DIE BÜSE.

[Sidenote: II 197]

[Sidenote: II 223]

[Sidenote: II 224]

[Sidenote: II 231]

[Sidenote: III 113]

Ein neues Schiff wird nötig; man baut es grösser und mit glattem Rumpf

und erhält so die Buis (Heringbüse). Länge 52 Fuss, Breite 13 Fuss,

Tiefe 8 Fuss. Dieses Schiff hat eine grössere Tragfähigkeit als die

«Pink». (~Witsen~ S. 167).

[Sidenote: II 195]

[Sidenote: II 196]

[Sidenote: II 198]

Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts zählt man in Enkhuizen schon 400 bis

500 «Haringbuizen» und man findet damals vierzig sog. «Grotschippers»

(Grosse Fischerboote), die 20 bis 120 Last laden können. (~Koenen~ S.

78). I. J. 1590 fahren 350 Buizen (Büsen) auf den Heringsfischfang,

während am Anfang des 17. Jahrhunderts 3000 holländische Buizen den

Fischfang in der Nordsee besorgen (1609); im Jahre 1601 beträgt ihre

Zahl noch nicht 1500 (~Groen van Prinsterer~, Handb., § 100; ~Koenen~

S. 156). Diese 3000 Schiffe, sagt Koenen, haben 50000 Mann Besatzung,

während diese Flotte 9000 grössere Fahrzeuge und 150.000 Mann zu Wasser

und zu Lande erfordert, um die Fische zu verpacken und zu befördern.

Man rechnet, dass 20 «Haringbuizen» (Heringsbüsen) 8000 Personen

beschäftigen.

Am Anfang des 17. Jahrhunderts durchfährt eine Flotte von 1500 Büsen

hin und zurück dreimal die Durchfahrt von Texel. Es ist also nicht zu

verwundern, dass die Abfahrt der Fischereiflotte ein sehr wichtiges

Ereignis ist. Noch heutzutage spricht man von dem wohlbekannten

«Buisjesdag» (Tag der Büsen).

Als zur Zeit des zweiten Krieges mit England der Heringsfang auf der

Nordsee unterbrochen ist, und die Fischer auf der Zuiderzee arbeiten,

gelingt es einigen von ihnen noch, im Laufe eines Monats 800 Last (1600

t) Heringe zu fangen, aus denen 15.620 Gulden gelöst werden. Eine

grosse Zahl von Verordnungen betreffend den Fischfang erscheinen (1611,

12, 20, auch 29).

So liest man:

«Niemand vermag zijn roor en klaer houden zoodat daer metten aen

zoude kunnen hechten» (Niemand darf sein Steuerruder so halten, dass

er an den Netzen hängen bleibt). Anderswo heisst es: «Die niet en

vischt vermag niet onder de visschers te drijven». (Wer nicht fischt,

darf nicht mit den Fischern fahren), während gleichzeitig bestimmt

wird, dass jeder seine Netze mit seinem Namen zu versehen hat, um sie

kenntlich zu machen.

Die Stärke der Mannschaft und der Bestückung ist ebenfalls Gegenstand

von Bestimmungen, was zu jener Kriegeszeit wohl nötig ist.

[Sidenote: II 196]

Ein «Noortsvaerder» von 70-80 Last und eine Büse von mehr als 24

Last sollen wenigstens 2 «Gotelingen» (kleine Kanonen) führen. Diese

Stücke findet man noch oft auf alten Stichen. An Tapferkeit fehlt es

den Fischern übrigens nicht. ~De Jonge~ (Bd. I S. 182) gibt davon

ein Beispiel, in dem er den Zusammenstoss eines Engländers mit einem

Fischer aus Vlieland zwischen dem Skagerrack und der Doggersbank

erzählt:

«Kaum sind sie einander näher gekommen, als die Engländer in

Ermangelung andrer Waffen beginnen, mit grossen Steinen zu werfen.

Die Holländer erwidern, indem sie mit Brennholz werfen. Dieser wenig

mörderische Kampf langweilt die mutigen Holländer. Sie entern das

feindliche Fahrzeug, springen mit dem Messer im Munde hinauf, unter

Führung ihres mutigen Steuermannes Jonge Rees, treiben die Engländer

in das Innere, vernageln es und kehren mit dem kleinen Fahrzeug

triumphierend nach Amsterdam zurück, wo der tapfere Führer eine goldene

Medaille erhält und die ganze Mannschaft das erbeutete Schiff und

andere Belohnungen empfängt».

Ausgangs des 18. Jahrhunderts und am Anfang des 19. Jahrhunderts

ist unsere Fischereiflotte stark gefährdet. Die Mitte des 19.

