XIX.

_Berlin_, d. 11t. Octbr. 36

_Lieber Tieck!_

Meine Frau hat ohne Zweifel alles abgehandelt, was der Gegenstand eines

Briefes seyn kann, so daß mir nichts übrig bleibt, als Euch Allen für

die freundliche Aufnahme und für die schönen Tage zu danken, die wir

unter Euch verlebten. Sie waren uns doppelt angenehm, da wir so Manches

anders und besser fanden, als wir erwarten dürften. -- Die Gräfin und

Dich nach so großen Gefahren wohl und gesund, ja beide so angenehm

heiter, wie das herrliche Wetter und die schöne Gegend.

Die arme Malchen quält sich leider; aber wir hoffen, daß Sie jetzt

erleichtert ist und sich, wenn diese Zeilen ankommen, wohl sogar erholt

hat von der Operation.

Unsere Reise war recht schön. -- Hier habe ich den Reichthum der

Kunstausstellung und einiges Vortreffliche bewundert. -- Deine Büste

hier ist ohne allen Vergleich besser als die von David, und Alle

erkennen sie als ein Meisterstück Deines Bruders. Das ist aber nicht

der Fall mit dem Gemählde, es scheint uns mislungen und ich wüßte

nichts zu loben, als v. Sternbergs Aehnlichkeit. Zwar scheinen alle mehr

oder weniger ähnlich, aber nicht auf eine angenehme Weise. -- Wäre

doch das große Bild hier. Gewiß es würde Bewunderer haben.

Grüß Alle.

Briefe an Ludwig Tieck (4/4) Vierter Band · 第 113 / 310 题