_Madlitz_, den 13ten September 1812.
Mit vielem Dank sende ich Dir liebster Freund hierbei den Phantasus
zurück. Wie sehr mir die Einleitung dazu gefallen, sagte ich Dir schon
nach der Vorlesung. Diese aber hatte mir immer noch nicht den Eindruck
gewähren können, welcher sich erst davon trägt, wenn man sie und die
Unterredungen nicht abgesondert, sondern in ihrem Zusammenhange mit
den Dichtungen genießt, zu denen sie gehören. Erst dann wird man des
Reitzes theilhaftig, der sich dadurch so anziehend über das Ganze
verbreitet, daß das in den Dichtungen sich regende unmittelbare
Leben einen so wunderbaren Contrast mit dem mannigfaltigen Hin- und
Hersprechen bildet, welches dazwischen unter den Erzählern vollführt
wird. Ich glaube daher auch, daß es dem Buche recht vortheilhaft
sein muß, wenn der Darstellung des Wesens der Erzähler, und in ihm
des Wesens ihrer Zeit zwischen den Dichtungen recht viel Platz
vergönnt wird, so daß die letztern hierdurch recht wie Erinnerungen
theils an die gewesene, theils an die noch in der Dunkelheit und
Zurückgezogenheit wohnende unmittelbare Poesie des Lebens den Leser
antreten. Von den neuen mir erst jetzt bekannt gewordenen Dichtungen
sind mir die Elfen und der Pokal ganz vorzüglich lieb, die ich in jeder
Hinsicht für sehr gelungen halten muß.
Ich übersende Dir nun auch mein Trauerspiel, den letzten Akt aber
so, wie ich ihn während des Dichtens niedergeschrieben habe, mit den
während dessen und beim Ueberlesen gemachten Correkturen, also auch
vielleicht etwas unleserlich. Du solltest ihn in seinem ersten Wurf
sehen, und ich wollte Dich erst hören, bevor ich zu Aenderungen und
Verbeßerungen schritt. Ich glaube im zweiten Akt wird Guiscardo den
einen Monolog in fünffüßigen Jamben sprechen müssen, auch vielleicht im
dritten Akt den, wo er nach dem Anselmo auftritt, und dann könnten sie
wohl auch im ersten Akt beibehalten werden, denn ich bin der Meinung,
daß sie als Unterbrechung der beständigen Assonanzen doch gut thun.
Solltest Du den Triumpf der Vorzeit durchgesehen, das nöthige
angestrichen, auch einiges geändert haben, so hätte ich ihn wohl gern
bald zurück, um ihn an Fr. Schlegel zu senden. Wenn es Dir also möglich
ist, so sey so gut ihn mir recht bald zuzusenden.
Das Buch, die Einsamkeit der Weltüberwinder sende ich Dir noch nicht
zurück, sondern wünsche es noch einige Zeit zu behalten. Es ist mir so
erbaulich gewesen, daß ich mich nicht gern davon trenne.
Wegen Carls Bibliothek habe ich mit Rosa gesprochen. Sie will nochmals
dessen Brüder fragen, ob sie solche nicht in der Art erhalten können,
daß sie dereinst dem kleinen Sohne bleibt. Geht dies nicht, so will sie
einen Catalogus davon dem Staats-Rath Roux nach Berlin senden, mit dem
Ersuchen, sie ihr denn auch im Ganzen zu verkaufen. Ich habe hierauf
von meiner Intention noch nichts geäußert: sondern denke es wird gut
sein, ihr demnächst erst zu sagen, daß man sie für 1000 Thlr. oder weil
ich zweifle, daß jemand in Berlin so viel dafür bieten wird, für das
dort geschehene Gebot annehmen wolle. Sage mir Deine Meinung darüber.
Zeit ist nicht verloren, weil der Verlass noch nicht abgeschlossen
ist, sondern erst bei der nächsten Anwesenheit des Bürger-Meister
Cranz vollzogen werden soll, und erst nachdem dies geschehen ist,
kann sie eine Disposition treffen. Sie wünscht aber den Catalogus zu
besitzen, um ihn Hrn. Roux zu schicken, und ich bitte daher, ihn mir zu
übersenden. Wenn Du meinst, so könnte ich ihr vor der Absendung merken
laßen, ich wolle abwarten, wofür Roux hoffe, die Bibliothek verkaufen
zu können, und würde sie vielleicht auch nehmen.
Lebe wohl. Grüße alle.