_Adolf Wagner_.
(Der letzte Brief an Tieck, wenig Monate vor W.’s Tode, schon mit
unsicherer Hand geschrieben.)
=Weber, Gottfried.=
Geb. am 1. März 1779 zu Fraunsheim in Rheinbayern, gestorben am 21.
September 1839 zu Kreuznach.
Versuch einer geordneten Theorie der Tonsetzkunst, 2 Bde. (1817.)
-- Allgemeine Musiklehre (in 3ter Auflage 1833.) -- u. a. W.
Als Staatsprokurator in Darmstadt angestellt, redigirte er,
durch Amtsgeschäfte unbehindert, fortwährend seine musikalische
Zeitschrift Cäcilia, und stand im vertrautesten Verkehr mit den
edlen Familien, die das dortige Leben geistig schmückten. Sein
Haus, eine Heimath der Töne, war auch der Poesie offen; für alles
Gute und Schöne gab es dort empfängliches Verständniß. Nicht frei
von hypochondrischen Launen, ging er alsbald in Freudigkeit auf,
wenn die rechten Saiten angeschlagen wurden. Dann liebte er auch
zu erzählen von seinem Namensvetter Karl Maria, von Meyerbeer
und ihrem gemeinsamen Lehrer, dem Abbé Vogler. Seine Gattin,
Mutter lustiger Kinder, sang reizende Duetten mit ihm, die er
auf der Guitarre begleitete. In solchen Stunden war nichts vom
Staatsprokurator an ihm zu entdecken.
_Darmstadt_, den 21. Dec. 1828.
_Verehrtester Herr Hofrath_.
Mahnbriefe von alten Gläubigern erscheinen nie willkommen, und
verdrüßlich werden also auch Sie meinen gegenwärtigen Brief empfangen,
welcher sogar dummdreist genug ist, sich gleich von vorne herein
geradezu als einen Mahnbrief anzukündigen, statt wenigstens glimpflich
hinten herum zu kommen.
Aber da hilft nun einmal Alles nicht, Verehrtester, ich bin in meiner
Eigenschaft als Vormund eines braven deutschen Mädchens, obhabender
Pflichten halber, nun einmal genöthigt, Sie als deren Schuldner in
Anspruch zu nehmen, und alles Ernstes zu mahnen, Sich der, gegen
dieselbe übernommenen Verbindlichkeiten ohne weitere Zahlungs-Saumsal
zu entledigen. Wie? -- oder meinen Sie denn etwa, Herr! -- meinen Sie
denn, meine arme, durch ihre langjährige unerhörte Liebe zu Ihnen nur
schon allzu unglücklich gemachte Cäcilia, nachdem sie erst lange um
eine Gunstbezeugung von Ihnen geworben und endlich mit gebrochenem,
blutendem Herzen ihren großen Schmerz in den innersten Busen
verschlossen und auf die schönste ihrer Hoffnungen resignirt hatte,
durch ihre jüngsthierigen freundlichen Blicke aber wieder zu neuen
Hoffnungen berechtigt worden war, -- meinen Sie denn, Herr! Herr!! das
arme Mädchen werde die neugeweckte Liebespein ohne reelle Erhörung,
auch jetzt wieder zu ertragen vermögen? Wollen Sie zum Mörder der
Unglücklichen werden? Sie Felsenherz!
Ich will Ihnen, lieber Verehrtester, nicht weiter die Zeit lang machen
mit Redensarten, sondern recht freundlich bitten: Sie waren bei Ihrer
hiesigen Anwesenheit so gütig, mir Ihre Mitwirkung zur Cäcilia zu
versprechen: lösen Sie diese freundliche Zusage doch auch bald ein,
und lassen Sie sich das hier beiliegende Anschreiben der Verlaghandlung
empfohlen sein. _Was_ Sie immer senden wollen, wird dankbar
erkannt werden, wäre es auch nur eine Hand voll Gedankenspähne. Daß es
_durchaus_ nicht gerade eine Abhandlung über einen musikalischen
Gegenstand zu sein braucht, versteht sich ohnehin. Aeußerst erfreulich
würden unter Anderem auch etwa eine oder ein Paar Novellen sein, wenn
auch nur etwa grade _so_ viel von Musik darin vorkommt, als z. B.
in Ihrer vor mir liegenden Novelle: „Glück bringt Verstand“ von der
Freimaurerei, oder in: „Der 19. November“ von Schiffbaukunst, oder in
beiden von Katzen vorkommt.
Daß die Verlaghandlung das von Ihnen bestimmt werdende Honorar mit
Vergnügen leisten wird, habe ich bereits die Ehre gehabt, Ihnen im
Voraus zu versichern. Seien Sie nun, verehrtester Herr, so freundlich
und lassen uns nicht noch länger auf dem spurlosen Meere der Hoffnungen
und Erwartungen herumtreiben.
Möge die Rheinreise Ihr Wohlbefinden haltbar gefördert und wir Hoffnung
haben, Sie bald wieder bei uns zu sehen. Lassen Sie mich mit meiner
Frau Ihnen und den verehrten Ihrigen empfohlen sein, und genehmigen Sie
die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung