Sonnabends,
den 2ten März 1793.
_Mein bester Tieck_.
Gottlob, daß ich doch einmal wieder ein paar Zeilen von Dir am Montag
erhielt. So wenig es war, so machte es mich doch ganz außerordentlich
froh. Du bist nach Kassel gereist; deswegen schrieb ich Dir nicht am
Dienstag; nun wirst Du wohl zurück seyn. Deinen Abdallah kann ich erst
in den folgenden Tagen lesen; ich habe ihn Deiner Schwester geliehen
gehabt.
Seit vorigen Ostern hab ich Dich nie so vermißt, hab ich nie so
ungeduldig den herzerhebenden Umgang mit Dir zurückgewünscht, als in
diesen letzten Monaten. Zuweilen habe ich indeß, ich muß es gestehen,
einige sehr vergnügte Stunden; allein ich kann es mir nicht verbergen,
daß ich bey Dir ein ganz anderes, höheres Vergnügen empfinden würde.
Von Erlangen hab ich Antwort; wir haben eine Wohnung von 2 Stuben und
1 Kammer neben einander, bey einem Schneider. Sie soll sehr gut seyn
und in guter Gegend liegen. Die Gegend um Erlangen, im Anspachschen
und Baireuthschen &c. &c. wird sehr gerühmt; Erlangen selbst, nicht
von allen. Der Himmel gebe, daß Du Dich dort glücklich finden mögest.
Nur wirst Du den Umgang mit so vielen interessanten Köpfen, wie in
Göttingen, dort leider wohl vermissen. -- Aber ich kann Dir unmöglich
mehr schreiben, Du mußt Alles übrige mündlich von mir hören.
Ich wiederhohle meine dringenden Bitten, uns bald zu schreiben, wenn Du
kannst, und -- in ein Paar Wochen zu kommen. _Hier_ mußt Du dann
vornehmlich für Deine liebe Schwester leben. Ich mache wenig oder gar
keine Ansprüche auf Dich, weil ich dann -- (welche herrliche Aussicht)
so lange genieße. -- Alles übrige mündlich. Komm nur in 14 Tagen. Ja?