Erste Szene

Rom. Eine Straße Hörner.

Es treten auf Coriolanus, Menenius, Cominius, Titus Lartius,

Senatoren und Patrizier

Coriolanus.

Tullus Aufidius drohte denn von neuem?

Titus.

Er tat's; und das war auch die Ursach, schneller

Den Frieden abzuschließen.

Coriolanus.

So stehn die Volsker, wie sie früher standen,

Bereit, wenn sich der Anlaß beut, uns wieder

Zu überziehn.

Cominius.

Sie sind so matt, o Konsul!

Daß wir wohl kaum in unserm Lebensalter

Ihr Banner fliegen sehn.

Coriolanus.

Saht ihr Aufidius?

Titus.

Ich gab ihm Sicherheit; er kam und fluchte

Ergrimmt den Volskern, die so niederträchtig

Die Stadt geräumt. Er lebt in Antium jetzt.

Coriolanus.

Sprach er von mir?

Titus.

Das tat er, Freund.

Coriolanus.

Wie? Was?

Titus.

Wie oft er, Schwert an Schwert, Euch angerannt;

Daß er von allen Dingen auf der Welt

Euch haß zumeist; sein Gut woll er verpfänden

Ohn Hoffnung des Ersatzes, könn er nur

Eur Sieger heißen.

Coriolanus.

Dort in Antium lebt er?

Titus.

In Antium.

Coriolanus.

O! hätt ich Ursach, dort ihn aufzusuchen,

Zu trotzen seinem Haß! Willkommen hier!

(Sicinius und Brutus treten auf.)

Ha! seht, das da sind unsre Volkstribunen,

Zungen des großen Mundes; mir verächtlich,

Weil sie ihrer Amtsgewalt sich brüsten,

Mehr als der Adel dulden kann.

Sicinius.

Nicht weiter!

Coriolanus.

Ha! was ist das?

Brutus.

Es ist gefährlich, geht Ihr--

Zurück!

Coriolanus.

Woher der Wechsel?

Menenius.

Was geschah?

Cominius.

Ward er vom Adel nicht und Volk bestätigt?

Brutus.

Cominius, nein!

Coriolanus.

Hatt ich von Kindern Stimmen?

Erster Senator.

Macht Platz, Tribunen, er soll auf den Markt.

Brutus.

Das Volk ist gegen ihn empört.

Sicinius.

Halt ein!

Sonst Unheil überall.

Coriolanus.

Dies eure Herde?

Die müssen Stimmen haben, jetzt zum Ja

Und gleich zum Nein?--Und ihr, was schafft denn ihr?

Seid ihr das Maul, regiert nicht ihre Zähne?

Habt ihr sie nicht gehetzt?

Menenius.

Seid ruhig, ruhig!

Coriolanus.

Das ist nur ein Komplott und abgekartet,

Um die Gewalt des Adels zu zerbrechen.

Duldet's--und lebt mit Volk, das nicht kann herrschen

Und nicht beherrscht sein.

Brutus.

Nennt es nicht Komplott.

Das Volk schreit, ihr verhöhntet es, und neulich,

Als Korn umsonst verteilt ward, murrtet Ihr,

Schmähtet die Volkesfreunde, schaltet sie

Des Adels Feinde, Schmeichler, Zeitendiener.

Coriolanus.

Nun, dies war längst bekannt.

Brutus.

Allein nicht allen.

Coriolanus.

Gabt ihr die Weisung ihnen jetzt?

Brutus.

Ich, Weisung?

Coriolanus.

Solch Tun sieht Euch schon ähnlich.

Brutus.

Nicht unähnlich,

Und jedenfalls doch besser als das Eure.

Coriolanus.

Warum denn ward ich Konsul? Ha! beim Himmel!

Nichtswürdig will ich sein wie ihr, dann macht mich

Zu euerm Mittribun.

Sicinius.

Zuviel schon tut Ihr

Zur Aufreizung des Volks. Wollt Ihr die Bahn,

Die Ihr begannt, vollenden, sucht den Weg,

Den Ihr verloren habt, mit sanfterm Geist.

Sonst könnt Ihr nimmermehr als Konsul herrschen,

Noch als Tribun zur Seit ihm stehn.

Menenius.

Nur ruhig!

Cominius.

Man täuscht das Volk, verhetzt es.--Solche Falschheit

Ziemt Römern nicht. Verdient hat Coriolan

Nicht, daß man ehrlos diesen Stein ihm lege

In seine Ehrenbahn.

Coriolanus.

Vom Korn mir sprechen?

Dies war mein Wort, und ich will's wiederholen.

Menenius.

Nicht jetzt, nicht jetzt!

Erster Senator.

