimnisvoll. Der Zufall hat mir dies Geheimnis enthüllt,

ich habe den Gelehrten gebeten, dem Luftpiraten unsere furchtbare Lage

zu schildern.«

»Und die Antwort ist schon da?« rief der Herrscher. »Nicht wahr?«

Das geistvolle Gesicht des Prinzen war totenbleich.

»Ja, die Antwort ist hier,« entgegnete er. »Ich habe sie empfangen, ich

habe es gewagt, auf die Gefahr der Ungnade, als letztes, verzweifeltes

Mittel. Kapitän Mors der Luftpirat wird sich in dieser Nacht um zwölf

Uhr an einer genau bezeichneten Stelle des großen Schloßparkes

einfinden.«

2. Kapitel.

Aus Rache.

Der Herrscher stand wie ein Steinbild, aber das dauerte nur wenige

Augenblicke.

Er trat zu dem Prinzen und dieser fühlte, wie die Rechte seines

mächtigen Verwandten eiskalt war.

»Zu jeder anderen Zeit hätte ich eine Unterredung mit dem Luftpiraten

zurückgewiesen,« klang die Stimme des Herrschers. »Aber jetzt will ich

mit ihm sprechen. Ich zürne Dir nicht, nein, im Gegenteil, ich danke

Dir. In der verzweifelten Lage, in der wir uns und alle anderen

Kulturstaaten befinden, ist Kapitän Mors vielleicht die letzte Hoffnung.

Gehe um zwölf Uhr nach dem Schloßpark hinunter, ich gehe mit. Niemand

soll sonst dabei sein. Du verbietest den Dienern, daß sie uns folgen.

Jetzt ist es zehn Uhr, hole mich ab, wenn die Zeit gekommen ist. Ich

will dem Mann mit der Maske gegenübertreten.«

* * * * *

Es war Mitternacht, aber es herrschte keine Ruhe.

Das rasende Volk, welches die Branntweinschenken gestürmt, hatte einen

nochmaligen Vorstoß gegen das Residenzschloß unternommen. Das Militär

stand aber fest wie Mauern und die rasende und tobende Masse mußte, Tote

und Verwundete mit sich schleppend, wieder zurückweichen.

Jetzt grollte der Lärm in der Ferne, wie ein dumpfes Tosen, wie ein

fernes Gewitter.

Die Nacht war ziemlich klar und der große Komet stand drohend am Himmel.

Durch den großen Schloßpark eilten zwei Männer in Mäntel gehüllt, der

Herrscher und der Prinz, die sich zu dem verabredeten Stelldichein

begaben.

Nur einmal wurde gesprochen.

»Wie kann nur der Luftpirat in den Park gelangen?« fragte der Herrscher.

»Dieser ist ja von einer hohen, glatten Mauer und außerdem von einem

tiefen Wassergraben umgeben.«

»Für diesen Mann gibt es kein Hindernis,« erwiderte der Prinz. »Er kommt

und er wird zur Stelle sein.«

Die Kirchturmuhren der Residenz verkündeten die zwölfte Stunde, als sich

die beiden Männer einem kleinen tempelartigen Pavillon näherten.

Ringsumher standen Bildsäulen, Marmorgruppen, Götter und Göttinnen, vom

Mond gespenstisch beleuchtet.

Hier war es fast unheimlich, der Nachtwind rauschte in den Bäumen und

Büschen, ein Käuzchen ließ seine klägliche Stimme vernehmen.

»Der Totenvogel,« murmelte der Herrscher, der sonst gewiß nicht

abergläubisch veranlagt war.

Sonst war nichts zu sehen, die beiden Männer schienen sich allein am

Pavillon zu befinden.

Aber im Augenblick, wo der letzte Schlag der zwölften Stunde vom Turm

der Hauptkirche herüberdrang, trat eine Männergestalt hinter dem

Pavillon hervor.

»Da bin ich,« sprach eine sonore Stimme.

Der Mond beleuchtete einen Mann, der einen einfachen braunen Mantel von

militärischem Schnitt über den Schultern trug.

Vorn war der Mantel geöffnet, so daß man eine dunkelblaue Uniform

erblickte.

Eine Mütze mit Goldtresse bedeckte den Kopf, während eine schwarze

Halblarve das energische Gesicht fast verhüllte.

Es war Mors, der Luftpirat, der Erbauer des lenkbaren Luftschiffes und

des Weltenfahrzeuges.

Der Herrscher schien noch einmal mit sich zu kämpfen. Dann aber trat er

kurz entschlossen auf den geheimnisvollen Mann zu.

»Die Unterhaltung braucht nicht lange zu dauern,« tönte es von den

Lippen des Maskierten. »Die Vorgänge in der Welt sind mir nicht

unbekannt, und ich weiß, was man von mir will. Ich soll endgültig

Gewißheit bringen, ob der große Feuerstern da oben die Erde vernichten

wird.«

»Wenn Sie das zustande bringen, Kapitän Mors,« erwiderte der Herrscher,

»so können Sie möglicherweise unabsehbares Unheil verhindern. Sie können

die letzten Zweifel lösen, tritt die Katastrophe ein oder nicht? In

letzterem Falle haben Sie sich die ganze Welt zu Dank verpflichtet.«

»Dank begehre ich gar nicht,« erwiderte der Luftpirat, »ich tue das, was

man von mir verlangt, und zwar der Menschheit zu Liebe. Auch ich hege

noch Zweifel, ob der Riesenkomet die Erde treffen wird. Ich habe da eine

Beobachtung gemacht oder richtiger gesagt, einer meiner Gefährten hat es

getan, eine Beobachtung --«

»Wie, was?« rief der Herrscher. »Läßt sich das Verderben vermeiden?«

»Das kann ich nicht sagen,« erwiderte Mors. »Hier gibt es nur eine

einzige Möglichkeit, Gewißheit zu schaffen. Ich werde mit meinem

Weltenfahrzeug unter Anwendung der größten Schnelligkeit dem Kometen

entgegenfahren. An Ort und Stelle will ich mir die Gewißheit

verschaffen.«

»Aber das Schreckliche soll ja unabwendbar sein,« meinte der Herrscher.

