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Vorwort zur ersten Auflage.

Vorliegendes Buch ist bestimmt, durch Anleitung zu mikroskopischen

Präparierübungen den Studierenden in Stand zu setzen, auch hier von dem

wichtigsten Lernmittel der Anatomie, dem Präparieren und dem Studium

des Präparates, erfolgreichen Gebrauch zu machen.

Bei der Abfassung der technischen Vorschriften bin ich von der

Voraussetzung ausgegangen, daß der Studierende durch den Besuch eines

mikroskopischen Kursus mit den einzelnen Bestandteilen des Mikroskopes

und den einfachen Handhabungen desselben bekannt ist. Derartige

Kenntnisse lassen sich mühelos durch direkte Unterweisung, schwer aber

und auf weiten Umwegen durch schriftliche Anleitung aneignen.

Bei der Auswahl aus dem reichen Schatze der mikroskopischen Methoden

habe ich mich nur auf die Angabe einer möglichst kurzen Reihe möglichst

einfacher Hilfsmittel beschränkt. Der Studierende wird durch die stets

wiederholte Anwendung immer derselben, genau vorgeschriebenen Methoden

nicht nur rasch lernen, diese vollkommen zu beherrschen, sondern auch

bald imstande sein, nach anderen in diesem Buche nicht angegebenen,

nicht so genauen Vorschriften zu arbeiten. Aus diesem Grunde habe ich

auf die Empfehlung vieler, selbst trefflicher Methoden verzichtet.

Die Handhabung des Mikrotoms glaubte ich vollkommen aus einer Technik

für Studierende verbannen zu müssen. So unschätzbar dieses Instrument

in mikroskopischen Laboratorien ist, für unsere Zwecke hier ist ein

Mikrotom ganz entbehrlich; ein scharfes Rasiermesser leistet dieselben,

ja noch bessere Dienste, da es nicht die zeitraubenden Vorbereitungen

erfordert, wie das Mikrotom. Wer aber gelernt hat, mit einem

Rasiermesser gute Schnitte zu machen, der wird auch dann, wenn ihm ein

Mikrotom zur Verfügung steht, sich desselben nur im Notfalle bedienen.

Wer gute Präparate anfertigen will, muß schon vorher Kenntnis der

anatomischen Tatsachen besitzen. Ich habe deswegen einen kurzen Abriß

der gesamten mikroskopischen Anatomie des Menschen beigefügt und

denselben mit zahlreichen Abbildungen versehen. Auf die Anfertigung

der Abbildungen habe ich eine ganz besondere Sorgfalt verwendet;

sind sie ja doch nicht nur zur Erläuterung des Textes, sondern auch

als Wegweiser beim Mikroskopieren die wertvollsten Hilfsmittel.

Sämtliche Figuren sind nach Präparaten[1] gezeichnet, welche nach

den hier angegebenen Methoden von mir angefertigt worden sind.

Alle Zeichungen sind mit Hilfe von Zeichenapparaten bei stets

gleicher Höhe des Zeichentisches aufgenommen worden, können also

bei Messungen miteinander verglichen werden[2]. Ich habe mich dabei

bestrebt, die Objekte in möglichster Treue wiederzugeben. Die beliebte

Methode, Objekte bei schwachen Vergrößerungen zu zeichnen und die

Details mit Hilfe starker Vergrößerungen nachzutragen, sowie das

»Halbschematisieren« habe ich vermieden. Solche Abbildungen mögen in

anderen Lehrbüchern Platz finden; hier, wo es sich darum handelt,

dem Mikroskopierenden zu zeigen, wie ein Objekt bei einer bestimmten

Vergrößerung wirklich aussieht, würde die Anwendung derartiger Figuren

zu Irrungen führen. Der Anfänger neigt ohnehin zu der unmöglichen

Anforderung, daß ein Präparat alles zeigen soll. Viele Figuren

würden schöner sein, wenn ich sie in größeren Dimensionen ausgeführt

hätte; allein ich habe das absichtlich unterlassen; einmal, weil ich

dem von Anfängern so beliebten vorwiegenden Gebrauch der stärkeren

Vergrößerungen nicht Vorschub leisten wollte, und zweitens, weil

ich dem Mikroskopierenden zeigen möchte, daß oft kleine Bezirke

eines Präparates hinreichen, um sich über den Bau eines Organes zu

unterrichten.