Nicht jetzt in dieser Hitze.

Coriolanus.

Bei meinem Leben! jetzt laßt mich gewähren,

Ihr Freunde! Ihr vom Adel!

Fest schau die schmutzge wankelmütge Menge

Mich an, der ich nicht schmeichle, und bespiegle

Sich selbst in mir.--Ich sag es wiederum:

Wir ziehn, sie hätschelnd, gegen den Senat

Unkraut der Rebellion, Frechheit, Empörung,

Wofür wir selbst gepflügt, den Samen streuten,

Da wir mit uns, der edlern Zahl, sie mengten,

Die keine andre Macht und Tugend missen,

Als die sie selbst an Bettler weggeschenkt.

Menenius.

Nun gut, nichts mehr!

Erster Senator.

Kein Wort mehr, laßt Euch bitten!

Coriolanus.

Wie? nicht mehr?

Hab ich mein Blut fürs Vaterland vergossen,

Furchtlos dem fremden Dräun, so soll die Brust

Laut schelten, bis sie bricht auf diesen Aussatz,

Vor dessen Pest wir graun, und tun doch alles,

Um von ihm angesteckt zu sein.

Brutus.

Ihr sprecht vom Volk

Als wäret Ihr ein Gott, gesandt zu strafen,

Und nicht ein Mensch, so schwach wie sie.

Sicinius.

Gut wär es,

Wir sagten dies dem Volk.

Menenius.

Wie! seinen Zorn?

Coriolanus.

Zorn!

Wär ich so sanft wie mitternächtger Schlaf,

Beim Jupiter! dies wäre meine Meinung.

Sicinius.

Und diese Meinung

Soll bleiben in sich selbst verschloßnes Gift,

Nicht andre mehr vergiften noch.

Coriolanus.

Soll bleiben?

Hört ihr der Gründlinge Triton? Bemerkt ihr

Sein herrschend "Soll"?

Cominius.

's war ungesetzlich.

Coriolanus.

Soll!

Du guter, aber höchst unkluger Adel!

Ehrbare, doch achtlose Senatoren!

Wie gebt ihr so der Hydra nach, zu wählen

Den Diener, der mit eigenmächtgem "Soll"

(Er nur Trompet und Klang des Ungeheuers),

Frech euern Strom in sumpfgen Teich will leiten

Und eure Macht auf sich.--Hat er Gewalt,

Neigt euch als blödgesinnt; wenn keine, weckt

Die Langmut, die Gefahr bringt. Seid ihr weise,

Gleicht nicht gemeinen Toren; seid ihr's nicht,

Legt ihnen Polster hin.--Ihr seid Plebejer,

Wenn Senatoren sie; sie sind nichts mindres,

Wenn durch der Stimmen Mischung nur nach ihnen

Das Ganze schmeckt. Sie wählten sich Beamte--

Wie diesen, der sein "Soll" entgegensetzt,

Sein pöbelhaftes "Soll", weit würdgerm Rat,

Als Griechenland nur je verehrt. Beim Zeus!

Beschimpft wird so der Konsul, und mein Herz weint,

Zu sehn, wie, wenn zwei Mächte sich erheben

Und keine herrscht, Verderben, ungesäumt,

Dringt in die Lücke zwischen beid und stürzt

Die eine durch die andre.

Cominius.

Gut, zum Marktplatz!

Coriolanus.

Wer immer riet, das Korn der Vorratshäuser

Zu geben unentgeltlich, wie's gebräuchlich

Manchmal in Griechenland--

Menenius.

Genug! Nicht weiter!

Coriolanus.

(Obgleich das Volk dort freire Macht besaß)

Der, sag ich, nährt Empörung, führt herbei

Den Untergang des Staats.

Brutus.

Wie kann das Volk

Dem seine Stimme geben, der so spricht?

Coriolanus.

Ich geb euch Gründe,

Mehr wert als ihre Stimmen: Korn, sie wissen's,

War nicht von uns ein Dank; sie waren sicher,

Sie taten nichts dafür; zum Krieg gepreßt,

Als selbst des Vaterlandes Herz erkrankte,

Da wollte keiner aus dem Tor: der Eifer

Verdient nicht Korn umsonst; hernach im Krieg

Ihr Meutern und Empören, ihres Mutes

Erhabne Proben, sprachen schlecht ihr Lob.--

Die Klage,

Womit sie oftmals den Senat beschuldigt,

Aus ungebornem Grund, kann nie erzeugen

Ein Recht auf freie Schenkung. Nun--was weiter?