»Darin sind alle Gelehrten einig. Es ist nur ein Unglück, daß einer

jener Gelehrten die Kunde zur Kenntnis der Massen gebracht hat. Das

Geheimnis hätte verschwiegen bleiben sollen.«

»Deshalb bin ich ja hierher gekommen,« erwiderte Mors. »Sonst wäre ja

die Zusammenkunft gar nicht nötig gewesen. Soviel ich gehört habe,

stammt dieser Astronom aus einer sehr vornehmen Familie dieses Landes.

Er führt einen stolzen Namen. Weshalb hat dieser Aristokrat die Massen

aufgehetzt? Warum?«

»Ja, es ist ein Baron,« erwiderte der Herrscher. »In der alten

Edelmannsfamilie, der er entstammt, herrscht die Sitte, daß der älteste

Sohn die großartige Herrschaft übernimmt. Das ist nun nichts

Ungewöhnliches, aber doch scheint dieser Mann dadurch verbittert zu

sein. Er besaß Vermögen und besitzt es auch noch. Er war ehrgeizig und

obwohl ein ausgezeichneter Gelehrter, strebte er doch nach den höchsten

Zielen. Sein Ehrgeiz kannte keine Grenzen, und so suchte er eine

Prinzessin des Herrscherhauses als Gattin zu gewinnen. Er, ein schöner

Mann, der eine Art dämonischen Einfluß besitzt, wäre fast an sein Ziel

gelangt. Schon war er nahe daran, das Herz einer blutjungen Prinzessin

zu gewinnen, als ich, noch rechtzeitig gewarnt, dazwischen trat und dem

Ehrgeizigen den Besuch des Hofes untersagte. Da kannte sein Zorn keine

Grenzen, denn dieser Baron ist rachsüchtig. Vorerst blieb ihm nichts

anderes übrig, als sich in sein Schicksal zu ergeben, aber als der große

Feuerstern erschien, als er durch seine Beobachtungen erfuhr, daß der

Komet mit der Erde zusammentreffen würde, da ließ er seiner Rache freien

Lauf. Anstatt das Geheimnis zu wahren, brachte er es zur Kenntnis der

Massen und zog sich zu gleicher Zeit in ein unauffindbares Versteck

zurück. Seine Rache ist gelungen. Der Aufruhr tobt in den Straßen. Opfer

sind schon gefallen, und wenn es so weiter geht, wird der Komet, wenn er

mit der Erde zusammentrifft, nur noch einen Teil der Menschheit zu

vernichten haben. Die Rache dieses Mannes verwandelt die Erde in die

Hölle. Die furchtbarste Revolution steht vor der Tür.«

»Das wollte ich wissen,« erwiderte Mors, »das genügt mir. In kürzester

Zeit befinde ich mich auf der Fahrt im Weltenraum, auf der Fahrt zum

nahenden Kometen. Unterdessen muß alles getan werden, damit sich das

Volk beruhigt. Kein Mittel darf gescheut werden, um die Massen glauben

zu machen, daß das Verderben noch einmal an der Erde vorübergehen wird.

Mit äußerster Strenge muß man die Empörung niederhalten, bis ich

zurückkehre. Ist das Verderben unvermeidlich, nun gut, dann wird es sich

ja zeigen, ob in den letzten Tagen der Erde die sinnlose Zerstörung

Triumphe feiert. Bringe ich aber die Botschaft, daß die Katastrophe

vermieden wird, so wird wieder Ruhe eintreten, und dann mag jener Mann,

der soviel Unglück angerichtet hat, seine Strafe empfangen. Jetzt ist

diese Unterredung zu Ende.«

»Nein, noch nicht,« rief der Herrscher, auf den die Erscheinung des

maskierten Mannes gewaltigen Eindruck gemacht hatte. »Noch nicht.

Kapitän Mors, wenn es Ihnen gelingen sollte, Klarheit über das

Bevorstehende zu schaffen, wenn Sie durch Ihr heldenmütiges Wagnis, ja

so muß ich es nennen, die Kunde bringen, daß der Tod an uns vorübergeht,

so können Sie alles fordern, was Sie wollen, jede Belohnung und sei es

auch die riesigste Summe.«

»Nicht einen Heller,« erwiderte der Luftpirat. »Auch nicht ein

Dankeswort begehre ich. Was ich tue, geschieht im Interesse der

Menschheit. Wohl habe ich mich gewissermaßen von der Menschheit

zurückgezogen, aber ich hasse sie nicht. Ich will das arme Volk

beschützen und sein Los zu erleichtern suchen. Bringe ich die Kunde, daß

die Erde gerettet wird, nun wohl, so mögen die Regierungen der

Kulturstaaten eine ungeheure Summe unter die Armen verteilen. Das wäre

für mich die größte Belohnung.«

Der Herrscher war von diesem Edelsinn hingerissen. Er reichte Kapitän

Mors die Rechte.

»Ich bin ja der Luftpirat,« erwiderte der Maskierte bitter.

