Sie war, seitdem sie sich in Weimar niedergelassen, und so lange
sie dort „ein Haus machte“ -- ein für ihre Verhältnisse vielleicht
zu gastfreies! -- so recht eigentlich die Providenz aller Fremden,
welche ihr nur irgend würdig erschienen, darin aufgenommen zu
werden. Goethe, da er noch des Abends ausging, ließ sich’s gar gern
bei ihr gefallen; entlud sich auch häufig des Andranges von Gästen,
indem er den Strom der Geselligkeit aus seinen Räumen nach denen
der theuren Freundin zu leiten verstand. Es dürften wohl wenig
Mitlebende so tief und innig eingeweiht gewesen sein in _alle_
Geheimnisse des „Hauses am Plan“ wie Frau Johanna. Nur ihren
Vertrautesten erschloß in ungestörter Plauderstunde die hochbegabte
Genossin großer Tage ihr sonst festverwahrtes Schatzkästlein
weimarischer Reminiscenzen. Es ist sehr zu bedauern, daß sie
hinüberging, ohne den oftmals gehegten, oftmals wieder aufgegebenen
Vorsatz ausgeführt zu haben, den sie mit den Worten bezeichnete:
„Was ich zu erzählen wüßte, weiß kein Anderer zu erzählen.... aber
ich hab’ eine heilige Scheu!“
Gerade diese „heilige Scheu“ würde ihrer Feder ohne Anstoß über
manche gefährliche Stelle geholfen haben.
Leider sind einzelne ihrer zutraulichsten Mittheilungen durch den
Mund ihrer Tochter Adele an deren Jugendfreundin übergegangen, und
letztere hat sie wieder ihrem, unzählige Bücher anfertigenden,
Herrn Gemahl gegeben; und so war ein Schandbüchlein entstanden,
von welchem die Schopenhauer verzweiflungsvoll klagte: „Es ist mir
entsetzlich, daß in diesem Libell Dinge stehen, die der Verfasser
nur durch mich -- wenigstens mittelbar -- erfahren haben kann!“
Doch ließ es sich nicht ändern.