II. Das Herstellen der Präparate.

Einleitung.

Die wenigsten Organe des tierischen Körpers sind so beschaffen, daß

sie ohne weiteres der mikroskopischen Untersuchung zugänglich sind.

Sie müssen einen gewissen Grad von Durchsichtigkeit besitzen, den

wir dadurch erreichen, daß wir die Organe entweder in ihre Elemente

zerteilen, die Elemente ~isolieren~, oder in dünne Schnitte zerlegen,

~schneiden~. Nun haben aber wiederum die wenigsten Organe eine

Konsistenz, welche sofortiges Anfertigen genügend feiner Schnitte

gestattet; sie sind entweder zu weich, dann muß man sie ~härten~,

oder zu hart (verkalkt), dann muß man sie ~entkalken~. ~Härten~ und

~Entkalken~ kann jedoch nicht an frischen Objekten vorgenommen werden,

ohne deren Struktur zu schädigen; es muß demnach beiden Prozeduren ein

Verfahren vorausgehen, welches eine rasche Erstarrung und damit eine

Festigung der kleinsten Teilchen ermöglicht; dieses Verfahren nennt

man ~fixieren~. Das Anfertigen feiner Schnitte ist demnach meist nur

nach vorausgegangener Fixierung und Härtung (eventuell nachfolgender

Entkalkung) des betreffenden Objektes möglich. Aber auch die Schnitte

beanspruchen noch weitere Behandlung; sie können entweder sofort

durchsichtig gemacht werden, durch ~Aufhellungs~mittel, welche auch mit

Erfolg bei frisch untersuchten Objekten angewendet werden, oder sie

können vor der Aufhellung ~gefärbt~ werden. Die Farbstoffe sind für

die mikroskopische Untersuchung unschätzbare Hilfsmittel; sie lassen

sich auch auf frische, ja selbst auf lebende Organe applizieren; eine

große Zahl der wichtigsten Tatsachen ist nur mit Hilfe der Farbstoffe

aufgedeckt worden. In die Gefäße eingespritzt, ~injiziert~, lehren sie

uns die Verteilung und den Verlauf der feinsten Verzweigungen derselben

kennen.

§ 1. Beschaffenheit des Materials.

Für Studien über die Formelemente und die einfachsten Gewebe sind

Amphibien: Frösche, Molche (am besten der gefleckte Salamander, dessen

Elemente sehr groß sind) zu empfehlen, für Studien der Organe dagegen

nehme man Säugetiere. Für viele Fälle genügen hier unsere Nagetiere

(Kaninchen, Meerschweinchen, Ratte, Maus), ferner junge Hunde, Katzen

usw. Doch versäume man keine Gelegenheit, die Organe des Menschen sich

zu verschaffen. Vollständig frisches Material ist in chirurgischen

Kliniken zu haben; im Winter sind viele Teile selbst vor 2-3 Tagen

Verstorbener noch brauchbar.

Im allgemeinen empfiehlt es sich, die Organe lebenswarm einzulegen.

Um möglichst rasch dieser Aufgabe sich zu entledigen, ist es geboten,

~zuerst~ die zur Aufnahme der Objekte bestimmten Gläser mit der

betreffenden Flüssigkeit zu füllen und mit einer Objekt, Flüssigkeit

und Datum (eventuell Stunde) anzeigenden Etikette zu versehen;

~danach~ lege man die zur Sektion nötigen Instrumente (das anatomische

Präparierbesteck) zurecht und ~dann~ erst töte man das Tier. Dem

lebenden Tiere Teile zu entnehmen, ist eine nutzlose Grausamkeit.

§ 2. Töten und Sezieren der Tiere.