»Nein, Sie sind ein edler Mann,« rief der Herrscher, indem er die Rechte

des Maskierten faßte. »Früher habe ich Uebles von Ihnen geglaubt, aber

diese kurze Unterredung hat mich überzeugt, daß Sie ein Mann sind, den

man verleumdete. Kapitän Mors, wer Sie auch sein mögen, vergessen Sie

nicht, daß Sie in diesem Lande, wenn das Unglück an der Erde

vorübergeht, einen Mann finden, der Sie immer aufnehmen wird, komme, was

da wolle.«

Ein Händedruck folgte, der Luftpirat trat rasch zurück, er winkte dem

Herrscher und dem Prinzen zu.

»Ich bringe die Botschaft,« rief er, »ich fahre zum Kometen.«

Im nächsten Augenblick verschwand die stolze Gestalt des Mannes im

Gebüsch, während der Herrscher und der Prinz den Rückweg antraten.

Einsam war es beim Pavillon, das Käuzchen schrie wieder, aber es flog

plötzlich erschreckt von dannen.

Im Gebüsch raschelte es und da wurde etwas Schwarzes, Schattenhaftes

sichtbar. Der Kopf eines Mannes, der vorsichtig aus dem Dickicht

herausspähte.

Es war ein schöner Kopf, aber die Augen besaßen etwas Fürchterliches.

Darinnen schien ein höllisches Feuer zu brennen.

Bald darauf ballte der Versteckte die Faust und schüttelte sie nach der

Richtung hin, wo der Prinz und der Herrscher gegangen waren.

»Geht, geht,« klang es leise von den Lippen des Versteckten. »Ihr habt

wieder Hoffnung. Aber sie soll enttäuscht werden. Mag der Mann mit der

Maske seine Fahrt antreten, er wird nicht mehr zurückkommen, denn dafür

habe ich gesorgt. Der Mann mit der Maske, er ahnt es nicht, was ihm

droht. Der weiß nicht, daß ich schon früher an ihn dachte. Ich kenne den

Luftpiraten, ich wußte, was er tun würde. Deshalb will ich seine

Rückkehr unmöglich machen. Der Volksaufruhr muß toben und alle Bande der

Ordnung zerreißen. Und wenn dann die Soldaten ihrer Pflicht abtrünnig

werden, wenn alles drunter und drüber geht, wenn man die Häuser der

Vornehmen und Vermögenden plündert, das Residenzschloß stürmt, dann

werde ich zur Stelle sein. Dann erreiche ich doch mein Ziel. Dann hole

ich mir die Prinzessin, ich führe sie mit mir fort nach meinem

Schlupfwinkel, dem Herrscher zum Trotze. Ich will mich rächen für die

Stunde, in der man mich aus dem Schloß wies, mir den Zutritt untersagte.

Rache will ich nehmen, Rache! In ohnmächtigem Zorn soll sich der

Herrscher verzehren, wissen, daß sich die Prinzessin in meiner Gewalt

befindet. Die Wissenschaft, der ich mich einst gewidmet, die wird das

Werkzeug meiner Rache sein.«

Und wieder schüttelte der Mann die geballte Faust bald nach dem Schlosse

hin, bald nach der Mauer. Ein unheimliches Lachen klang von seinen

Lippen.

Dann schlossen sich die Gebüsche, aber nach einiger Zeit hörte man einen

sonderbaren dumpfen Schall. Es klang so, als ob sich in dem Park im

dichtesten Gestrüpp eine schwere Falltür geschlossen hätte.

* * * * *

Auf welche Weise Mors in den Schloßpark gelangt war, wußte niemand.

Möglicherweise hatte er eine kleine Flugmaschine benutzt, die er an Bord

des Luftschiffes mitzunehmen pflegte.

Jedenfalls befand sich der geheimnisvolle Mann noch vor Anbruch des

Tages auf dem riesigen lenkbaren Luftschiff, das sich auf der Stelle in

ungeheure Höhen erhob. Dann fuhr der Koloß mit äußerster Maschinenkraft

nach Osten.

Kapitän Mors hatte an seinem lenkbaren Luftschiffe noch einige

Verbesserungen angebracht.

Er war ja nie müßig, sondern stets beschäftigt, seine Wunderwerke zu

vervollkommnen.

Somit konnte er dem lenkbaren Luftschiff eine erhöhte Geschwindigkeit

verleihen und die Maschinen wurden diesmal bis zum äußersten in Anspruch

genommen.

Für längere Zeit wäre diese Schnelligkeit verderblich gewesen, aber für

einige Tage machte es dem Luftschiff nichts aus, obwohl das mächtige

Fahrzeug allenthalben zitterte und bebte.

Mors mußte jede Stunde benutzen, und so schoß denn der Lenkbare mit

einer Schnelligkeit dahin, als ob er mit einem Adler wetteifern wollte.

Endlich erreichte er seine Insel, wo seine unerwartete schnelle Rückkehr

freilich wenig Befremden erregte.

Die Zurückgebliebenen wußten, weshalb Kapitän Mors die Reise angetreten,

sie hatten unterdessen alles zur Auffahrt des Weltenfahrzeuges

vorbereitet.

Mors verlor keine Zeit.

Professor van Halen sollte ihn begleiten, ferner der Ingenieur Terror

und eine ausgesuchte indische Mannschaft.

Terror und Star, die beiden Ingenieure des Luftpiraten, waren diesmal

auf der Insel zurückgeblieben und erstatteten Bericht.

