_Düsseldorf_, ... Januar 1846.
_Mein hochverehrter Freund!_
Beigehend erhalten Sie die gewünschten Briefe (und zwar auch die
bereits in Abschrift zugesandten, da doch irgend ein Abschreibefehler
übersehen worden seyn könnte) im Original. Leider sind einige derselben
nicht ganz vollständig erhalten. Ihre gütige Zusage, mir diese Briefe
baldmöglichst wieder zurückzustellen, nehme ich mit Dank an. Sie werden
am besten fühlen, welch’ ein Schatz dieselben für mich sind.
Recht innig hat es mich gerührt, daß Sie meiner in Ihren gesammelten
dramaturgischen Blättern gedenken wollen. Fühle ich mich doch oft so
ganz vergessen und aus der Literatur abhanden gekommen. Vielleicht
würde ich mehr für die Bühne geleistet haben; aber die ungünstige
Aufnahme der Rosamunde in Dresden, die durch die Zeitverhältnisse
verhinderte Aufführung in Wien (Schreivogel interessirte sich sehr
dafür), so wie die Zurückweisung derselben in Berlin, wobei unser
Freund Raumer nicht ohne Schuld ist, hatten mich in meinen Erwartungen,
die ich auf die Bühne setzte, irre gemacht und die Zuflucht, bloß für
den Leser Dramen zu dichten, wollte auch nicht genügen. Lassen sie sich
doch von dem Werke, das ich jetzt wieder unter der Feder habe und woran
ich, wenn mich nicht mein fortdauerndes Unwohlseyn hemmte, mit Lust
und Liebe arbeiten würde, durch Röstell erzählen, der während meines
letzten Aufenthaltes in Berlin einen großen Theil des ersten Bandes
kennen gelernt hat.
Wie herrlich, daß wir bald wieder etwas von Ihrer Hand und etwas so
wichtiges, wie Ihre dramaturgischen Mittheilungen zu erwarten haben.
Die Immermann war sehr glücklich über die ihr zugestellten Grüße. Ich
aber bin und bleibe