Ihr

innigstergebner Diener

_Zedlitz_.

=Zieten, Karl Friedrich Daniel von (genannt Liberati).=

Geboren am 5. Januar 1784 zu Neubrandenburg in Mecklenburg,

gestorben 1844 zu Berlin.

Die Familie Z. theilte sich von Alters her in zwei Linien; die

eine: _Dechtow_ (die sogenannte schwarze, jetzt Graf Z.), und

die andere: _Brunne-Wustrau-Wildberg_ (die sogenannte blonde).

Letztere zweigte sich früher schon in drei Aeste ab. _Wustrau_

ist ausgestorben mit dem Sohne des „alten Zieten“ aus Friedrichs

des Zweiten Zeit.

Liberati’s _Vater_ gehörte zur Brunner Linie, welche mit

Wildberg noch in Lehnsverband steht. Er war verheirathet mit

Johanna Bertha von Niesemeuschel aus Schlesien, war Lieutenant

bei Zieten-Husaren, zog dann nach Mecklenburg, hielt ein

bedeutendes Vermögen nicht zu Rathe, nahm späterhin Würtembergische

Dienste und starb 1812 in Stuttgart als Obrist und Chef des

Ehren-Invaliden-Bataillons. Er hinterließ zwei Söhne, deren

ältester _unser_ Z. Liberati.

Dieser ist anfänglich in preußischen Diensten, entweder beim

Regiment Kunheym- oder auch bei Zieten-Husaren (?) gewesen, ist

nach 1806 Mecklenburgischer Forstmeister, dann Schauspieler, 1813

wiederum Soldat, 1814/15 wiederum Schauspieler geworden, und hat

sich mit Ulrike Prinzessin von Nassau, die er in Wiesbaden kennen

lernte, vermählt. Selbige Ehe ist, weil der Prinzessin Vater sie

desavouirte, bald wieder aufgelöst, ihm jedoch von der geschiedenen

Gemahlin, nach deren Tode von ihren Erben, Pension gezahlt worden.

Eine Zeitlang führte er mit Feige das Cassel’sche Theater, schied

aber 1816 aus der Direktion und spielte nur als Ehrenmitglied, ohne

Gage.

Nachdem Küstner das Leipziger Theater in Blüthe gebracht, fungirte

Liberati als Regisseur und Schauspieler daselbst. Aus dieser

Epoche, in welche seine Bestrebungen fallen, Shakspeare und Holberg

auf deutschen Bühnen heimisch zu machen, stammen auch die Briefe an

Tieck.

Er schloß das zweite Ehebündniß mit einer sehr hübschen Frau, die

ihn nicht glücklich machte. Ueber seine Schicksale vom Zerfall

des Leipziger Theaters bis in die dreißiger Jahre konnten wir

nichts Näheres in Erfahrung bringen. Sicher ist, daß er um 1837

Mitdirektor der für Danzig, Elbing, Tilsit &c. konzessionirten

Schauspieltruppe war. Diese Existenz drückte ihn, und sein

häusliches Verhältniß erhob ihn nicht. Sobald 1839 sein Bruder

gestorben und ihm wieder einiges Geld zugefallen war, benützte

er diese Hilfe, sich vom Theaterwesen gänzlich loszureißen,

und begab sich nach Berlin, wo er frühere mechanische und

technische Studien praktisch zu verwerthen gedachte. Sein letztes

Erzeugniß litterarischer Thätigkeit gilt nicht mehr Shakspeare’s

Einbürgerung, sondern _der Seidenraupenzucht_. Die kleinen

Reste aus mehrfachen Schiffbrüchen geretteten Vermögens wurden

nach und nach verexperimentirt -- und er entsagte dem Leben.

Ein genialer, vielbegabter, durch Herzensgüte und Geist gleich

ausgezeichneter Mensch ist in ihm untergegangen. --

Und so beschließt den langen Reigen wechselnder Gestalten, die in

diesen Büchern an uns vorüber zogen, ein Mann der den Namen eines

Helden aus dem siebenjährigen Kriege führt; des Krieges von dessen

heroischen Nachklängen Ludwig Tieck’s bürgerlich-treu-preußisches

Vaterhaus wiederhallte, mit denen das Kind aufwuchs. -- Ein Mann,

den poetisch-dunkler Drang auf die Bretter führte; nach welchen

Tieck der Jüngling sich schwärmerisch gesehnt; -- ein Mann, der

sich in Shakspeare’s Herrlichkeit versenkte, und manche jener

ewigen Schöpfungen glücklich darstellte; -- ein Mann endlich, der

kein Glück in Ausübung der Kunst, keinen Frieden im Streben, keine

Ruhe auf Erden fand, der Ruhe in der Erde gesucht hat, Frieden im

Jenseits!

Briefe an Ludwig Tieck (4/4) Vierter Band · 第 285 / 310 题