III.

_Berlin_, den 15. Dezember 1822.

_Wohlgeborner Herr!_

_Hochzuverehrender Herr!_

Ew. Wohlgeboren haben mir auf die Uebersendung des Chrysostomus nicht

erwiedert und dennoch wage ich auf die Gefahr hin, zudringlich zu

erscheinen, Ihnen einen neuen dramatischen Versuch in dem einzigen

Manuscript, das ich davon besitze, vorzulegen. Ich hoffe mich darin

von den Irrthümern befreyt zu haben, die mich bey der Wahl des Stoffes

sowie der Behandlung des Chrysostomus verleiteten. Wenigstens für ein

sich bildendes poetisches Talent ungünstige Umgebungen, unter denen

ich A. Müller nennen muß, tragen, wiewohl nur mittelbar, die Schuld

dieser Irrthümer, die freylich für mein Talent kein günstiges Zeugniß

ablegen. Im Otto glaube ich endlich zu mir selbst zurückgekommen

zu seyn und die vielleicht zu eitle Hoffnung von Ew. Wohlgeboren

auf diesem wiedergewonnenen Wege, wenn auch nur mit wenigen Worten,

berathen und ermuntert zu werden, hat mich so kühn gemacht, Ew.

Wohlgeboren nochmals zu belästigen.

Genehmigen Ew. Wohlgeboren die ehrerbietigste Versicherung meiner

Hochachtung und Verehrung, womit ich die Ehre habe zu verharren

Briefe an Ludwig Tieck (4/4) Vierter Band · 第 132 / 310 题