I.

_Stuttgart_, 21. März 39.

_Euer Hochwohlgeboren_

würde ich kaum hoffen können, meine Person noch in Erinnerung zu rufen,

könnte ich diese nicht glücklicherweise an einen Besuch von Raumer

bei Ihnen anknüpfen, mit welchem ich im Jahre 1832 auf der Reise

zusammengetroffen war, und mehreren Ihrer abendlichen Vorlesungen

besonders der unvergeßlichen der „Sündfluth,“ wenn ich den Titel

noch recht weiß, beizuwohnen die Ehre hatte. Die Freundlichkeit, mit

welcher Sie mich damals aufnahmen, gibt mir den Muth, meinem Freunde

und Landsmann Kern, einem hoffnungsvollen jungen Theologen, von vieler

ästhetischen Bildung, seinem Wunsche gemäß ein paar Zeilen mitzugeben,

die ihm vielleicht das Glück verschaffen werden, sich Ihnen vorstellen

zu dürfen.

Ihren poetischen Schöpfungen folge ich immer mit allem Interesse;

für den unsterblichen Tod des Dichters nehmen Sie ganz besonders

meinen begeisterten Dank. Aber die Cevennen? sollen sie denn wirklich

ein Torso bleiben? -- Was meine seitherigen literarischen Arbeiten

betrifft, so täuscht mich gewiß die Hoffnung nicht, daß Sie dieselben

nicht mit Tendenzen verwechselt haben, die mir gewiß so sehr wie Ihnen

selbst zuwider sind.

Von meinem Landsmann und alten Freunde N.[8], an den Sie Sich damals

gütig erinnerten, sind seitdem Nachrichten eingegangen; er ist

ein fanatisch gläubiger Methodistenprediger in Nord-America; auch

verheirathet; bezeichnend ist eine Stelle seines Briefs hierüber; am

Abende der Trauung, schreibt er, wurde gebetet &c. „und da hatten wir

einen Vorschmack von dem Reiche, wo man weder freit, noch sich freien

läßt.“

Mit dem herzlichen Wunsche, daß Sie sich zur Ehre Deutschlands noch

lange Jahre frisch und gesund erhalten möchten, bin ich

Briefe an Ludwig Tieck (4/4) Vierter Band · 第 122 / 310 题