VIII.

Es giebt kein himmlischeres Gefühl, als mit der Hoffnung eines Glückes

erwachen. Hell und freundlich, ein ganzes kleines Leben, liegt der Tag

vor uns da. Mit sehnender, lieblicher Unruhe tritt man rasch und freudig

hinein, und jede kommende Stunde windet eine neue Blume in den schwellenden

Freudenkranz, bis endlich die schönste erscheint, in der _seine_ Nähe das

überglückliche Wesen mit all ihrem Zauber ergreift. Wie erwartete ich den

Nachmittag mit Sehnsucht: kein Augenblick verging, ohne das Bild dieser

Stunde, ohne sein Bild! Bei jedem Wagen, der vorfuhr, bei jedem Tritt im

Vorgemach, zuckte ein süßes Bangen durch meine Glieder, und fesselte den

Athem in meiner Brust. Und als er kam! wie stürmte mein Herz, wie rang mein

Bewußtseyn, wie war ich überwältigt von aller Liebe.

Und Julie empfing ihn kalt, und höflich wie jeden Fremden. Ihre Kälte

gab mir Besonnenheit. Es giebt Gemüther, die auch nichts ergreift! nie

überschreiten sie die Grenzen des Anstandes, und selbst das Herz treibt sie

nicht darüber hinaus.

Er saß mir gegenüber, ich hörte seine Stimme, und wie ein mächtiger Strom

ergriff mich ihr Umfang, ihre Gewalt. Die Gedanken schienen mir größer,

kühner die Bilder, von seinen Tönen getragen. Seine Gestalt, wie erhaben!

welche Glut auf seinen Wangen, seinen Lippen! Fest stand er, als sei die

Erde sein Gebiet, das Haupt wiegte sich auf dem geschwungnen Halse, kühn

und frei strebten die Augenbraunen über die großen Feuerblicke. Ich konnte

mich nicht losreissen von dem Zauber der Hoheit; ich wollte sprechen,

allein mir fehlte die Luft; und ein flüchtiges Roth, flog bei jedem

einzelnen Wort, das ich sagte, ich fühlt' es, flammend über mein Gesicht.

Schweigend staunte ich ihn an, wie man dem Fluge des Adlers in den Wolken

aus tiefem Thale nachschaut. Und als er fort war, -- o welche Unruh,

welches Treiben.

Heloise : ein kleiner Roman · 第 9 / 48 题