_Berlin_, d. 5t. Dec. 1824.
Mit dem grösten Danke erkenne ich die freundschaftliche Theilnahme, die
Sie mir in Ihren Briefen darlegen, innigst geliebter verehrter Freund,
und glauben Sie mir, ich habe in Gedanken schon manche Lese- und
Theaterprobe mit Ihnen durchgemacht, Hamlet und König Johann vor Ihnen
dargestellt, und auch hin und wieder eine meiner Ansichten verfochten,
die Sie nicht billigten. Aber nur in Gedanken! Es geht so schnell nicht
mit einem Menschen, der durch Kontrakte gebunden ist. Wäre Graf Brühl
hier, so würde sich Alles viel schneller lösen, aber der Geschäftsgang
kehrt sich nicht an unsere poetischen Wünsche, und ich würde mir mit
Ungestüm nur den Kopf einstoßen. -- Der Gang der Sache ist folgender:
Meine Entlassung überlegt sich die General-Intendanz und trifft
Maßregeln unsere Plätze auszufüllen, denn sie muß mit Vorschlägen damit
an den Minister Fürst Wittgenstein gehen, sonst rückt die Sache gar
nicht, und hat dieser die Sache untersucht, so geschieht dem König
darüber der Vortrag. Umgehe ich Alles und schreibe an den König, was
mir einen Monatsgehalt Strafe kostet, so geht mein Schreiben an den
Grafen zurück, und beginnt den alten Weg. Indessen, wenn die Rückkehr
des Grafen Brühl sich verzögert, so schreibe ich doch an den König,
denn ich habe durch seine Abwesenheit eine Entschuldigung, da die
interimistische Verwaltung sich nicht damit befassen will. -- Obgleich
mein Weggehen viel Aufsehn machen und mancher es mißbilligen wird,
so zweifle ich nicht Entlassung zu erhalten, ich habe mir neuerdings
einige Feinde gemacht, die bey unserem Abschiede kräftig mitwirken
werden.
Glauben Sie nur, daß ich das Angenehme und Vortheilhafte unserer Lage
in Dresden vollkommen einsehe. Daß ich den Nutzen für meine Kunst,
der mir in Ihrer Nähe erwächst längst überlegt habe, daß es keiner
Aufforderung bedarf, einem schönen poetischen heitern in jeder Hinsicht
vielversprechenden Leben entgegenzugehen, und daß ich nichts versäumen
werde, was dazu wirken kann, aber an Neujahr glaube ich nicht. Bedenken
Sie nur ein so ungeheures Institut wie das hiesige Theater, und zwey
Mitglieder, die so einstudirt sind wie wir. Indessen gerade bey solchen
Gelegenheiten zeigt man Menschen, die man einmal aufgiebt, gern
eine Art Geringschätzung, und so wäre es auch möglich, daß sich die
General-Intendanz vor der Hand mit Gastrollen hilft, biß sie unsere
Plätze besetzen kann, aber auch dazu muß sie Zeit zu Maßregeln haben.
Denken Sie sich meine Lage, der ich gerade jetzt in dieser Ungewißheit
und mit Einem Beine im Bügel, mehr als je auftreten muß, und eine neue
Rolle nach der anderen zu memoriren habe. Mir vergehen manchmal die
Gedanken. Ein Paar hübsche neue komische Rollen habe ich in dieser
Zeit geliefert, worüber Sie recht ordentlich lachen sollen, wenn ich
sie Ihnen vorspiele. Es ist mitunter für den Künstler recht gut, wenn
er von allen Seiten gedrängt, gepufft und gezwickt wird, die Funken
leuchten um so heller, wenn es mit Gewalt Feuer geben muß.
Leben Sie wohl mein Freund, und wenn unsre Sache gut ausgeht, wollen
wir dem alten Shakspear noch viel anhaben, und uns in mancher heiteren
Stunde berathschlagen, wie wir unser Feuerwerk auf dem Dresdner Theater
losbrennen. Es soll schon gut werden!
Tausend Empfehlungen von meiner Frau, und von uns beyden allen den
Ihrigen.