Jahrhunderts bringt kaum Besserung. Während man i. J. 1843 noch 128

Fischereifahrzeuge zählt, fällt diese Zahl i. J. 1852 schon auf

93 (~Koenen~ S. 156). Glücklicherweise macht sich am Ende des 19.

Jahrhunderts ein Aufschwung bemerkbar, und i. J. 1905 zählt unsere

Flotte wieder 724 Schiffe. Die Erneuerung beginnt i. J. 1891, wie

sich dies aus der nachstehenden Übersicht erkennen lässt. Die grosse

Verbesserung der Verkehrsmittel vermehrte die Nachfrage nach Fischen

als Volksnahrungsmittel; (s. z. B. die Antrittsrede des Professors E.

Vosnack in Delft; _Nieuwe Rotterdamsche Courant_, 11. Oktober 1906,

1. Blatt A.) während eine sorgfältigere Verpackung mit Eis jetzt die

Beförderung der Fische auf grössere Entfernungen gestattet.

Deshalb hat man hier mit neuem Eifer dem Fang des Kabeljaus und des

Schellfisches obgelegen (~A. Hoogendijk~, De Grootvischerij 1895, S.

47), und das Gewerbe ist noch einträglicher geworden, als man es mit

dem Heringsfang verband.

Der Fang des Herings erfordert ein mässig grosses Schiff, denn das

Fahrzeug darf nicht zu stark an den Fischereigeräten ziehen. Der

Winterfischfang dagegen erfordert ein festes und schnelles Schiff, denn

es muss bei jedem Wetter brauchbar sein.

Daraus folgt, dass zur Verbindung beider ein neues Schiff erforderlich

wird, das die abweichenden Anforderungen zu befriedigen vermag und

durch das natürlich die alten Type sicher verdrängt werden. Je

schneller das Fahrzeug ist, je grösser ist die Zahl der Fahrten und um

so frischer ist der Fisch, den man bringt.

Andrerseits kann man mit einem schnellen Fahrzeug die fischreichen

Gegenden aufsuchen, und es ist nicht zu verwundern, dass man ganz

wie in England auch bei uns Dampfschiffe in Dienst stellt, nachdem

die Logger, Kutter und Schaluppen vorhergegangen waren. Das erste

Dampfschiff erscheint 1897, und seitdem ist die Zahl gestiegen. Die

englische Fischereiflotte zählt gegenwärtig nicht weniger als 1600

Dampfschiffe für die Grossfischerei.

