_Halle_, 26. Dec. 1846.
_Innigst verehrter Herr Geheimer Rath!_
Zu einer Zeit, als ich kaum umgekehrt war von der Schwelle des Todes
erquickten mich unbeschreiblich die theilnehmenden Grüße und Anfragen,
welche Frau Professorin Solger von Ihnen meiner Frau überbrachte. Haben
Sie dafür tausend herzlichen, wenn auch verspäteten, Dank. Allmälig ist
denn die Krankheit nun ja mehr und mehr gewichen. Einige im Westen und
Süden verbrachte Monate haben neue Kräfte gegeben, und als Zeichen, daß
der Genesene nach seinen Vorlesungen und überhäuften Acten-Arbeiten
auch noch zu andern Dingen rüstig ist, sende ich Ihnen beifolgendes,
freilich ziemlich interesseloses Sendschreiben. Vielleicht indeß
erinnern die Notizen über alte Ausgaben der göttlichen Komödie Sie an
eine Episode einer Ihrer herrlichen Novellen.
Auf das Aeußerste erschreckte mich, als ich von Mailand zurückkehrte,
die Nachricht von Ihrer bedenklichen Erkrankung. Zwar lauteten seitdem
die Nachrichten Gottlob fortwährend günstiger, doch werde ich erst
dann vollkommen beruhigt seyn, wenn ich sie durch die zum Feste nach
Berlin gegangenen Freunde zu weiterem Guten bestätigt höre. Wie gerne
wäre ich während dieser kurzen Ferienzeit selber nach Berlin geeilt,
um mich persönlich von Ihrem Befinden zu überzeugen, wäre diese kalte
Winterluft meiner noch immer leidenden Brust nicht allzu gefährlich
und hätte nicht der ungewöhnliche Schnee mein sonst so beliebtes
Communicationsmittel, die Eisenbahn, fast außer Thätigkeit gesetzt.
Meine Frau, die mich beauftragt, ihre wärmste Verehrung und
Anhänglichkeit Ihnen auszudrücken, wie wir beide der Frau Gräfin uns
angelegentlich empfehlen, ist schon seit ein Paar Jahren fast immer
etwas leidend und der Gebrauch von Ems hat ihr dieses Jahr eher übel
als gut gethan.
Möchten im neuen Jahre meine herzlichen Wünsche für Ihr Ergehn recht
vollständig erfüllt werden, und möchten Sie Ihr theures Wohlwollen auch
ferner Dem erhalten, der mit innigster Verehrung sich nennt