Sechster Auftritt

Buttler und Gordon.

Gordon. (erstaunt)

Erklärt mir. Was bedeutete der Auftritt?

Buttler.

Sie hat den Mann verloren, den sie liebte,

Der Piccolomini war's, der umgekommen.

Gordon.

Unglücklich Fräulein!

Buttler.

Ihr habt gehört, was dieser Illo brachte,

Daß sich die Schweden siegend nahn.

Gordon.

Wohl hört' ich's.

Buttler.

Zwölf Regimenter sind sie stark, und fünf

Stehn in der Näh', den Herzog zu beschützen.

Wir haben nur mein einzig Regiment,

Und nicht zweihundert stark ist die Besatzung.

Gordon.

So ist's.

Buttler.

Nicht möglich ist's, mit so geringer Mannschaft

Solch einen Staatsgefangnen zu bewahren.

Gordon.

Das seh ich ein.

Buttler.

Die Menge hätte bald das kleine Häuflein

Entwaffnet, ihn befreit.

Gordon.

Das ist zu fürchten.

Buttler. (nach einer Pause)

Wißt! Ich bin Bürge worden für den Ausgang,

Mit meinem Haupte haft ich für das seine,

Wort muß ich halten, führ's wohin es will,

Und ist der Lebende nicht zu bewahren,

So ist--der Tote uns gewiß.

Gordon.

Versteh ich Euch? Gerechter Gott! Ihr könntet--

Buttler.

Er darf nicht leben.

Gordon.

Ihr vermöchtet's?

Buttler.

Ihr oder ich. Er sah den letzten Morgen.

Gordon.

Ermorden wollt Ihr ihn?

Buttler.

Das ist mein Vorsatz.

Gordon.

Der Eurer Treu vertraut!

Buttler.

Sein böses Schicksal!

Gordon.

Des Feldherrn heilige Person!

Buttler.

Das war er!

Gordon.

O was er war, löscht kein Verbrechen aus!

Ohn' Urtel?

Buttler.

Die Vollstreckung ist statt Urtels.

Gordon.

Das wäre Mord und nicht Gerechtigkeit,

Denn hören muß sie auch den Schuldigsten.

Buttler.

Klar ist die Schuld, der Kaiser hat gerichtet,

Und seinen Willen nur vollstrecken wir.

Gordon.

Den blut'gen Spruch muß man nicht rasch vollziehn,

Ein Wort nimmt sich, ein Leben nie zurück.

Buttler.

Der hurt'ge Dienst gefällt den Königen.

Gordon.

Zu Henkers Dienst drängt sich kein edler Mann.

Buttler.

Kein mutiger erbleicht vor kühner Tat.

Gordon.

Das Leben wagt der Mut, nicht das Gewissen.

Buttler.

Was? Soll er frei ausgehn, des Krieges Flamme,

Die unauslöschliche, aufs neu entzünden?

Gordon.

Nehmt ihn gefangen, tötet ihn nur nicht,

Greift blutig nicht dem Gnadenengel vor.

Buttler.

Wär' die Armee des Kaisers nicht geschlagen,

Möcht' ich lebendig ihn erhalten haben.

Gordon.

O warum schloß ich ihm die Festung auf!

Buttler.

Der Ort nicht, sein Verhängnis tötet ihn.

Gordon.

Auf diesen Wällen wär' ich ritterlich,

Des Kaisers Schloß verteidigend, gesunken.

Buttler.

Und tausend brave Männer kamen um!

Gordon.

In ihrer Pflicht--das schmückt und ehrt den Mann;

Doch schwarzen Mord verfluchte die Natur.

Buttler. (eine Schrift hervorlangend)

Hier ist das Manifest, das uns befiehlt,

Uns seiner zu bemächtigen. Es ist an Euch

Gerichtet, wie an mich. Wollt Ihr die Folgen tragen,

Wenn er zum Feind entrinnt durch unsre Schuld?

Gordon.

Ich, der Ohnmächtige, o Gott!

Buttler.

Nehmt Ihr's auf Euch. Steht für die Folgen ein!

Mag werden draus was will! Ich leg's auf Euch.

Gordon.

O Gott im Himmel!

Buttler.

Wißt Ihr andern Rat,

Des Kaisers Meinung zu vollziehen? Sprecht!

Denn stürzen, nicht vernichten will ich ihn.

Gordon.

O Gott! Was sein muß, seh ich klar wie Ihr,

Doch anders schlägt das Herz in meiner Brust.

Buttler.

Auch dieser Illo, dieser Terzky dürfen

Nicht leben, wenn der Herzog fällt.

Gordon.

O nicht um diese tut mir's leid. Sie trieb

Ihr schlechtes Herz, nicht die Gewalt der Sterne.

Sie waren's, die in seine ruh'ge Brust

Den Samen böser Leidenschaft gestreut,

Die mit fluchwürdiger Geschäftigkeit

Die Unglücksfrucht in ihm genährt--Mag sie

Des bösen Dienstes böser Lohn ereilen!

Buttler.

Auch sollen sie im Tod ihm gleich voran.

Verabred't ist schon alles. Diesen Abend

Bei eines Gastmahls Freuden wollten wir

Sie lebend greifen und im Schloß bewahren.

Viel kürzer ist es so. Ich geh sogleich,

Die nötigen Befehle zu erteilen.

Wallensteins Tod · 第 52 / 74 题