Amphibien durchschneide man mit einer starken Schere die

Halswirbelsäule und zerstöre Hirn und Rückenmark vermittelst einer von

der Wunde aus in die Schädelhöhle bzw. in den Wirbelkanal eingestoßenen

Nadel. Säugetieren durchschneide man den Hals mit einem kräftigen,

bis zur Halswirbelsäule reichenden Schnitt oder man töte sie mit

Chloroform, das man auf ein Tuch gießt und so den Tieren vor die Nase

drückt. Kleine, bis 4 cm große Tiere, Embryonen, können im ganzen in

die Fixierungsflüssigkeit geworfen werden. Nach ca. 6 Stunden öffne man

diesen die Bauch- und Brusthöhle durch Einschnitte. Bei der Sektion

halte womöglich ein Gehilfe die Extremitäten; kleine Tiere kann man

mit starken Stecknadeln an den Fußflächen auf Kork- oder Wachsplatten

spannen. Die Organe müssen sauber herauspräpariert werden (am besten

mit Pinzette und Schere), Quetschen und Drücken der Teile, Anfassen

mit den Fingern ist vollkommen zu vermeiden. Die Pinzette darf ~nur

am Rande~ der Objekte eingreifen; anhängende Verunreinigungen,

Schleim, Blut, Darminhalt dürfen nicht mit dem Skalpell abgekratzt

werden, sondern sind durch langsames Schwenken in der betreffenden

Fixationsflüssigkeit oder in Ringerscher Lösung (s. S. 4) zu entfernen.

Methoden.

Bei den im folgenden angegebenen Methoden ist es nicht zu vermeiden,

daß Scheren, Pinzetten, Nadeln, Glasstäbe usw. mit den verschiedensten

Flüssigkeiten, z. B. Säuren, benetzt werden. Man reinige die

Instrumente ~sofort~ nach dem Gebrauche durch Abspülen in Wasser und

Abtrocknen. Vor allem vermeide man, einen z. B. mit einer Säure oder

mit einem Farbstoff benetzten Glasstab in eine andere Flüssigkeit zu

tauchen. Abgesehen davon, daß die Reagenzien dadurch verdorben werden,

wird oft das Gelingen der Präparate hierdurch gänzlich vereitelt.

Gläser, Uhrschalen usw. sind leicht zu reinigen, wenn dies sofort nach

der Benützung geschieht; läßt man dagegen z. B. einen Farbstoffrest in

einem Glase antrocknen, so ist das Reinigen immer sehr zeitraubend.

Man versäume also nie, auch die Gläser ~sofort~ nach dem Gebrauche zu

reinigen; Uhrschalen werfe man wenigstens in eine Schüssel mit Wasser.

Alle Gefäße, in denen man isoliert, fixiert, härtet, färbt usw., müssen

geschlossen gehalten (Uhrschalen decke man mit einer zweiten Uhrschale

zu, wenn die Manipulationsdauer 10 Minuten übersteigt), und dürfen

nicht in die Sonne gestellt werden.

§ 3. Isolieren.

Man isoliert entweder durch Zerzupfen der frischen Objekte oder nach

vorhergehender Behandlung der Objekte mit lösenden Flüssigkeiten,

welche ein Zerzupfen ganz oder teilweise unnötig machen. Es gehört

zu den schwierigen Aufgaben, ein gutes Zupfpräparat anzufertigen.

Viel Geduld und genaue Erfüllung nachstehender Vorschriften sind

unerläßlich. Die Nadeln müssen spitz und ganz rein sein; man spitze

und poliere sie zuvor auf dem angefeuchteten Schleifsteine. Das

~kleine~ Objekt, von höchstens 4 mm Seite, wird nun in ~einen~ kleinen

Tropfen auf den Objektträger gelegt, und wird, wenn es farblos ist,

auf schwarzer, wenn es dunkel (etwa gefärbt) ist, auf weißer Unterlage

zerzupft. Ist das Objekt faserig (z. B. ein Muskelfaserbündel), so

setze man beide Nadeln an dem einen Ende des Bündels an und zerreiße

dasselbe der Länge nach in zwei Bündel; das eine dieser Bündel wird

auf dieselbe Weise, immer durch Ansetzen der Nadel an das ~Ende~,

wieder in zwei Bündel getrennt und so fort, bis ganz feine einzelne

Fasern erzielt sind. Durch Betrachtung des (unbedeckten) Präparates mit

schwacher Vergrößerung kann man kontrollieren, ob der nötige Grad von

Feinheit erreicht ist.

In wenig Flüssigkeit liegende, nicht mit einem Deckglase bedeckte

Präparate sehen oft unklar aus, zeigen schwarze Ränder usw.,

Fehler, die durch Zusatz eines hinreichend großen Tropfens und

durch ein Deckglas wieder ausgeglichen werden.

