Zusammen gränzen, und in kurzer Fahrt

(Zu Stauffacher.)

Trägt euch der leichte Kahn von Schwytz herüber.

Auf öden Pfaden können wir dahin

Bei Nachtzeit wandern und uns still berathen,

Dahin mag Jeder zehn vertraute Männer

Mitbringen, die herzeinig sind mit uns,

So können wir gemeinsam das Gemeine

Besprechen und mit Gott es frisch beschließen.

=Stauffacher.=

So sey’s. Jetzt reicht mir eure biedre Rechte,

Reicht ihr die eure her, und so wie wir

+Drei Männer+ jetzo, unter uns die Hände

Zusammenflechten, redlich ohne Falsch,

So wollen wir +drei Länder+ auch, zu Schutz

Und Trutz zusammenstehn auf Tod und Leben.

=Walther Fürst= und =Melchthal=.

Auf Tod und Leben.

(Sie halten die Hände noch einige Pausen lang zusammengeflochten

und schweigen.)

=Melchthal.=

Blinder, alter Vater,

Du kannst den Tag der Freiheit nicht mehr +schauen+;

Du sollst ihn +hören+ -- Wenn von Alp zu Alp

Die Feuerzeichen flammend sich erheben,

Die festen Schlösser der Tyrannen fallen,

In deine Hütte soll der Schweizer wallen,

Zu deinem Ohr die Freudenkunde tragen,

Und hell in deiner Nacht soll es dir tagen!

(Sie gehen auseinander.)

Zweiter Aufzug.

Erste Scene.

+Edelhof des Freiherrn von Attinghausen.+

Ein gothischer Saal, mit Wappenschildern und Helmen verziert.

=Der Freiherr=, ein Greis von fünfundachtzig Jahren, von hoher

edler Statur, an einem Stabe, worauf ein Gemsenhorn, und in ein

Pelzwams gekleidet. =Kuoni= und noch =sechs Knechte=

stehen um ihn her mit Rechen und Sensen. -- =Ulrich von

Rudenz= tritt ein in Ritterkleidung.

=Rudenz.=

Hier bin ich, Oheim -- Was ist euer Wille?

=Attinghausen.=

Erlaubt, daß ich nach altem Hausgebrauch

Den Frühtrunk erst mit meinen Knechten theile.

(Er trinkt aus einem Becher, der dann in der Reihe herumgeht.)

Sonst war ich selber mit in Feld und Wald,

Mit meinem Auge ihren Fleiß regierend,

Wie sie mein Banner führte in der Schlacht;

Jetzt kann ich nichts mehr als den Schaffner machen,

Und, kommt die warme Sonne nicht zu mir,

Ich kann sie nicht mehr suchen auf den Bergen.

Und so, in engerm stets und engerm Kreis,

Beweg’ ich mich dem engesten und letzten,

Wo alles Leben still steht, langsam zu.

Mein Schatten bin ich nur, bald nur mein Name.

=Kuoni= (zu Rudenz mit dem Becher).

Ich bring’s euch, Junker.

(Da Rudenz zaudert, den Becher zu nehmen.)

Trinket frisch! Es geht

Aus +einem+ Becher und aus +einem+ Herzen.

=Attinghausen.=

Geht, Kinder, und wenn’s Feierabend ist,

Dann reden wir auch von des Lands Geschäften.

(Knechte gehen ab.)

=Attinghausen= und =Rudenz=.

=Attinghausen.=

Ich sehe dich gegürtet und gerüstet,

Du willst nach Altorf in die Herrenburg?

=Rudenz.=

Wilhelm Tell(#77182) · 第 8 / 18 题