Es giebt kein himmlischeres Gefühl, als mit der Hoffnung eines Glückes
erwachen. Hell und freundlich, ein ganzes kleines Leben, liegt der Tag
vor uns da. Mit sehnender, lieblicher Unruhe tritt man rasch und freudig
hinein, und jede kommende Stunde windet eine neue Blume in den schwellenden
Freudenkranz, bis endlich die schönste erscheint, in der _seine_ Nähe das
überglückliche Wesen mit all ihrem Zauber ergreift. Wie erwartete ich den
Nachmittag mit Sehnsucht: kein Augenblick verging, ohne das Bild dieser
Stunde, ohne sein Bild! Bei jedem Wagen, der vorfuhr, bei jedem Tritt im
Vorgemach, zuckte ein süßes Bangen durch meine Glieder, und fesselte den
Athem in meiner Brust. Und als er kam! wie stürmte mein Herz, wie rang mein
Bewußtseyn, wie war ich überwältigt von aller Liebe.
Und Julie empfing ihn kalt, und höflich wie jeden Fremden. Ihre Kälte
gab mir Besonnenheit. Es giebt Gemüther, die auch nichts ergreift! nie
überschreiten sie die Grenzen des Anstandes, und selbst das Herz treibt sie
nicht darüber hinaus.
Er saß mir gegenüber, ich hörte seine Stimme, und wie ein mächtiger Strom
ergriff mich ihr Umfang, ihre Gewalt. Die Gedanken schienen mir größer,
kühner die Bilder, von seinen Tönen getragen. Seine Gestalt, wie erhaben!
welche Glut auf seinen Wangen, seinen Lippen! Fest stand er, als sei die
Erde sein Gebiet, das Haupt wiegte sich auf dem geschwungnen Halse, kühn
und frei strebten die Augenbraunen über die großen Feuerblicke. Ich konnte
mich nicht losreissen von dem Zauber der Hoheit; ich wollte sprechen,
allein mir fehlte die Luft; und ein flüchtiges Roth, flog bei jedem
einzelnen Wort, das ich sagte, ich fühlt' es, flammend über mein Gesicht.
Schweigend staunte ich ihn an, wie man dem Fluge des Adlers in den Wolken
aus tiefem Thale nachschaut. Und als er fort war, -- o welche Unruh,
welches Treiben.