In Rücksicht darauf, daß dem Studierenden nur selten Mikroskope zu

Gebote stehen, welche eine stärkere als 600fache Vergrößerung liefern,

habe ich unterlassen, mit sehr starken Objektiven untersuchte Präparate

zu zeichnen. Die Vergrößerungen 50-100 entsprechen den gewöhnlichen

Mikroskopen beigegebenen schwächeren Objektiven, die Vergrößerungen

240-560 den stärkeren Objektiven mit eingeschobenem oder mehr oder

weniger ausgezogenem Tubus und schwachem oder mittlerem Okulare[3].

Für Vergrößerungen unter 50 nehme man teils Lupen[4], teils schwache

Objektive, die man auch durch Auseinanderschrauben des schwächeren

Objektives (3 bei Leitz, 4 bei Hartnack) herstellen kann[5].

Literaturnachweise habe ich dem Texte nicht beigefügt; sie würden,

wenn sie in brauchbarer Form gegeben worden wären, den Umfang des

Buches über Gebühr ausgedehnt haben. Wer sich in dieser Hinsicht

weiter unterrichten will, der möge außer den ~Hofmann-Schwalbe~schen

(früher ~Henle-Meissner~schen) Jahresberichten die Lehrbücher von

~Koelliker~[6], ~Schwalbe~[7] und ~Stricker~[8] zu Rate ziehen.

Für technische Angaben sei ganz besonders ~Ranviers~ treffliches

technisches Lehrbuch der Histologie[9] empfohlen. Wertvolles findet

sich endlich in der Zeitschrift für wissenschaftliche Mikroskopie und

für mikroskopische Technik.

* * * * *

Meinem Verleger, Herrn ~Gustav Fischer~, sei hier mein ganz

besonderer Dank ausgesprochen für die der Ausstattung des Buches

zugewendete Sorgfalt, sowie für die Liberalität, welche mir die

Beifügung so zahlreicher, aus der bekannten Anstalt von ~Tegetmeyer~

hervorgegangener Holzschnitte ermöglichte.

~Würzburg~, im September 1886.

¡Philipp Stöhr.¡

Fußnoten:

[1] Ich habe, wo immer nur möglich, zu den Organpräparaten Teile des

menschlichen Körpers benützt; aus diesem Grunde habe ich auch ein

von Hans ~Virchow~ hergestelltes Retinapräparat (Fig. 319) und ein

Nebennierenpräparat ~Gottschaus~ (Fig. 252) abgebildet. Sämtliche

Maßangaben betreffen Teile des Menschen.

[2] Die Präparate sind nicht nur z. B. bei 50 usw. facher Vergrößerung

gezeichnet, sondern auch in der Tat 50fach vergrößert.

[3] In den den neuen Mikroskopen von Leitz beigegebenen Tabellen sind

sämtliche Zahlen etwas höher als die meinen Zeichnungen beigefügten

Werte. Der Grund liegt darin, daß ich bei der Anwendung der

Zeichenapparate ein Okular benützt habe, das schwächer ist, als Okular

1 Leitz.

[4] Statt der Lupe kann man sich bei fertigen Präparaten auch

eines der Okulare bedienen. Man setzt das Okular mit der oberen

(sogenannten Okular-Linse) auf die Rückseite des gegen das Licht

gehaltenen Objektträgers und betrachtet von der unteren (sogenannten

Kollektiv-)Linse des Okulars aus.

[5] Dadurch wird eine ca. 20-40fache Vergrößerung erzielt. Man vergesse

nicht bei solchen Vergrößerungen den Planspiegel anzuwenden.

[6] Mikroskopische Anatomie. Zweiter Band 1850-52 und Handbuch der

Gewebelehre des Menschen. Leipzig 1867.

[7] Lehrbuch der Anatomie von ~Hofmann-Schwalbe~. 2. Band, zweite und

dritte Abteilung.

[8] Handbuch der Lehre von den Geweben. 1872.

[9] Übersetzt von ~Nicati~ und ~v. Wyss~. Leipzig 1877.

Vorwort zur vierzehnten Auflage.

