_Berlin_, d. 11t. Octbr. 36
_Lieber Tieck!_
Meine Frau hat ohne Zweifel alles abgehandelt, was der Gegenstand eines
Briefes seyn kann, so daß mir nichts übrig bleibt, als Euch Allen für
die freundliche Aufnahme und für die schönen Tage zu danken, die wir
unter Euch verlebten. Sie waren uns doppelt angenehm, da wir so Manches
anders und besser fanden, als wir erwarten dürften. -- Die Gräfin und
Dich nach so großen Gefahren wohl und gesund, ja beide so angenehm
heiter, wie das herrliche Wetter und die schöne Gegend.
Die arme Malchen quält sich leider; aber wir hoffen, daß Sie jetzt
erleichtert ist und sich, wenn diese Zeilen ankommen, wohl sogar erholt
hat von der Operation.
Unsere Reise war recht schön. -- Hier habe ich den Reichthum der
Kunstausstellung und einiges Vortreffliche bewundert. -- Deine Büste
hier ist ohne allen Vergleich besser als die von David, und Alle
erkennen sie als ein Meisterstück Deines Bruders. Das ist aber nicht
der Fall mit dem Gemählde, es scheint uns mislungen und ich wüßte
nichts zu loben, als v. Sternbergs Aehnlichkeit. Zwar scheinen alle mehr
oder weniger ähnlich, aber nicht auf eine angenehme Weise. -- Wäre
doch das große Bild hier. Gewiß es würde Bewunderer haben.
Grüß Alle.