IV.

_Dresden_, den 10. Dec. 1825.

_Geehrter Herr von Uechtritz!_

Es freut mich Ihnen melden zu können, daß das hiesige Theater Ihren

Darius und Alexander mit großem Vergnügen empfangen und angenommen

hat. Vorläufig ist die erste Aufführung auf den 24ten Januar kommenden

Jahres angesetzt, und da ich allen Fleiß anwenden werde, damit das

Stück, so weit mein Einfluß nur reicht, gut gespielt und würdig

überhaupt dargestellt werde, so verspreche ich mir einen glücklichen

Erfolg, und glaube, daß wenn selbst die Darstellung um einige Tage

aufgeschoben werden sollte, sie doch gewiß noch im Februar erfolgt.

Auf jeden Fall melde ich Ihnen selbst oder durch jemand anders noch

einmal den ganz festen Tag der Aufführung, und es wird uns allen hier

große Freude machen, Sie alsdann auf einige Zeit hier zu sehn. Es wird

mir sehr angenehm sein, da ich Ihnen schon so manches vorgelesen habe,

Ihnen Ihr eignes Gedicht vorzutragen, das bei dem kleinen Publicum,

dem ich es bis jetzt zu verschiedenen Malen mitgetheilt habe, großen

Beifall gefunden hat. Auch Ihren Wunsch, etwas über dieses Gedicht

öffentlich zu sagen, denke ich zu erfüllen, und an einem Orte, wo es

Ihnen hoffentlich nicht unangenehm sein wird. Sprache und Vers könnten

hie und da mehr ausgearbeitet sein: der Ausdruck schwankt: hie und da,

auch im Anfang, erinnert er an Kleist, dem man nicht nachahmen soll:

aber mit allen Fehlern, die die Kritik vielleicht entdecken kann und

soll, hat mir seit dem Homburg kein dramatisches Gedicht eine so reine

Freude gewährt. Wahre Begeisterung hat es hervorgebracht; darum muß es

auch andre begeistern. --

Mündlich mehr; jetzt nur noch die Versicherung, daß ich mit wahrer

Liebe und Hochachtung bin und bleibe

Briefe an Ludwig Tieck (4/4) Vierter Band · 第 134 / 310 题