Es war noch kein Jahr seit dem Erscheinen der letzten Auflage

verflossen, da trat schon wieder die Notwendigkeit der Bearbeitung

einer neuen, vierzehnten Auflage an mich heran. Der kurze Zeitraum

erklärt die Gestaltung des neuen Buches. Mit Ausnahme des Kapitels

»Blut« haben durchgreifende große Änderungen nicht stattgefunden.

Kleine Verbesserungen wird dagegen der aufmerksame Leser fast in

allen Kapiteln wieder finden. Auch die Zahl der neuen Abbildungen

ist nur eine kleine; ein Teil davon sucht durch verschiedene, den

natürlichen Verhältnissen entsprechende Farbengebung Klarheit zu

bringen. Meine Absicht, eine größere Anzahl von Figuren durch mehrfache

Färbung übersichtlicher zu machen, ist durch die Dringlichkeit der

Neubearbeitung vereitelt worden. Zwei neue Figuren 150 und 151 sind

naturgetreue Abbildungen von Präparaten, welche ich der Freundlichkeit

des Herrn Kollegen ~L. R. Müller~ in Augsburg verdanke. Das gleiche

Moment, die Dringlichkeit der neuen Auflage, trägt die Schuld, daß

meine Darstellung des Haarwechsels bis auf kleine Änderungen, die

Mißverständnissen vorbeugen sollen, noch dieselbe geblieben ist. Man

wolle das nicht als eine Mißachtung der neuen (1910) Angriffe ~Stiedas~

betrachten, denen ich in einer kommenden, mit neuen, naturgetreuen

Abbildungen versehenen Abhandlung entgegentreten werde. Der Dank,

den ich wie immer meinen Mithelfern Herrn Kommerzienrat ~Stürtz~,

Herrn Inspektor am hiesigen anatomischen Institut ~P. Hofmann~, Herrn

Universitätszeichner ~Wilhelm Freytag~, abzustatten habe, ist diesmal

gemischt mit tiefster Trauer. Herr Geheimrat Dr. ~G. Fischer~, mein

Verlagsbuchhändler, er, dessen Name sonst immer an erster Stelle stand,

ist, wohl vielen ganz unerwartet, dahingegangen aus einem Leben voll

Arbeitsfreude und Kraft, voll Genugtuung für diejenigen, die mit ihm

schaffen durften, voll Segen für unsere ganze geliebte Wissenschaft.

Ehre seinem Andenken!

~Ammerland~ am Starnberger See, 31. August 1910.

¡Philipp Stöhr.¡

Vorwort zur neunzehnten Auflage.

Dem Wunsche des Verlegers entsprechend schließt sich diese Auflage

der letzten (14.) von Stöhr selbst 1910 bearbeiteten Auflage an. Die

wertvolle Bereicherung, die Oskar Schulze durch vier Auflagen dem

bewährten Buche angedeihen ließ, hat auch zu mancher Umgestaltung

in dieser Auflage die Anregung gegeben. In der Auswahl des Stoffes

habe ich mich fast überall an die von Stöhr eingehaltenen Grenzen,

die sich im praktischen Gebrauche durchaus bewährt haben, gehalten.

Bei der riesigen Vermehrung histologischer Einzelkenntnisse liegt

die Gefahr nahe, dem Anfänger Hand- statt Lehrbücher zu bringen.

Andererseits bedurfte besonders die Gewebelehre einer völligen

Umgestaltung. An Stelle des abstrakten Kapitels über die »Zelle« wurde

die Eizelle als konkretes Beispiel gewählt, um die Grundbegriffe der

morphologischen Zusammensetzung lebender Substanz darzustellen; bei

der Abfassung der Gewebelehre war das Bestreben vorherrschend, durch

Hervorhebung der Zusammenhänge die morphologische Schilderung zu

beleben, was zu einer etwas breiteren Darstellung zwang. Die einzelnen

Kapitel der mikroskopischen Anatomie der Organe sind verschieden

stark überarbeitet, am meisten die Kapitel: Blutgefäßsystem,

zentrales Nervensystem, Innersekretorische Organe, Leber, Niere,

Geschlechtsorgane, Auge.