Sie gaben Kapitän Mors die Versicherung, daß sie das Weltenfahrzeug auf

das genaueste untersucht hätten und daß der Koloß sofort die gefahrvolle

Reise antreten könnte.

»Und sonst ist nichts Besonderes vorgefallen?« fragte Mors. »Sonst hat

sich nichts ereignet?«

»Nichts, gar nichts,« erwiderten die Ingenieure. »Wir haben übrigens,

wie Ihr befohlen habt, Kapitän, die Leute auf der Insel aufs

sorgfältigste beobachtet. Wir vergaßen es nicht, daß Ihr sagtet, wir

müßten die neu angeworbenen Inder, die unsere Verluste ersetzen sollen,

erst kennen lernen. Es sind verschlossene Menschen dabei, die aber

künftig recht brauchbar werden können. Sie sind fleißig, geschickt und

willig und haben tüchtig bei der Arbeit am Weltenfahrzeug geholfen.

Wollt Ihr einige von der neuen Mannschaft mitnehmen?«

Mors schüttelte den Kopf.

»Nur die alte Mannschaft,« entgegnete er. »Ich will nicht, daß unser

Unternehmen durch irgend eine Störung gehemmt wird. Ich habe manchmal

mit neuer Mannschaft böse Erfahrungen gemacht, daher verlasse ich mich

auf meine alten Getreuen. Macht alles bereit, in zwölf Stunden beginnt

der Aufstieg.«

Die Inder drängten sich um Kapitän Mors, denn es wurde als Ehre

betrachtet, den Luftpiraten bei den geheimnisvollen Fahrten in den

Weltenraum begleiten zu dürfen.

Mors empfing sie alle, die alten Getreuen und auch die Neuangeworbenen.

Diese sollten die Verluste, welche der Tod in die Reihen der alten

Mannschaft gerissen, ersetzen.

Es waren alles stattliche, sehnige Männer aus den indischen

Gebirgsgegenden und vor allen Dingen durch die ältere Mannschaft des

Luftpiraten empfohlen.

Allerdings konnte man niemand ins Herz sehen, denn die Inder waren

verschlossene Menschen. Mors wollte deshalb auch die neu angeworbene

Mannschaft erst prüfen lassen.

Wie ein Fürst saß er im Kreise der Männer, die sich mit gekreuzten

Beinen nach morgenländischer Art um ihn niedergelassen hatten und

aufmerksam den Worten des Geheimnisvollen lauschten.

Sie erkundigten sich nach dem seltsamen Feuerstern, aber Mors hütete

sich, davon zu sprechen, daß der Komet mit der Erde zusammentreffen

würde.

Dennoch schien es, als ob die Inder so etwas befürchteten, aber nicht

davon sprechen wollten.

»Und wie lange wird die Fahrt nach dem Feuerstern dauern, Herr?« fragte

einer der Neuangeworbenen, ein großer, etwas finster dreinblickender

indischer Gebirgsbewohner.

»Am vierzehnten Tage der Fahrt werde ich dort eintreffen,« erwiderte der

Luftpirat.

»Wie ist das möglich, Herr?« erwiderte der Mann. »Wie kann man das so

genau berechnen?«

»Dazu haben wir unsere Instrumente und unsere Geschwindigkeitsmesser,«

erwiderte Mors, indem er auf Professor van Halen deutete. »Seht den Mann

dort, der irrt sich niemals.«

Der hochgewachsene Inder schwieg und sprach auch während der weiteren

Beratung kein Wort mehr.

Als er aber aufstand und mit seinen Begleitern das Haus des Kapitäns

verließ, da schien es, als loderte unter den langen Wimpern des Inders

ein rätselhaftes Feuer, als ob diese dunklen Augen ganz eigenartig,

seltsam und unheimlich dreinblickten.

3. Kapitel.

Die Fahrt nach dem Kometen.

Als Kapitän Mors auf seiner Insel ankam, war es fünf Uhr nachmittags und

um sechs Uhr am nächsten Morgen sollte der Aufstieg des Weltenfahrzeugs

erfolgen.

Der Inder, der die Frage gestellt, begab sich nach den kleinen indischen

Hütten, die in einem Palmenwäldchen erbaut waren.

Jeder der Männer besaß sein eigenes Häuschen.

Kaum war der hochgewachsene Mann dort angelangt, da begann er auch schon

eine seltsame Tätigkeit zu entfalten.

Er ging in das kleine Schlafgemach und versperrte zunächst die Tür. Dann

holte er aus seiner einfachen Lagerstätte ein Kästchen, welches er mit

größter Sorgfalt öffnete.

In diesem metallenen Kästchen lag ein Instrument, welches einer

ungewöhnlich großen Taschenuhr ähnelte.

»Das hat mir der fremde Sahib gegeben,« murmelte der Inder. »Er hat mir

alles gesagt, alles gezeigt. Und er hat mir die größte Belohnung

versprochen. Mächtig und reich soll ich sein, eine schöne, üppige

Fürstentochter als Gattin heimführen können. Ich habe dem fremden Sahib

Treue geschworen und sogar meine Freiheit hingegeben. Hier auf diesem

Eiland bin ich ja gewissermaßen Gefangener. Aber ich weiß, daß mich

dieser mächtige Fremde, wenn ich alle seine Befehle erfülle, später

holen wird und mich zum glücklichen, reichen Manne macht. Das hat er mir

bei der mächtigen Göttin Kali geschworen.«

Nachdem der Mann das Kästchen auf den Tisch gestellt, begann er eine

neue Arbeit.

Vorsichtig hob er einige Bambusrohre empor, welche Boden und Wände der

Hütte bildeten.

