Räubertrupp (_mit Koth und Staub bedeckt, treten auf._)

~Räuber Moor~ (_vom Pferd springend._) Freyheit! Freyheit! -- -- du

bist im Trocknen, Roller! -- Führ meinen Rappen ab, Schweizer, und

wasch ihn mit Wein. (_Wirft sich auf die Erde._) Das hat gegolten!

~Razmann~ (_zu Roller._) Nun bey der Feueresse des Pluto's! bist du vom

Rad auferstanden?

~Schwarz.~ Bist du sein Geist? oder bin ich ein Narr? oder bist du's

wirklich?

~Roller~ (_in Athem._) Ich bins. Leibhaftig. Ganz. Wo glaubst du, daß

ich herkomme?

~Schwarz.~ Da frag die Hexe! der Stab war schon über dich gebrochen.

~Roller.~ Das war er freylich, und noch mehr. Ich komme recta vom

Galgen her. Laß mich nur erst zu Athem kommen. Der Schweizer wird dir

erzählen. Gebt mir ein Glas Brandtenwein! -- du auch wieder da, Moriz?

Ich dachte dich wo anders wieder zu sehen -- gebt mir doch ein Glas

Brandtenwein! meine Knochen fallen auseinander -- o mein Hauptmann! wo

ist mein Hauptmann?

~Schwarz.~ Gleich, gleich! -- so sag doch, so schwäz doch! wie bist

du davon kommen? wie haben wir dich wieder? der Kopf geht mir um. Vom

Galgen her, sagst du?

~Roller~ (_stürzt eine Flasche Brandtenwein hinunter._) Ah, das

schmeckt, das brennt ein! -- gerades Wegs vom Galgen her! sag ich. Ihr

steht da, und gafft, und könnt's nicht träumen -- ich war auch nur drey

Schritte von der Sakerments-Leiter, auf der ich in den Schoos Abrahams

steigen sollte -- so nah, so nah -- war dir schon mit Haut und Haar auf

die Anatomie verhandelt! hättest mein Leben um'n Prise Schnupftaback

haben können, dem Hauptmann dank ich Luft, Freyheit und Leben.

~Schweizer.~ Es war ein Spaß, der sich hören läßt. Wir hatten den Tag

vorher durch unsre Spionen Wind gekriegt, der Roller liege tüchtig im

Salz, und wenn der Himmel nicht bey Zeit noch einfallen wollte, so

werde er morgen am Tag -- das war als heut -- den Weg alles Fleisches

gehen müssen -- Auf! sagt der Hauptmann, was wiegt ein Freund nicht?

-- Wir retten ihn, oder retten ihn nicht, so wollen wir ihm wenigstens

doch eine Todesfackel anzünden, wie sie noch keinem König geleuchtet

hat, die ihnen den Buckel braun und blau brennen soll. Die ganze Bande

wird aufgeboten. Wir schicken einen Expressen an ihn, der's ihm in

einem Zettelchen beybrachte, das er ihm in die Suppe warf.

~Roller.~ Ich verzweifelte an dem Erfolg.

~Schweizer.~ Wir paßten die Zeit ab, bis die Passagen leer waren.

Die ganze Stadt zog dem Spektakel nach, Reuter und Fußgänger durch

einander und Wagen, der Lerm und der Galgen-Psalm jolten weit. Izt,

sagt der Hauptmann, brennt an, brennt an! Die Kerl flogen wie Pfeile,

steckten die Stadt an drey und dreysig Eken zumal in Brand, werfen

feurige Lunten in die Nähe des Pulverthurms, in Kirchen und Scheunen --

Morbleu es war keine Viertelstunde vergangen, der Nord-Ost-Wind, der

auch seinen Zahn auf die Stadt haben muß, kam uns trefflich zu statten,

und half die Flamme bis hinauf in die obersten Gibel jagen. Wir indeß

Gasse auf Gasse nieder, wie Furien -- Feuerjo! Feuerjo! durch die ganze

Stadt -- Geheul, -- Geschrey -- Gepolter -- fangen an die Brandglocken

zu brummen, knallt der Pulverthurm in die Luft, als wär die Erde mitten

entzwey geborsten, und der Himmel zerplazt, und die Hölle zehntausend

Klafter tiefer versunken.

