Den 11ten Febr. 1827.
_Mein theuerster Freund!_
Zürnen Sie mir nicht, daß ich Ihre Briefe so lange ohne Antwort
gelassen und Ihnen auch noch über Ihr neues Schauspiel nichts gesagt
habe. Glauben Sie mir indeß, keine Nachlässigkeit oder verminderte
Freundschaft ist Schuld an der Verzögerung, sondern überhäufte
Geschäfte und Arbeiten, mit Unpäßlichkeit wechselnd. -- Ich hatte,
aufrichtig gestanden, bei Ihrer Verstimmung und Kränklichkeit dies
neue Schauspiel[10] noch lange nicht erwartet, denn ein solches
Gedicht verlangt den ganzen Menschen und volle Kraft, es kann zuweilen
den Gesunden krank, schwerlich den Kranken, Ueberreizten gesund machen.
Ich las es sogleich mit der größten Begierde und finde, daß ich Ihnen
denn doch nicht gut gerathen habe. Nachdem ich Ihr Schauspiel drei,
viermal wieder durchgelesen habe, fühle ich immer deutlicher, was ich
schon das erstemal sah, daß die eigentliche Kraft und Begeisterung, der
Enthusiasmus, das Tragische, und daher die Wahrheit und Ueberzeugung
ermangelt. Sie haben zu schnell, zu sehr und zu arbeitend gearbeitet.
Ich glaube auch, daß die Scene nicht in Nürnberg, sondern etwa in
Mailand und zwar in einer frühern Zeit sein müsse. So wie es da ist,
erscheint der Gegenstand zu kleinlich und, wie gesagt, ohne Motive.
Es wird Ihnen gewiß, wenn Sie die Sache ein wenig ruhen lassen, nicht
schwer werden, die eigentliche Begeisterung, die Leidenschaft für die
Gegenstände zu finden, wodurch sich doch nur der Enthusiasmus dem
Zuschauer mittheilt.
Ich gestehe unverholen, daß es mir nicht lieb ist, daß Sie schon andern
Freunden Ihr Gedicht gezeigt haben: auch der Stich, -- darüber kommen
Meinungen, von den Schauspielern ganz schiefe Urtheile herum, die auch
der künftigen Umarbeitung schaden können. So, wie das Stück jetzt da
liegt, rathe ich nicht, es irgend einer Bühne anzubieten.
Ich wünschte aber, wir hätten Gelegenheit uns mündlich über diesen
Gegenstand zu besprechen, weil die Briefe so gar ungenügend sind,
sich auch die Sache nicht in so kurze Worte fassen läßt. Ein
Schauspiel, welches auf der Politik ruht, ist überhaupt vielleicht
das schwierigste, weil die Grundsätze und Ansichten der Klugheit,
Verfassung, Reform und Revolution in Leidenschaft müssen gesetzt und
mit den übrigen Leidenschaften verbunden werden, dabei aber doch so
viel Vernunft für sich haben, daß sie auf diesem Wege täuschen und
beruhigen können.
Nehmen Sie meine Freimüthigkeit, wie sie gemeint ist. Mein Gefühl ist
aufrichtig und für Sie wahrhaft zärtlich freundschaftlich. Sie müssen
nach Alexandern keinen Rückschritt thun. Dieser ist auch keiner, nur zu
eilig gethan, vorschnell. -- Kann ich nicht vom Alexander ein Exemplar
auch eine Vorrede oder diese allein erhalten? Warum sind Ihre Briefe so
ceremoniös, nicht so natürlich, wie die meinigen.
In Eil. Ein andermal mehr.