+------------------------------------------------------------------+

| =Zusammensetzung der holländischen Fischerei-Flotte mit |

| Ausnahme der Bommen von 1867 bis 1905.= |

+-----+-----+--------+------+------+-------+-----+-----------------+

| | | | | |LOGGER | | |

| | |SCHALUP-|DAMPF-|MOTOR-|KUTTER | ZU- | |

|JAHR |BUJER| PEN |SCHIF-|FAHR- | UND | SAM-| BEMERKUNGEN |

| | | | FE |ZEUGE |LOGGER-| MEN | |

| | | | | |BOMMEN | | |

+-----+-----+--------+------+------+-------+-----+-----------------+

| |/-----v-----\ | | | | | |

|1867 | 85 | - | - | 4 | 89 |Im Jahre 1867 |

|1868 | 80 | - | - | 11 | 91 |wird der erste |

|1869 | 79 | - | - | 28 | 107 |französische Log-|

|1870 | 69 | - | - | 51 | 120 |ger eingestellt. |

| | \----Λ----/ | | | | | |

|1871 | 45 | 13 | - | - | 64 | 122 | |

|1872 | 30 | 14 | - | - | 64 | 108 | |

|1873 | 23 | 11 | - | - | 68 | 102 | |

|1874 | 20 | 11 | - | - | 83 | 114 | |

|1875 | 14 | 11 | - | - | 90 | 115 | |

|1876 | 6 | 11 | - | - | 92 | 109 | |

|1877 | 8 | 11 | - | - | 94 | 113 | |

|1878 | 7 | 11 | - | - | 109 | 127 | |

|1879 | 4 | 10 | - | - | 114 | 128 | |

|1880 | 3 | 9 | - | - | 121 | 133 | |

|1881 | 2 | 9 | - | - | 127 | 138 | |

|1882 | 2 | 8 | - | - | 135 | 145 | |

|1883 | 2 | 8 | - | - | 144 | 154 | |

|1884 | 2 | 8 | - | - | 159 | 169 | |

|1885 | 2 | 8 | - | - | 174 | 184 | |

|1886 | 1 | 8 | - | - | 181 | 190 | |

|1887 | - | 7 | - | - | 189 | 196 | |

|1888 | - | 8 | - | - | 186 | 194 | |

|1889 | - | 8 | - | - | 186 | 194 | |

|1890 | - | 7 | - | - | 189 | 196 | |

|1891 | - | 7 | - | - | 199 | 206 | |

|1892 | - | 9 | - | - | 212 | 221 | |

|1893 | - | 11 | - | - | 213 | 224 | |

|1894 | - | 13 | - | - | 214 | 227 | |

|1895 | - | 17 | - | - | 216 | 233 | |

|1896 | - | 24 | - | - | 245 | 269 | |

|1897 | - | 30 | 1 | - | 252 | 283 |Im Jahre 1897 |

|1898 | - | 36 | 1 | - | 258 | 295 |wird das erste |

|1899 | - | 40 | 2 | - | 269 | 311 |Dampfschiff in |

|1900 | - | 46 | 3 | - | 275 | 324 |Dienst gestellt. |

|1901 | - | 47 | 7 | 1 | 300 | 355 | |

|1902 | - | 52 | 25 | 1 | 327 | 405 | |

|1903 | - | 58 | 44 | 1 | 410 | 513 | |

|1904 | - | 58 | 44 | 1 | 432 | 535 | |

|1905 | - | 48 | 38 | 1 | 425 | 512 | |

+----------------------------------------------------------------+

| =Übersicht über die verschiedenen Schiffstype |

| während der letzten 10 Jahre sowie über die Grösse |

| der Flotte zum Heringsfang.= |

+-----+--------+------+------+-------+------+-----+--------------+

| |LOGGER |DAMPF-|MOTOR-|LOGGER-|BOMMEN| ZU- | |

|JAHR |KUTTER |SCHIF-|FAHR- |BOMMEN | | SAM-| BEMERKUNGEN |

| |SCHALUP-| FE |ZEUGE | | | MEN | |

+-----+--------+------+------+-------+------+-----+--------------+

|1896 | 269 | - | - | - | 324 | 593 |Siehe Bericht |

|1897 | 282 | 1 | - | - | 325 | 608 |über den |

|1898 | 294 | 1 | - | - | 320 | 615 |Seefischfang |

|1899 | 309 | 2 | - | - | 303 | 614 |S. 149 |

|1900 | 320 | 3 | - | 1 | 289 | 613 |von 1905. |

|1901 | 346 | 7 | 1 | 1 | 279 | 634 | |

|1902 | 377 | 25 | 1 | 2 | 271 | 676 | |

|1903 | 463 | 44 | 1 | 5 | 268 | 781 | |

|1904 | 484 | 44 | 1 | 6 | 239 | 774 | |

|1905 | 467 | 38 | 1 | 6 | 212 | 724 | |

Wir wollen uns jedoch noch etwas mit der Büse beschäftigen, bevor wir

die Beschreibung der modernen Type beginnen.

Die im 15. Jahrhundert entstandene Büse bleibt das

Heringsfischereifahrzeug bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, wo sie

vollständig verschwindet. Wenn es i. J. 1832 noch 120 Büsen gibt

(Vlaardingen 78, Maassluis 18, Delfshaven 1, Zwartewaal 3, Entshuizen

5, De Rijp 5 und Amsterdam 10; siehe ~Le Comte~ S. 46.) so werden i.

J. 1867 keine mehr erwähnt. Das ist das Jahr, in dem der französische

Logger in Betrieb genommen wird. Die Büse wird ausschliesslich für den

Heringsfang verwendet. Wenn dieser stilliegt, wird sie abgetakelt.

Obwohl die Büsen volle Formen hatten, besassen sie einen Kiel und

suchten Schutz in den verschiedenen Häfen. Diese Schiffe können nicht

auf den Strand gesetzt werden. Sie hatten etwa 22 m Länge, 6 m Breite

und 3 m Tiefe. Ihre Grössenverhältnisse sind ebenfalls allmählich

gewachsen. (~Van Yk~ gibt auf S. 310 7 rheinische Fuss als Tiefe an.)

Die Takelung bestand anfangs aus 3 Masten, von denen die beiden ersten

niedergelegt werden konnten und ein grosses Segel hielten. Später,

am Ende des 17. Jahrhunderts, ändert man die Takelung, und die Büsen

erhalten solche wie die «Huker». Die Änderungen ergeben sich deutlich

aus den alten Abbildungen. Die Büse hatte eine «Statie».

Der Schiffbau seit seiner Entstehung, Band 1 · 第 94 / 142 题