_Berlin_, d. 31sten August 1843.
_Hochverehrter Herr Geheimrath!_
Ich bin so frei Ihnen wieder ein Werkchen zu schicken, diesesmal
jedoch nur mit der Bitte um Ihr Urtheil darüber. Es ist in vier Tagen
aufgefaßt und niedergeschrieben, als Ableitung einer peinigenden
Ungeduld. Um den dritten Akt bin ich etwas besorgt, da ich ihn gleich
gestern Abend in’s Reine geschrieben. Noch keine meiner Arbeiten hat
mir jedoch unmittelbar nach der Vollendung so im Ganzen gefallen, als
dieser melankolische Scherz und ich nehme das für ein gutes Zeichen.
Freuen würd’ es mich, wenn das Stück sich Ihre Zufriedenheit erwürbe,
da ich als Dramatiker nicht wohl bei Ihnen zum ersten Male bestanden.
Ist es wohl werth aufgeführt zu werden? Welchen Weg hätte ich da
einzuschlagen. Ein bloßes Hinsenden an eine Direktion ist langwierig
und mir wäre es lieb wegen meiner Schwester, je eher desto lieber
einen kleinen Einfluß auf die Bretterwelt zu erlangen. Werden Sie
mich auch nicht für unleidlich zudringlich ansehn müssen? Aber setzen
Sie sich in meine Lage, die in diesem Augenblick nicht die beste ist,
wäre nicht noch das Bißchen Hoffnung, so müßte man verzweifeln. Alle
meine Schritte für uns das Nothwendige zu besorgen, sind bis heute
fruchtlos im Wesentlichen geblieben. Nun faßte ich den Plan, meine
Vorreden an einen kunstliebenden, mir bekannten hiesigen Bankier,
der mir in frühern Zeiten manchmal geholfen, zu schicken mit einer
Art von Zueignung an ihn und der beiläufigen Bitte um einen Vorschuß
von 30 Thlr., bis das Werk gedruckt ist. Ich würde wie ich den Mann
kenne nicht schlecht spekuliren, wenn er um Ihre Vorrede wüßte, aber
auch nur in diesem Falle dürfte ich hoffen, denn der Mann hat kein
selbstständiges Urtheil. So unangenehm das ganze Verfahren mich auch
berühren möchte, so thäte ich’s doch, wenn Sie mir die Erlaubniß dazu
gäben, denn was unternimmt man nicht in der Noth. Meiner Schwester
Engagement nach Strahlsund ist fest und hat sich so verzögern lassen,
daß wir erst zum 15ten Sept. dazusein brauchen. Da wäre nun wieder Raum
zu spekuliren und zu hoffen.
Ich habe in diesen Tagen auf der Folter gelegen; allerlei Vermuthungen,
wie sie mir bald die Furcht, bald die Hoffnung eingab, gingen mir
durch den Kopf. Ich konnte es nicht unterlassen, mich auf der Post zu
erkundigen, ob Briefe an Sie auch sicher bestellt seien? Die Antwort
war beruhigend und ich schrieb an meinem Drama. Nun es fertig ist,
erwache ich aus einem Traume und sehe besorgt um mich. Verzeihen Sie
meiner Ungeduld, stets schwebe ich in Angst, Sie möchten unsrer schon
überdrüssig sein oder es doch alle Augenblicke werden. Meine Schwester
nimmt sich die Freiheit selbst an Sie zu schreiben und auch ich hätte
Sie noch nicht belästigt, wüßte ich nicht, daß ich in einem meiner
Briefe Ihnen geschrieben, wir könnten schon zum 1sten Sept. fort
sein. Nun fiel es mir ein, daß Sie dann nicht wissen würden, wo wir
eigentlich stecken, falls Sie uns mit einigen Worten beglücken wollten.
Bei den Karten sucht’ ich nach alter Angewöhnung auch schon Trost, fand
aber keinen sonderlichen, denn sie sprechen in der letzten Zeit nur von
Unwohlsein und Fehlschlägen, die Sie in Gedanken führen sollen.
Gott wende alles zum Besten, erwerbe oder erhalte mir Ihr Wohlwollen.