Durch das Entgegenkommen des Verlegers, Herrn Gustav Fischer,

war es möglich, 70 Abbildungen, die das vorhandene Material

teils ergänzen, teils ersetzen, neu aufzunehmen. Sie wurden

von Herrn Universitätszeichner ~Hans Dettelbacher~ mit großem

Verständnis angefertigt. Meinem Verleger möchte ich für die stete

entgegenkommende Behandlung meiner Wünsche wärmstens danken; ebenso

der Fa. ~Breitkopf~ und ~Härtel~, Leipzig, für die sorgfältige

Drucklegung. Besonderen Dank schulde ich meinen Freunden Dr.

~Spatz~-München und Dr. ~Wagenseil~-Freiburg i. Br., die mir bei der

Durcharbeitung der Gewebelehre mit manchem guten Rate behilflich

waren. Dr. ~Spatz~ beriet mich in besonderem Maße bei der Bearbeitung

des Nervensystems und unterstützte mich auch durch Überlassung

wertvoller Präparate. Neben eigenen Präparaten standen mir solche

von Herrn Priv.-Doz. Dr. ~Stöhr~-Würzburg, Prof. ~Schroeder~-Rostock

(Menstruationsveränderungen), endlich von M. ~Heidenhain~-Tübingen

zur Verfügung. Beim Lesen der Korrekturen war mir Herr stud. med.

~Baumann~ behilflich. Allen, die so an der Fertigstellung der neuen

Auflage geholfen haben, sei auch an dieser Stelle der herzlichste Dank

ausgesprochen.

Möge das Buch auch in seiner neuen Gestalt neue Freunde werben und

die alten bewahren zur Ehre und zum Andenken des Altmeisters der

Histologie, der es schuf!

~Freiburg~ i. Br., 28. Dezember 1921.

¡Wilh. von Möllendorff.¡

Inhalts-Verzeichnis.

I. Abschnitt.

Allgemeine Technik.

Seite

I. Die Einrichtung des Laboratoriums

(S. 1-10).

1. Instrumente 1

2. Reagenzien 3

II. Das Herstellen der Präparate

(S. 10-49).

Einleitung 10

§ 1. Beschaffen des Materiales 10

§ 2. Töten und Sezieren der Tiere 11

Methoden 11

§ 3. Isolieren 12

§ 4. Fixieren 14

§ 5. Härten 17

§ 6. Entkalken 18

§ 7. Schneiden (einschl. Mikrotomtechnik) 19

§ 8. Färben 30

§ 9. Injizieren 43

§ 10. Einschließen und Konservieren der Präparate 43

§ 11. Untersuchung frischer Objekte 47

§ 12. Vitale Färbung 48

§ 13. Aufbewahren der Dauerpräparate 49

III. Handhabung des Mikroskops

(S. 49-53).

Zeichnen 51

Messen 51

Das Tagebuch 52

II. Abschnitt.

Mikroskopische Anatomie und spezielle Technik.

I. Histologie.

(Mikroskopische Anatomie der Zellen und der Gewebe.)

A. Die Eizelle (S. 56-63).

Bestandteile der Eizelle 56

Zytoplasma 57

Zellkern 62

B. Teilung, Wachstum und Differenzierung 64

Technik Nr. 1-9 71

C. Die Gewebe (S. 75-157).

I. Epithelgewebe (S. 75-90) 75

Speicherung im Epithelgewebe 83

Sekretorische Tätigkeit des Epithelgewebes 83

Die Drüsen 85

Technik Nr. 10-13 90

II. Stützgewebe (S. 91-116).

Die Zellen 92

Die Interzellularsubstanz 95

Die Formen des Stützgewebes 98

1. Das Bindegewebe 98

2. Das Knorpelgewebe 105

3. Das Knochengewebe 111

Technik Nr. 14-37 (S. 116-119).

III. Muskelgewebe (S. 119-130).

1. Gewebe der glatten Muskeln 120

2. Herzmuskelgewebe 122

3. Gewebe d. quergestreiften Muskeln 124

Technik Nr. 38-49 (S. 130-132).

IV. Nervengewebe (S. 132-148).

A. Nervenzellen 135

B. Neuroglia 140

C. Nervenfasern 143

Technik Nr. 50-61 (S. 147-151).

V. Allgemeine Bemerkungen über Zellverbindungen 151

Definitionen und Winke zur Erkennung von Geweben 153

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 13 / 286 题