Erste Szene

Landstraße zwischen Rom und Antium

Ein Römer und ein Volsker, die sich begegnen

Römer.

Ich kenne Euch recht gut, Freund, und Ihr kennt mich auch.

Ich denke, Ihr heißt Adrian?

Volsker.

Ganz recht. Wahrhaftig, ich hatte Euch vergessen.

Römer.

Ich bin ein Römer und tue jetzt wie Ihr Dienste gegen Rom.

Kennt Ihr mich nun?

Volsker.

Nikanor? nicht?

Römer.

Ganz recht.

Volsker.

Ihr hattet mehr Bart, als ich Euch zuletzt sah; aber

Euer Gesicht wird mir durch Eure Zunge kenntlich.--Was

gibt es Neues in Rom? Ich habe einen Auftrag vom Staat

der Volsker, Euch dort auszukundschaften, und Ihr habt

mir eine Tagereise erspart.

Römer.

In Rom hat es einen seltsamen Aufstand gegeben: das Volk

gegen die Senatoren, Patrizier und Edeln.

Volsker.

Hat es gegeben? Ist es denn nun vorbei? Unser Staat denkt

nicht so; sie machen die stärksten Rüstungen und hoffen,

sie in der Hitze der Entzweiung zu überfallen.

Römer.

Der große Brand ist gelöscht; aber eine geringe Veranlassung

würde ihn wieder in Flammen setzen; denn den Edeln geht die

Verbannung des würdigen Coriolan so zu Herzen, daß sie ganz

in der Stimmung sind, dem Volk alle Gewalt zu nehmen und ihnen

ihre Tribunen auf immer zu entreißen. Dies glimmt unter der

Asche, das kann ich Euch versichern, und ist fast reif zum

heftigsten Ausbruch.

Volsker.

Coriolan verbannt?

Römer.

Ja, verbannt.

Volsker.

Mit der Nachricht werdet Ihr willkommen sein, Nikanor.

Römer.

Das Wetter ist jetzt gut für euch. Man pflegt zu sagen, die

beste Zeit, eine Frau zu verführen, sei, wenn sie sich mit

ihrem Manne überworfen hat. Euer edler Tullus Aufidius kann

sich in diesem Kriege hervortun, da sein großer Gegner Coriolanus

jetzt für sein Vaterland nichts tut.

Volsker.

Das kann ihm nicht fehlen. Wie glücklich war ich, Euch so

unvermutet zu begegnen! Ihr habt meinem Geschäft ein Ende

gemacht, und ich will Euch nun freudig nach Hause begleiten.

Römer.

Ich kann Euch vor dem Abendessen noch höchst sonderbare Dinge

von Rom erzählen, die ihren Feinden sämtlich zum Vorteil gereichen.

Habt ihr ein Heer bereit? Wie?

Volsker.

Ja, und ein wahrhaft königliches. Die Zenturionen und ihre

Mannschaft sind schon förmlich verteilt und stehn im Sold, so

daß sie jede Stunde aufbrechen können.

Römer.

Es freut mich, daß sie so marschfertig sind, und ich denke, ich

bin der Mann, der sie sogleich in Bewegung setzen wird. Also

herzlich willkommen, und höchst vergnügt durch Eure Gesellschaft.

Volsker.

Ihr nehmt mir die Worte aus dem Munde; ich habe die meiste Ursach,

mich dieser Zusammenkunft zu freuen.

Römer.

Gut, laßt uns gehn.

(Sie gehn ab.)

Coriolanus(#6990) · 第 40 / 50 题