Dann zog er wieder ein Päckchen hervor, welches aber etwas größer als

das erste war und ebenfalls aufs sorgfältigste verhüllt zu sein schien.

Es mußte sich etwas Seltsames darin befinden, denn der Inder zeigte die

größte Vorsicht. Er ging damit um, als ob es sich um das zerbrechlichste

Ding von der ganzen Welt handelte.

Nun wartete er, bis es dunkel geworden war, und bis die getreuen

Anhänger des Kapitän Mors die Runde machten.

Diese Männer sahen ja jeden Abend nach, ob sich die Inder in ihren

Hütten befanden, und als sie das Häuschen des Neuangeworbenen betraten,

lag dieser auf seiner einfachen Lagerstätte.

Er schien fest zu schlafen, aber es war nur Schein. Er wachte und

stellte sich nur schlummernd.

Um Mitternacht aber verließ er die Hütte.

Vorsichtig lauschte er erst und überzeugte sich, daß alles ruhig war.

Hierauf schlich er geschmeidig wie eine Katze durch die Gebüsche.

Die beiden Pakete hatte der Inder mitgenommen und trug sie in ein Stück

Zeug gewickelt auf dem Rücken.

Immer schneller glitt der Mann dahin, bis er den Ort erreichte, wo das

Weltenfahrzeug in seiner Halle stand, der stolze »Meteor«, der in den

ersten Morgenstunden die Fahrt in den Weltenraum unternehmen sollte.

Wächter waren aufgestellt, aber der Inder verstand es, die beiden Wachen

zu täuschen. Er kletterte wie eine Katze durch die Dunkelheit begünstigt

an der Halle empor und schlüpfte durch ein Luftloch in das Innere der

Halle.

Da hing der Metallriese in seinem Gerüst, aus dem er jeden Augenblick,

wenn das Dach geöffnet wurde, emporsteigen konnte.

Der Inder aber glitt in die Halle hinab und kauerte sich am Vorderteil

des Weltenfahrzeuges nieder. (Man vergleiche hier den Plan des

Weltenfahrzeuges auf der Rückseite dieses Bandes.)

Der unheimliche Mensch beschäftigte sich an der Vorrichtung, welche das

Genie des Kapitän Mors erfunden, nämlich an der vorderen Einrichtung für

die Luftzufuhr am Unterteil des Weltenfahrzeuges.

Dort befand sich zwischen den Metallteilen und den Behältern für

flüssige Luft eine Oeffnung, eine Lücke, die gerade groß genug für das

zweite Päckchen war, welches der Inder auf dem Rücken trug.

Mit äußerster Vorsicht schob er es hinein, er hielt sogar den Atem an,

es schien, als würde bei einer Unvorsichtigkeit eine Katastrophe

erfolgen.

Als das geschehen war, öffnete der Inder das zweite Päckchen. Da hörte

man deutlich, wie er die große Uhr aufzog, die alsbald leise, kaum

vernehmbar zu ticken begann.

»Vierzehn Tage hat er gesagt,« sprach der Mann für sich. »Gut, ich werde

den Zeiger auf den fünfzehnten Tag stellen. Dann wird er noch dort sein.

Dann geschieht das, was der fremde Sahib von mir begehrte. Niemand wird

es merken, niemand wird Verdacht schöpfen. Jetzt noch die Drähte.«

Der Inder setzte seine Manipulationen fort.

Wäre es hell gewesen, so hätte man gesehen, wie dieser unheimliche

Mensch einige dünne Kupferdrähte hervorzog und diese auf sinnreiche

Weise mit der leise tickenden Uhr und dem geheimnisvollen Paket verband.

Auch hierbei ging er mit äußerster Vorsicht zu Werke und prüfte dann

nochmals aufs sorgfältigste den sonderbaren Apparat, welchen er in die

Lücke zwischen den Metallteilen hineingeschoben.

»Es ist geglückt,« murmelte der Mann befriedigt. »Der fremde Sahib wird

zufrieden sein. Niemand hat Argwohn geschöpft, und ich werde von dem

fremden Herrn, der bei Kali geschworen, meine Belohnung empfangen.«

Ein paar Minuten später kletterte der Mann wieder aus der Halle heraus.

Die indischen Wächter besaßen scharfe Ohren, aber sie merkten nichts

Verdächtiges. Lautlos, wie er gekommen, schlüpfte der neuangeworbene

Inder von dannen.

* * * * *

Kurz vor sechs Uhr war alles zur Abfahrt bereit. Mors kam mit Terror,

van Halen und seiner getreuen alten Mannschaft, um das Fahrzeug zu

besteigen.

Der Luftpirat warf noch einen prüfenden Blick auf den »Meteor« und seine

Feueraugen musterten das gewaltige Fahrzeug.

Auch die neuangeworbenen Inder waren mitgekommen, und der Unheimliche,

der in der Nacht die seltsame Arbeit verrichtet, schien leise zu

zittern.

Wenn nun die scharfen Augen des Luftpiraten etwas Verdächtiges

bemerkten?

Der Mann atmete tief auf, als Mors sich von dem Fahrzeug abwendete. Er

hatte nichts entdeckt, er gab das Zeichen, daß die Abfahrt erfolgen

sollte.

Mors hatte mit den zurückbleibenden Getreuen gesprochen und den beiden

Ingenieuren Star und Herbert genaue Weisung gegeben. Die beiden waren es

auch, welche in alles eingeweiht wurden.

Jetzt schwang sich Mors als letzter durch die eiserne Tür, die alsbald

luftdicht verschlossen wurde.

