Hinter Luss ward die Gegend allmählich flacher, der Weg besser;
alles kündigte uns an, daß wir das Land der Poesie verlassen und
zurückkehrten zum platten Lande mit seinem Alltagsleben. In Dumbarton
schieden wir von unserem Fuhrmanne und seinen vier treuen Rossen,
die uns über so manchen hohen Berg, durch so manches friedliche Tal
geführt hatten. Wir nahmen Abschied von den Hochlanden, aber
die Erinnerung davon blieb uns. Sie reiht sich an so manche andere
schöne Erinnerung aus der Schweiz und aus vaterländischen Gebirgen,
von denen diese, die wir jetzt verließen, sich indessen so merkwürdig
als merklich unterscheiden.
Die Gegend von Dumbarton ward als schön gerühmt; unsere Phantasie
war nur von der nächsten Vergangenheit noch zu sehr erfüllt,
als daß wir sie genau beachten konnten. Die Lage des Städtchens
schien uns indessen sehr freundlich. Ein hoch darüber emporragender Fels,
dessen steilen Gipfel ein festes Schloß krönt, nimmt sich malerisch aus
mitten in der wasserreichen Ebene, deren Horizont die dunklen Gebirge
umgrenzen, welche wir eben verlassen hatten. Mit Postpferden langten wir
gegen Abend in Glasgow an.
Die Stadt ist ziemlich groß; schöne breite Straßen und Plätze,
sehr hübsche, von Quadersteinen erbaute Häuser erinnerten uns an Edinburgh.
Auch hier fanden wir wie dort in allen Häusern breite steinerne Treppen,
mit eisernen Geländern versehen; ein Luxus, auf welchen die Einwohner
sehr stolz sind und ihn bei jeder Gelegenheit als großen Vorzug
vor London preisen. Dort, meinen sie, könne man in einem oberen Stockwerke
keine Nacht ruhig schlafen, weil man, wenn Feuer im Hause auskäme,
in der entsetzlichsten Gefahr wäre, elendiglich umzukommen.
Gleich bei unserem Eintritte in den Gasthof erhielten wir eine
lustige Probe der hiesigen Industrie. Ein Gentleman ließ uns auf
das dringendste um die Erlaubnis bitten, uns in unserem Zimmer
besuchen zu dürfen. Da wir endlich nachgaben, erschien ein sehr höflicher
Herr mit ein paar dicken Büchern unter dem Arme und erbot sich,
als Sprachmeister uns Englisch zu lehren; er hatte vernommen,
daß wir beim Aussteigen aus dem Wagen ein paar Worte Französisch
untereinander sprachen, und hielt uns folglich für eine ausgewanderte
französische Familie, der er seine Hilfe notwendig anbieten müsse.
Glasgow ist weit lebhafter als Edinburgh, denn Handel und Wandel sind
hier zu Hause; übrigens aber konnte uns niemand, soviel wir uns auch
erkundigen mochten, irgend ein merkwürdiges Gebäude oder sonst einen
Gegenstand angeben, welcher für ein nicht kaufmännisches Gemüt näherer
Betrachtung würdig gewesen wäre. Wir ruhten also, im eigentlichsten
Sinne des Worts, die wenigen Tage, die wir hier zubrachten; denn die
Fabriken, die man uns zu zeigen sich erbot, wären doch nur
Wiederholungen des schon Gesehenen gewesen. Dazu regnete es unbarmherzig
die ganze Zeit über, wir sahen es mit Vergnügen regnen und dankten dem
Himmel, daß er diese Sintflut nicht in den Hochlanden über unsere
Häupter herabströmen ließ.
Unter den Einwohnern Glasgows war uns wohl: gastfrei, anständig,
zwanglos im Umgange, gebildet, vereinigten sie die guten Eigenschaften,
die wir schon an ihren Landsleuten rühmten, mit der Wohlhabenheit und
allem vernünftigen Luxus, welchen der hier blühende Handel nur
gewähren kann.