Als isolierende Flüssigkeiten sind zu empfehlen:

a) Für Epithelzellen

ist ~Ranvier~s Drittelalkohol (s. S. 4) ein ausgezeichnetes

Isolationsmittel. Man lege Stückchen von 5-10 mm Seite (z. B. der

Darmschleimhaut) in ein ~relativ geringes~ Quantum (ca. 10 ccm) dieser

Flüssigkeit ein. Nach 5 Stunden (bei geschichtetem Pflasterepithel

nach 10-24 Stunden und später) werden die Stückchen mit einer Pinzette

~vorsichtig~, ~langsam~ herausgehoben und ein paar Mal ~leicht~

auf einen Objektträger aufgestoßen, der mit ~einem~ Tropfen der

gleichen Flüssigkeit bedeckt ist. Durch das Aufstoßen fallen viele

Epithelzellen isoliert ab, manchmal ganze Fetzen, die man nur mit

der Nadel leicht umzurühren braucht, um eine vollkommene Isolation

zu erzielen. Nun lege man ein Deckglas auf (S. 44) und untersuche.

Will man das Objekt ~färben~, so bringe man die ~ganzen~ Stückchen

vorsichtig aus dem Alkohol in ca. 6 ccm Pikrokarmin (S. 8). Nach 2-4

Stunden wird das Stückchen sehr vorsichtig in ca. 5 ccm destilliertes

Wasser gelegt und nach fünf Minuten auf den Objektträger aufgestoßen,

der diesmal mit einem Tropfen verdünnten Glyzerins (30, S. 7) bedeckt

ist. Deckglas. Das Präparat kann konserviert werden.

b) Für Muskelfasern, Drüsen

eignet sich 35%ige Kalilauge (s. S. 7). Stückchen von 10-20 mm Seite

werden in 10-20 ccm dieser Flüssigkeit eingelegt; nach etwa einer

Stunde sind die Stückchen in ihre Elemente zerfallen, die mit Nadeln

oder einer Pipette herausgefischt und in einem Tropfen der gleichen

Kalilauge unter Deckglas betrachtet werden. Jedes Hervorquellen

der Kalilauge unter dem Deckglas ist streng zu vermeiden, da die

Metallfassung des Objektives dadurch in Gefahr kommt! Verdünnte

Kalilauge wirkt ganz anders; würde man die Elemente in einem Tropfen

Wasser betrachten wollen, so würden dieselben durch die nunmehr

verdünnte Lauge in kürzester Zeit zerstört werden. Gelingt die

Isolation nicht (statt dessen tritt zuweilen eine breiige Erweichung

der Stückchen ein), so ist die Kalilauge zu alt gewesen. Man wende

deshalb stets frisch bezogene Lösungen an. Auch die gelungenen

Präparate lassen sich nicht konservieren.

Ferner ist geeignet eine Mischung von chlorsaurem Kali und

Salpetersäure. Man bereite sich dieselbe, indem man in 20 ccm reine

Salpetersäure (S. 5) so viel chlorsaures Kali (ca. 5 g) wirft, daß ein

ungelöster Satz am Boden bleibt. Nach 1-6 Stunden (manchmal später)

ist das Objekt genügend gelockert und wird nun in 20 ccm destilliertes

Wasser übertragen, in dem es eine Stunde bleibt, aber ohne Schaden auch

8 Tage verweilen kann. Dann wird es auf den Objektträger übertragen,

wo es in einem Tropfen dünnen Glyzerins (30, S. 7) mit Leichtigkeit

zerzupft werden kann. Wenn die Salpetersäure gut ausgewaschen ist,

lassen sich die Präparate konservieren und auch unter dem Deckglase

färben (S. 47). Einlegen der noch nicht zerzupften Stückchen in

Pikrokarmin (s. die Isolation von Epithelzellen) gelingt nicht, da

diese Farbflüssigkeit die Objekte brüchig macht.

c) Für Drüsenkanälchen

ist vorzüglich das Einlegen kleiner Stücke (von ca. 1 cm Seite) in 10

ccm reine Salzsäure. Nach 10-20 Stunden werden die Stückchen in ca. 30

ccm destilliertes Wasser gebracht, das innerhalb 24 Stunden mehrmals

gewechselt werden muß. Die Isolation gelingt dann leicht durch

vorsichtiges Ausbreiten des Stückchens mit Nadeln in einem Tropfen

verdünntem Glyzerin. Die so hergestellten Präparate können konserviert

werden.

§ 4. Fixieren.