Dann wurde das Zeichen gegeben, das bewegliche Dach der Halle drehte

sich, und majestätisch erhob sich der »Meteor« in die Lüfte.

Der Riesenmagnet drehte sich langsam der Erde zu, immer schneller wurde

die Bewegung des Giganten. Im Nu verschwand er in den Wolken, das

Weltenfahrzeug befand sich auf der Fahrt nach dem Feuerstern.

* * * * *

Mors hatte gleich von Anfang an die größte Geschwindigkeit

eingeschaltet.

Der Magnet war genau der Erde zugekehrt, so daß der »Meteor« blitzartig

durch den Weltenraum jagte.

Die Luftzone der Erde war im Nu durchflogen. Der Himmel nahm eine

dunkelblaue Färbung an, bis er zuletzt schwarz wurde.

Man sah die Sonne, aber auch die Sterne, man sah den riesigen Kometen,

der seinen verhängnisvollen Pfad zur Erde verfolgte.

Mors begab sich nach dem Beobachtungsraum.

Dort saß der Professor am großen Fernrohr und betrachtete aufmerksam den

merkwürdigen Himmelswanderer.

»Nun, wie steht es, Professor?« fragte Mors. »Sie haben seit der letzten

Beobachtung, die wir im Weltenraum veranstalteten, Zeit genug gehabt.

Wie ist es mit Ihren Berechnungen? Ferner möchte ich wissen, ob Sie

etwas Neues an dem Feuerstern entdeckten?«

Van Halen war aufgesprungen.

»Ich habe mich in meinen Beobachtungen nicht getäuscht,« erwiderte er

mit fester Stimme. »Schon damals erschien mir der Komet als ein höchst

merkwürdiges Gebilde. Jetzt, wo er der Erde näher gerückt ist, sehe ich

deutlich, was ich damals nur vermutete.«

»Und von dieser Vermutung haben Sie nicht gesprochen, bester van Halen,«

meinte der Luftpirat. »Sie sagten damals, Sie seien Ihrer Sache nicht

sicher genug, und ich wollte nicht in Sie dringen. Aber jetzt wiederhole

ich meine Frage.«

Der Astronom deutete mit der Rechten nach dem flammenden Kometen.

»Es ist ein merkwürdiges Gebilde,« erwiderte er, jedes Wort betonend.

»Ein Himmelskörper, wie ihn die Beobachter vielleicht noch nie gesehen

haben. Und wenn dies jemals in der Geschichte der Welt geschah, so haben

die Astronomen die Natur jenes Himmelskörpers nicht erkannt. Aber wie

kann ich nur immer von einem Körper sprechen. In Wirklichkeit sind es

deren zwei, und sie nähern sich der Erde, das ist nicht zu leugnen.«

»Was, zwei?« rief Mors erstaunt.

»Ja, zwei Kometen,« erwiderte der Professor mit Nachdruck. »Es ist in

der Tat eine seltsame Erscheinung. Von der Erde aus kann man dies nicht

erkennen, weil sich die beiden Kometen in einer Linie nähern, so daß der

eine immer den andern deckt. Auch mag der feurige Glanz die Beobachtung

erschweren. Genug, die Sache ist folgendermaßen: Einer dieser Kometen

besteht aus einem dunklen, massigen Körper, der gar kein Licht

verbreitet. In einiger Entfernung von ihm folgt dann die eigentliche

feurige Gasmasse.«

Mors zweifelte keinen Augenblick daran, daß van Halen richtig beobachtet

hatte.

»Und was geschieht, wenn die beiden Körper mit der Erde

zusammentreffen?« fragte er.

»Das Schlimmste,« erwiderte van Halen mit eisiger Ruhe. »Der feste,

massige dunkle Körper wird mit entsetzlicher Gewalt die Erde treffen und

natürlich eine grauenvolle Katastrophe hervorrufen. Dann folgt der

zweite Komet, die feurige Gasmasse, welche die Luft der Erde, vor allen

Dingen den zum Leben unbedingt notwendigen Sauerstoff aufsaugt. Sollte

dann von der ersten Katastrophe noch Leben übrig sein, wird dasselbe

nach der zweiten Katastrophe sicher verlöschen.«

Mors blieb ganz ruhig.

»Und wird der Zusammenstoß unabwendbar sein?« fragte der Luftpirat.

»Das kann ich erst sehen, wenn wir oben anlangen,« erwiderte der

Professor. »Ich muß erst wissen, wie die Wechselwirkungen sind, in der

diese Körper zueinander stehen. Und da sage ich, daß noch eine leise

Hoffnung übrig ist, eine geringe Hoffnung, daß das Unheil noch einmal an

der Erde vorübergeht. Aber das wird sich da unten auf der Erde

entscheiden.«

»Es ist ganz so, wie ich mir gedacht,« erwiderte Mors. »Damit habe ich

von Anfang an gerechnet. Also wollen wir so schnell wie möglich den

Kometen zu erreichen suchen. Und das wird am vierzehnten Tage unserer

Fahrt geschehen. Vorwärts!«

Das war das einzige Gespräch, welches die beiden Männer über die Zukunft

führten. Von diesem Zeitpunkte an redeten sie nicht mehr über das

bevorstehende Geschick, sondern widmeten sich einzig und allein ihren

Arbeiten.

Mors befand sich meist im Lenkraum, während der Professor bei seinen

geliebten Instrumenten verweilte.

Die Fahrt selbst ging schnell und ohne Hindernis vor sich. Man kam dem

rätselhaften Weltenkörper von Tag zu Tag näher.

