Ein sehr steiler Weg führt den Berg hinab nach Hotwells, wo die Quelle
fließt und ebenfalls viele schöne Wohnungen für Badegäste erbaut sind.
Nahe am Ufer des Avon rauscht sie mächtig hervor, aus einem der
Felsen, die in majestätischen Reihen sich von beiden Seiten längs
dem Bette des Stroms hinziehen. Ein hübsches Gebäude ist über
der Quelle erbaut. Zuerst tritt man in einen Vorsaal, der den Trinkenden
zum Ausruhen und zur Konversation dient; hinter diesem liegt
das Brunnenzimmer. Ein artiges Mädchen personifiziert hier die Hebe
und schenkt das gar nicht übel schmeckende, wie Champagner
petillierende, lauwarme Wasser. Wenn es zuerst geschöpft wird,
sieht es etwas trübe und weißlich aus, wird aber ganz klar,
sowie es sich abkühlt.
Eine Menge artiger Kleinigkeiten, auch zum Teil seltene Konchylien,
Steine und Mineralien aus den benachbarten Gebirgen, stehen hier
zum Verkaufe, unter ihnen die bekannten Bristoler Steine, welche
in den Ritzen und Spalten der den Avon umschließenden Felsen gefunden
werden und sowohl an Glanz als Härte den wirklichen Diamanten sehr
ähnlich sind.
Die Aussicht aus dem Fenster des Brunnensaals ist beschränkt,
aber von ernster Schönheit; wild und hoch streckend die dunkelroten
Marmorfelsen von St. Vincent ihr majestätisches Haupt hinauf in
die blaue Luft. Der Avon drängt sich brausend durch das ihn einengende
Felsenbette; ihm gegenüber, ebenso fruchtbar, in ebenso wilden Formen,
starren andere, ganz ähnliche Gebirge; es ist, als hätte der dunkle Strom
hier, um seinen Weg zu bahnen, den Fels gespalten oder ein Erdbeben,
mächtig seine Grundfeste erschütternd, ihn zersplittert. Verfolgt man
mit den Augen den Strom, der sich wohl anderthalb englische Meilen weit
zwischen diesen Kolossen hinwinden muß, so erblickt man am fernen Horizont
die schönen blauen Gebirge von Wales, welche die nicht ausgebreitete,
aber höchst romantische Aussicht schließen.
Hinter dem Brunnenhause dient eine schöne, mit Bäumen besetzte Terrasse
am Ufer des Avon zur Promenade. Tausend Schiffe kommen dort und gehen;
kein Brunnenort hat wohl eine ähnliche Promenade aufzuweisen.
Bei kaltem, regnerischem Wetter gehen die Gäste unter einer in Form
eines halben Mondes erbauten Kolonnade auf und ab, welche auf einer Seite
von einer Reihe eleganter Läden begrenzt wird.
In Hinsicht der schönen Gebäude erscheint Hotwells wie eine Fortsetzung
von Clifton; wie dort stehen sie hier einzeln und in schönen Reihen
und Straßen vereinigt. Dazu kommen noch die mannigfaltigen Aussichten
auf See und Fluß, Berg und Tal; es ist unmöglich, mit der Feder
auszudrücken, wie überschwänglich reich sich hier die Natur bewies.
Aber auch für andere Vergnügungen ist gesorgt. In zwei schönen,
zur Aufnahme der Gesellschaft eingerichteten Gebäuden werden jeden
Montag und Donnerstag Déjeuners dansants auf Subskription gegeben.
Dienstags ist regelmäßig Ball, an den übrigen Tagen füllen Assembleen
und Promenaden die müßige Zeit aus.
Wie in den übrigen größeren Bädern präsidiert auch in Hotwells
ein Zeremonienmeister; seine Gesetze hängen in den Sälen an der Wand
angeschlagen und werden pünktlich gehalten. Sie sind in Hinsicht
auf Kleidung etwas weniger streng als in Bath; in der übrigen Etikette,
besonders des Ranges, sind beide einander gleich. Die ganze Einrichtung
von Hotwells gleicht der von Bath bis auf wenige Kleinigkeiten;
wir verweisen deshalb den freundlichen Leser auf den zunächst
folgenden Abschnitt.
Außer den allen Bädern gemeinen Vergnügungen, welche regelmäßige
Promenaden, Assembleen, Bälle, Lesebibliotheken und dergleichen gewähren,
erfreuen sich die glücklichen Bristoler Brunnengäste noch viel
mannigfaltiger Freuden, wenn sie die herrliche Gegend ringsumher
durchstreifen; denn außer King's Weston gibt es noch in ganz mäßiger
Entfernung viele Orte, die wohl eines mehrmals wiederholten Besuchs
wert wären.
Leider waltete über uns das gewöhnliche Schicksal der Reisenden,
wir konnten nicht alles Sehenswerte aufsuchen; aber wer Wochen,
vielleicht Monate lang hier verweilt, muß sich manchen hohen Genuß
verschaffen können, und unter diesen ist es wohl keiner der geringsten,
auf dem silbernen Strome hinzuschiffen. Bisweilen unternimmt
die Gesellschaft solche Exkursionen, wo die wilden Felsen dann
widerhallen von Musik, welche die Boote begleitet.