~Allgemeine Regeln.~ 1. Zum Fixieren muß stets ~reichliche~, das

Volum des zu fixierenden Objektes 50-100mal übertreffende Flüssigkeit

verwendet werden. 2. Die Flüssigkeit muß ~stets~ klar sein, sie

muß, ~sobald sie trübe~ geworden ist, gewechselt, d. h. durch

frische Flüssigkeit ersetzt werden. Die Trübung tritt oft schon eine

Stunde (oder früher) nach dem Einlegen ein. 3. Die zu fixierenden

Objekte sollen ~möglichst~ klein sein, im allgemeinen 1-2 ccm nicht

überschreiten. Das Zerkleinern der Stücke geschieht mit scharfem

Rasiermesser unter möglichster Vermeidung von Druck, bei weichen

Organen erst eine oder mehrere Stunden nach dem Einlegen in die

Fixierungsflüssigkeit, wenn die Stücke schon etwas fester geworden sind.

Sollte die Erhaltung des ganzen Objektes nötig sein (z. B.

zur nachherigen Orientierung), so mache man wenigstens viele

tiefe Einschnitte (5-10 Stunden nach dem ersten Einlegen) in

dasselbe. Die Objekte sollen nicht am Boden liegen, man hänge

sie entweder im Glase auf oder man bringe auf den Boden des

Gefäßes eine mehrere Zentimeter hohe Lage entfetteter Watte oder

Glaswolle; dadurch wird erreicht, daß die im Objekt enthaltene

Flüssigkeit zu Boden sinkt und die Fixierungsflüssigkeit rasch

und in voller Konzentration eindringt. Bei Warmblütern ist zu

empfehlen das halbstündige Einlegen in erwärmte (auf 39° C)

Fixierungsflüssigkeit. Kleine und zarte Objekte (z. B. Embryonen

-- 3 mm Länge) werden nur kürzere Zeit, z. B. in Zenker (S. 16)

nur eine Stunde fixiert.

1. ~Alkohol absolutus~ ist für Drüsen, Haut, Blutgefäße usw. sehr

geeignet. Er wirkt zugleich als Härtungsmittel. In absolutem Alkohol

eingelegte Objekte können schon nach 24 Stunden geschnitten werden.

Man schiebe die Verarbeitung der in absolutem Alkohol fixierten

Objekte nicht zu lange Zeit hinaus, da die Elemente doch

allmählich leiden; man schneide nach 3-5 Tagen. Will man die

Objekte noch weiter aufheben, so bringe man sie von da ab in

90%igen Alkohol. Schnitte von Objekten, die nur 24 Stunden in

absolutem Alkohol gelegen hatten, färben sich zuweilen schlecht.

Er eignet sich vorzugsweise zur raschen Herstellung von Präparaten.

Besonders zu beachten ist folgendes: 1. Der absolute Alkohol muß, auch

wenn er nicht getrübt ist, nach 3-4 Stunden gewechselt werden. 2. Man

vermeide, daß die eingelegten Objekte auf dem Boden des Glases fest

aufliegen oder gar festkleben: man hänge deshalb die Objekte entweder

an einem Faden im Alkohol auf, oder lege auf den Boden des Glases ein

Bäuschchen Watte.

Nicht absoluter (z. B. 90%iger) Alkohol wirkt ganz anders, schrumpfend

und kann deshalb nur für besondere Zwecke statt des absoluten Alkohols

verwendet werden.

2. ~Formol~ 10%ige Lösung (10 ccm Formol [S. 5] zu 90 ccm destilliertem

Wasser).

Die Objekte verweilen darin 48 Stunden,

kommen dann in Alkohol 96% mindestens 48 "

Diese Formolmischung wird vielfach beim Gebrauch des

Gefriermikrotoms verwendet. Die Objekte können Monate lang in

der Mischung verbleiben; vor dem Mikrotomieren schneide man eine

Scheibe von ca. 5 mm Dicke von dem Objekt und lege sie 24 Stunden

lang in Wasser. Dann ohne Alkoholhärtung Aufsetzen auf das

Mikrotom (s. S. 21.)

Formol wirkt ähnlich wie Osmiumlösungen[17].

Stärkere (25-50%ige) Lösungen sind zwar ein gutes Mittel für

Erhaltung von Zellstrukturen, machen aber das Bindegewebe sehr

hart.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 32 / 286 题