Immer furchtbarer, immer drohender war der Anblick dieses Doppelkometen.

Er schien allmählich einen großen Teil des Firmamentes zu bedecken.

Ein jeder andere hätte sich besonnen, die Fahrt fortzusetzen, denn man

wußte ja gar nicht, welche Gefahren in der Nähe der Kometen drohten.

Aber Mors war nicht der Mann, der sein Unternehmen aufgab. Er setzte

seine Reise fort. Mit unverminderter Geschwindigkeit sauste der »Meteor«

durch den Weltenraum dahin und näherte sich immer mehr und mehr den

Riesen-Kometen, diesen schwebenden Vernichtern, die von der

entgegengesetzten Seite kommend, gleichfalls mit großer Geschwindigkeit

der Erdenbahn zustrebten.

4. Kapitel.

Die Katastrophe.

Tag um Tag verging, Nacht um Nacht, wenn man hier im Weltenraum

überhaupt von Tag und Nacht sprechen konnte.

Der Professor hatte übrigens recht, denn eine dunkle Masse flog dem

eigentlichen Feuerkometen voran, ein Weltenkörper, den sogar nach den

Berechnungen und Beobachtungen des Astronomen eine Lufthülle umgab.

Es war dies ein neues Geheimnis der unerschöpflichen Natur, und der

Professor erging sich in allerhand Vermutungen.

Er sprach davon, daß die Kometen möglicherweise die Welten der Zukunft

sein müßten, und daß sich nach der Vernichtung der Planetenwelten ein

neues Leben auf diesen Himmelswanderern entwickeln könnte.

Das waren allerdings nur Hypothesen, aber sie hatten viel

Wahrscheinlichkeit für sich, war doch Professor van Halen einer der

geistvollsten aller Gelehrten.

Die Zeit verging, es kam der zwölfte Tag, der dreizehnte, der

vierzehnte.

Die Beobachtungen waren genau, der »Meteor« näherte sich dem dunklen

Weltenkörper.

»Wir können unbesorgt landen,« sprach der Professor am Mittag des

vierzehnten Tages. »Nach meinen Beobachtungen ist die Luft, die diesen

dunklen Körper umgibt, zu atmen. Es scheint sich sogar Wasser auf ihm zu

befinden, da ich Spuren von Wasserdampf entdeckte. Vor dem zweiten, dem

eigentlichen Kometen sind wir vorerst sicher, denn dieser ist von dem

dunklen Weltkörper wenigstens tausend Meilen entfernt. Das hat man von

der Erde aus nicht bemerkt, weil die beiden Himmelskörper hintereinander

standen.«

Mors stimmte dem Professor zu.

Eine Landung war nötig, denn van Halen behauptete, daß man nur bei einer

Landung Gewißheit über das Schicksal der Erde erlangen könnte.

Er gab jetzt den Befehl, die Geschwindigkeit des »Meteor« zu mäßigen,

und nach wenigen Stunden schwebte das riesige Fahrzeug bereits in der

Luftschicht des neuen Weltkörpers.

Der Anblick desselben war allerdings trostlos.

Er mochte halb so groß sein wie der Mond und schien ganz aus einer

ungeheuren Steinmasse zu bestehen.

Hier und da gewahrte man freilich Spuren von Wasser, auch sah man einige

Sandwüsten, aber der größte Teil dieser neuen Welt war Stein, rauhe

wilde Felsen, denen jede Vegetation zu mangeln schien. Allerdings

mochten Moose und Flechten hier und da diese starren Felsen bedecken,

aber das ganze war doch ein Bild des Todes.

Das war also auch ein Komet, und der Professor meinte, daß dieser

Weltkörper der sogenannte Kern eines ehemaligen gigantischen Kometen

gewesen sei, und daß also gewissermaßen eine Trennung zwischen der

Feuergashülle und dem Kern stattgefunden hätte. Solche Teilung von

Kometen war schon in früheren Jahrzehnten beobachtet worden.

Mors schöpfte aus diesen Mitteilungen neue Hoffnung für das Schicksal

der Erde. Vielleicht fand durch diese Teilung eine Umwälzung statt, so

daß die Vernichter die Erdenbahn früher oder später durchkreuzten. Van

Halen zuckte freilich die Achseln und meinte, es sei noch immer wenig

Hoffnung vorhanden, die Entscheidung konnte also erst nach der Landung

fallen.

Wenige Stunden später berührte der »Meteor« einen von Mors mittels des

Fernglases ausgesuchten Landeplatz. Es war noch die am meisten

ansprechende Gegend dieser neuen Welt, nämlich eine kleine Sandwüste.

Zur Linken und zur Rechten sah man die Klippen emporsteigen, die

weiterhin ein wahres Felsenlabyrinth bildeten.

Alles ging nach Wunsch. Der »Meteor« berührte sanft den Boden der neuen

Welt, und die Luft erwies sich, wenn auch dünn und etwas absonderlich

wirkend, doch immerhin als zum Atmen geeignet. Natürlich war diese Luft

sehr klar, weil das Wasser beinahe ganz fehlte, jedoch war das Aussehen

dieses Luftmeeres höchst unheimlich. Hier war nichts von jenem schönen

Blau zu sehen, welches der irdischen Luft an schönen Tagen ein so

unbeschreiblich reizvolles Aussehen verleiht. Dafür sorgte schon die

Feuermasse des zweiten Kometen. Der gab eine schreckliche Beleuchtung,

und es schien, als ob die Luft hier glühte. Sie war bald dunkelrot, bald

violett, bald schwefelgelb gefärbt, so daß man meinte, sich in der Hölle

zu befinden.