~Roller.~ Und itzt sah mein Gefolge zurück -- da lag die Stadt wie

Gomorrha und Sodom, der ganze Horizont war Feuer, Schwefel und Rauch,

vierzig Gebürge brüllen den infernalischen Schwank in die Rund herum

nach, ein panischer Schreck schmeißt alle zu Boden -- itzt nutz ich

den Zeitpunkt, und risch, wie der Wind! -- ich war losgebunden, so

nah war's dabey -- da meine Begleiter versteinert wie Loths Weib

zurückschaun, Reißaus! zerrissen die Haufen! davon! Sechzig Schritte

weg werf ich die Kleider ab, stürze mich in den Fluß, schwimm unter'm

Wasser fort, bis ich glaubte ihnen aus dem Gesichte zu seyn. Mein

Hauptmann schon parat mit Pferden und Kleidern -- so bin ich entkommen.

Moor! Moor! möchtest du bald auch in den Pfeffer gerathen, daß ich dir

gleiches mit gleichem vergelten kann!

~Razmann.~ Ein bestialischer Wunsch, für den man dich hängen sollte --

aber es war ein Streich zum Zerplatzen.

~Roller.~ Es war Hülfe in der Noth, ihr könnt's nicht schäzen. Ihr

hättet sollen -- den Strick um den Hals -- mit lebendigem Leib zu

Grabe marschiren wie ich, und die sakermentalischen Anstalten und

Schinders-Ceremonien, und mit jedem Schritt, den der scheue Fuß

vorwärts wankte, näher und fürchterlich näher die verfluchte Maschine,

wo ich einlogirt werden sollte, im Glanz der schröcklichen Morgensonne

steigend, und die laurenden Schinders-Knechte, und die gräßliche Musik

-- noch raunt sie in meinen Ohren -- und das Gekrächz hungriger Raben,

die an meinem halbfaulen Antezessor zu dreysigen hiengen, und das

alles, alles -- und obendrein noch der Vorschmack der Seeligkeit, die

mir blühete! -- Bruder, Bruder! und auf einmal die Losung zur Freyheit

-- Es war ein Knall, als ob dem Himmelfaß ein Raif gesprungen wäre --

hört Kanaillen! ich sag euch, wenn man aus dem glühenden Ofen in's

Eiswasser springt, kann man den Abfall nicht so stark fühlen als ich,

da ich am andern Ufer war.

~Spiegelberg~ (_lacht._) Armer Schlucker! nun ist's ja verschwitzt.

(_trinkt ihm zu._) Zur glücklichen Wiedergeburt!

~Roller~ (_wirft sein Glas weg._) Nein, bey allen Schäzen des Mammons!

ich möchte das nicht zum zweytenmal erleben. Sterben ist etwas mehr als

Harlequins-Sprung, und Todes-Angst ist ärger als Sterben.

~Spiegelberg.~ Und der hüpfende Pulverthurm -- merkst du's izt,

Razmann? -- d'rum stank auch die Luft so nach Schwefel, stundenweit,

als würde die ganze Garderobe des Molochs unter dem Firmament

ausgelüftet -- es war ein Meisterstreich, Hauptmann! ich beneide dich

d'rum.

~Schweizer.~ Macht sich die Stadt eine Freude daraus, meinen Kameraden

wie ein verheztes Schwein abthun zu sehen, was, zum Henker! sollen wir

uns ein Gewissen daraus machen, unserem Kameraden zulieb die Stadt

drauf gehen zu lassen? Und neben her hatten unsere Kerls noch das

gefundene Fressen, über den alten Kaiser zu plündern. -- Sagt einmal!

