Zwölfter Auftritt

Thekla.

Sein Geist ist's, der micht ruft. Es ist die Schar

Der Treuen, die sich rächend ihm geopfert.

Unedler Säumnis klagen sie mich an.

Sie wollten auch im Tod nicht von ihm lassen,

Der ihres Lebens Führer war--Das taten

Die rohen Herzen, und ich sollte leben!

--Nein! Auch für mich ward jener Lorbeerkranz,

Der deine Totenbahre schmückt, gewunden.

Was ist das Leben ohne Liebesglanz?

Ich werf es hin, da sein Gehalt verschwunden.

Ja, da ich dich, den Liebenden gefunden,

Da war das Leben etwas. Glänzend lag

Vor mir der neue goldne Tag!

Mir träumte von zwei himmelschönen Stunden.

Du standest an dem Eingang in der Welt,

Die ich betrat mit klösterlichem Zagen,

Sie war von tausend Sonnen aufgehellt;

Ein guter Engel schienst du hingestellt,

Mich aus der Kindheit fabelhaften Tagen

Schnell auf des Lebens Gipfel hinzutragen.

Mein erst Empfinden war des Himmels Glück,

In dein Herz fiel mein erster Blick!

(Sie sinkt hier in Nachdenken und fährt dann mit Zeichen des

Grauens auf.)

--Da kommt das Schicksal--Roh und kalt

Faßt es des Freundes zärtliche Gestalt

Und wirft ihn unter den Hufschlag seiner Pferde--

--Das ist das Los des Schönen auf der Erde!

Wallensteins Tod · 第 58 / 74 题