Kapitän Mors' Gefährten aber betrachteten diese Naturwunder ohne

Schrecken. Sie waren schon durch ihre vielen Fahrten mit dem Luftpiraten

an die seltsamsten Dinge gewöhnt, nichts in der Welt konnte ihr

Vertrauen für ihren geliebten Gebieter erschüttern.

Der Professor überzeugte sich zunächst, daß die Luft geatmet werden

konnte, und ließ dann eiligst seine Beobachtungsinstrumente auf ein paar

nahe Felsen schaffen.

Es war dies nötig, weil der Metallkörper des Fahrzeugs oftmals störte,

namentlich bei magnetischen Messungen.

»Nun muß es sich ja bald entscheiden,« sprach der Professor, ehe er sich

nach seinem neu eingerichteten Observatorium begab. »In vierundzwanzig

Stunden kann ich sagen, ob die Erde erhalten bleibt oder nicht, dann

wird die Entscheidung fallen.«

Van Halen nahm ein paar Inder mit, die er in der Handhabung der

Instrumente unterwiesen hatte. Die übrigen blieben beim Weltenfahrzeug.

Wieder vergingen die Stunden. Mors ahnte nicht, daß da vorn an dem

Apparat zur Luftzufuhr ein seltsames Uhrwerk tickte, daß diese Uhr

unablässig ihren Lauf fortsetzte. Stunde auf Stunde verging, und jetzt

war der fünfzehnte Tag zu Ende.

Mors befand sich gerade mit Terror im Lenkraum, als er plötzlich zu

Boden stürzte.

Auch Terror lag im selben Moment auf dem Boden, während das

Weltenfahrzeug von einer ungeheuren Gewalt emporgehoben wurde. Es schien

gerade, als hätte ein Riese das Fahrzeug gepackt und mit einem Ruck in

die Höhe geschleudert. Dann schwankte es zweimal hin und her und zu

gleicher Zeit hörte man ein dumpfes, unheilverkündendes Prasseln. Im Nu

erhob sich der Luftpirat vom Boden. Er hörte die Inder vorn schreien, er

vernahm, wie sie nach ihm riefen, wie sie seinen Namen nannten.

»Rasch, rasch, Terror,« schrie er seinem halbbetäubten Gefährten zu.

»Hinaus, da ist ein Unglück geschehen.«

Die beiden Männer stürzten durch die Räume nach der Ausgangstür, ihnen

folgten die Inder, welche durch den furchtbaren Stoß in alle Ecken

geschleudert worden waren.

Mors war der erste, der das Freie erreichte und an dem Metallkörper des

gigantischen Fahrzeuges entlanglief. Er eilte nach dem Vorderteil des

»Meteor«, denn von dort war der Stoß gekommen. Mors stieß einen leisen

Schrei aus, als er die Spitze des Fahrzeugs sehen konnte. Ja, ein

Unglück war geschehen. Dort klaffte eine furchtbare Bresche.

»Eine Explosion,« schrieen die Inder. »Die flüssige Luft hat ihre

Behälter zertrümmert!«

»Nein,« erwiderte Mors mit Stentorstimme. »Da ist etwas anderes

geschehen. Diese Bresche kann nur ein moderner Sprengstoff geschlagen

haben. Das ist kein Unfall, der aus der Konstruktion des Fahrzeuges

herrührt. Nein, nein, hier ist Verrat im Spiele. Das Fahrzeug ist

absichtlich beschädigt worden.«

Der »Meteor« sah aus, als ob ihn ein Torpedo getroffen hätte. Die

metallenen Platten, aus denen der Außenrumpf bestand, waren im

Vorderteil zersprengt und ein gewaltiges Loch in den Rumpf des

Weltenfahrzeuges geschlagen worden.

Mors heftete jetzt seine Augen auf die Inder.

»Das ist eine Höllenmaschine,« klang seine Stimme. »Ich wiederhole es,

der durchdringende Dunst, den wir alle spüren, rührt von einem

Sprengstoff her. Es ist schmählicher Verrat. Diese Katastrophe ist mit

Absicht herbeigeführt worden.«

Vor ihm standen die Inder. Die treuen Männer kreuzten die Arme über der

Brust und erwiderten fest und sicher den furchtbaren Blick ihres

Gebieters. Die Prüfung dauerte mehrere Minuten, dann hob Mors seine

Rechte.

»Ihr habt ein reines Gewissen,« sprach der Luftpirat. »Ihr habt jenen

Frevel nicht begangen. Ich weiß nicht, wer es getan hat. Aber ich

wiederhole nochmals, es war Absicht, es war auf die Zerstörung des

»Meteor« abgesehen. Befanden wir uns noch im Weltraum, als die Explosion

stattfand, so waren wir verloren. Jetzt gilt es, die Beschädigungen so

rasch als möglich auszubessern. Nach der Rückkehr auf unsere Insel werde

ich den Täter ermitteln. Vorwärts, Leute, wir haben alle Materialien zur

Ausbesserung des Schadens an Bord. Die Zerstörung ist geschehen, aber

wir werden das Leck wieder schließen. An die Arbeit, ich werde Euch

helfen!«

Der Professor war mit seinen beiden Gehilfen von den Felsen

herabgekommen und betrachtete das Geschehene.

Seine beiden Leute kamen bei dem heimtückischen Anschlag nicht in

Betracht, denn sie gehörten zu Mors' getreuesten und ältesten Veteranen.

Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 66: Das Weltenfahrzeug zwischen den Riesen-Kometen · 第 1 / 3 段