Was habt ihr weggekapert?

~Einer von der Bande.~ Ich hab mich während des Durcheinanders in die

Stephans-Kirche geschlichen und die Borden vom Altar-Tuch abgetrennt,

der liebe Gott da, sagt' ich, ist ein reicher Mann, und kann ja

Goldfäden aus einem Batzenstrick machen.

~Schweizer.~ Du hast wohl gethan -- was soll auch der Plunder in einer

Kirche? Sie tragens dem Schöpfer zu, der über den Trödelkram lachet,

und seine Geschöpfe dörfen verhungern. -- Und du Spangeler -- wo hast

du dein Netz ausgeworfen?

~Ein zweyter.~ Ich und Bügel haben einen Kaufladen geplündert und

bringen Zeug für unser funfzig mit.

~Ein Dritter.~ Zwey gold'ne Sackuhren hab ich weggebixt, und ein

Dutzend silberne Löffel dazu.

~Schweizer.~ Gut, gut. Und wir haben ihnen ein's angerichtet, d'ran

sie vierzeh'n Tage werden zu löschen haben. Wenn sie dem Feuer wehren

wollen, so müssen sie die Stadt durch Wasser ruiniren -- Weist du

nicht, Schufterle, wie viel es Todte gesetzt hat?

~Schufterle.~ Drey und achtzig sagt man. Der Thurm allein hat ihrer

sechszig zu Staub zerschmettert.

~Räuber Moor~ (_sehr ernst._) Roller, du bist theuer bezahlt.

~Schufterle.~ Pah! pah! was heißt aber das? -- ja, wenn's Männer

gewesen wären -- aber da warens Wikelkinder, die ihre Lacken vergolden,

eingeschnurrte Müttergen, die ihnen die Müken wehrten, ausgedörrte

Ofenhocker, die keine Thüre mehr finden konnten -- Patienten, die

nach dem Doktor winselten, der in seinem gravitätischen Trab der Hatz

nachgezogen war -- Was leichte Beine hatte, war ausgeflogen der Komödie

nach, und nur der Bodensatz der Stadt blieb zurück, die Häuser zu hüten.

~Moor.~ Oh der armen Gewürme! Kranke, sagst du, Greise und Kinder? --

~Schufterle.~ Ja zum Teufel! und Kindbetterinnen darzu, und

hochschwangere Weiber, die befürchteten, unterm lichten Galgen zu

abortiren, junge Frauen, die besorgten sich an den Schinders-Stückchen

zu versehen, und ihrem Kind im Mutterleib den Galgen auf den Buckel zu

brennen -- Arme Poeten, die keinen Schuh anzuziehen hatten, weil sie

ihr einziges Paar in die Mache gegeben, und was das Hundsgesindel mehr

ist, es lohnt sich der Mühe nicht, daß man davon redet. Wie ich von

ungefehr so an einer Barake vorbeygehe, hör ich drinnen ein Gezetter,

ich guk hinein, und wie ich's beym Licht besehe, was war's? Ein Kind

war's, noch frisch und gesund, das lag auf dem Boden unter'm Tisch,

und der Tisch wollte eben angehen, -- Armes Thiergen! sagt' ich, du

verfrierst ja hier, und warf's in die Flamme --

~Moor.~ Wirklich, Schufterle? -- Und diese Flamme brenne in deinem

Busen, bis die Ewigkeit grau wird! -- Fort Ungeheuer! Laß dich nimmer

unter meiner Bande sehen! Murrt ihr? -- Ueberlegt ihr? -- Wer überlegt,

wann Ich befehle? -- Fort mit ihm, sag ich, -- es sind noch mehr unter

euch, die meinem Grimm reif sind. Ich kenne dich, Spiegelberg. Aber ich

will nächstens unter euch treten, und fürchterlich Musterung halten.

(_Sie gehen zitternd ab._)

Die Räuber: Ein Schauspiel · 第 8 / 37 题