Wie mag so vielgeteilter Schlund verdaun

Die Güte des Senats? Die Taten sprechen,

Was Worte sagen möchten. Wir verlangten's,

Wir sind der größre Hauf; und sie, recht furchtsam,

Sie gaben, was wir heischten.--So erniedern

Wir unser hohes Amt, sind schuld, daß Pöbel

Furcht unsre Sorgfalt schilt. Dies bricht dereinst

Die Schranken des Senats und läßt die Krähen

Hinein, daß sie die Adler hacken.

Menenius.

Kommt! Genug.

Brutus.

Genug im Übermaß!

Coriolanus.

Nein! nehmt noch mehr:

Was nur den Schwur, sei's göttlich, menschlich, heiligt,

Besiegle meinen Schluß. Die Doppelherrschaft,

Wo dieser Teil mit Grund verachtet, jener

Ohn Grund frohlockt, wo Adel, Macht und Weisheit

Nichts tun kann ohne jenes Ja und Nein

Des großen Unverstands--dies muß verdrängen,

Was wahrhaftig nötig ist, um Raum zu geben

Dem haltlos Nichtgen.--Hemmt man so den Zweck,

So folgt, daß nichts dem Zweck gemäß geschieht--

Darum beschwör ich euch!

Ihr, die ihr wen'ger zaghaft seid als weise,

Die ihr mehr liebt des Staates feste Gründung

Als Ändrung scheut, die höher stets geachtet

Ein edles Leben als ein langes, die

Nicht fürchten, durch gewagte Kur zu retten

Den Leib vom sichern Tod--mit eins reißt aus

Die vielgespaltne Zung, laßt sie nicht lecken

Dies Süß, was ihnen Gift ist. Eur Entehrung

Verstümmelt das gesunde Urteil und

Beraubt den Staat der Einheit, die ihm ziemt,

So daß ihm Macht fehlt, Gutes, das er möchte,

Zu tun, weil ihn das Böse stets verhindert.

Brutus.

Er sprach genug.

Sicinius.

Er sprach als Hochverräter

Und soll es büßen, wie's Verräter tun.

Coriolanus.

Elender du! Schmach sei dein Grab! Was soll das Volk,

Was soll's mit den kahlköpfigen Tribunen?

Anhangend ihnen weigert's den Gehorsam

Der höhern Obrigkeit. In einem Aufruhr,

Da nicht das Recht, nein, da die Not Gesetz war,

Da wurden sie gewählt--Zu beßrer Zeit

Sagt von dem Recht nun kühn: Dies ist das Recht,

Und schleudert in den Staub hin ihre Macht.

Brutus.

Offner Verrat!

Sicinius.

Der da ein Konsul? Nein.

Brutus.

He! die Ädilen her! laßt ihn verhaften.

Sicinius.

Geht, ruft das Volk.

(Brutus geht ab.)

Ich selbst, in seinem Namen,

Ergreife dich als Neurer und Empörer

Und Feind des Staats.--Folg, ich befehl es dir,

Um Rechenschaft zu stehn.

Coriolanus.

Fort, alter Bock!

Senatoren und Patrizier.

Wir schützen ihn.

Menenius.

Die Hand weg, alter Mann!

Coriolanus.

Fort, morsches Ding, sonst schüttl ich deine Knochen

Dir aus den Kleidern.

Sicinius.

Helft! ihr Bürger, helft! Brutus kommt zurück mit den

Ädilen und einer Schar Bürger.

Menenius.

Mehr Achtung beiderseits.

Sicinius.

Hier ist er, welcher euch

Ganz machtlos machen will.

Brutus.

Greift ihn, Ädilen.

Die Bürger.

Nieder mit ihm! zu Boden!

(Geschrei von allen Seiten.)

Waffen! Waffen!

(Alle drängen sich um Coriolanus.)

Zweiter Senator.

Tribunen! Edle! Bürger! Haltet! Ha!

Sicinius! Brutus! Coriolanus! Bürger!

Die Bürger.

Den Frieden haltet! Frieden! Haltet alle!

Menenius.

Was wird draus werden? Ich bin außer Atem,

Es droht uns Untergang! Ich kann nicht, sprecht,

Tribunen, ihr, zum Volk. Coriolanus, ruhig!

Sprich, Freund Sicinius.

Sicinius.

Hört mich, Bürger. Ruhig!

Die Bürger.

Hört den Tribun. Still! Rede, rede, rede!

Sicinius.

Ihr seid daran, die Freiheit zu verlieren.

Marcius will alles von euch nehmen, Marcius,

Den eben ihr zum Konsul wähltet.

Menenius.

Pfui!

Dies ist der Weg zu zünden, nicht zu löschen.

Erster Senator.

Die Stadt zu schleifen, alles zu zerstören.

Sicinius.

Was ist die Stadt wohl, als das Volk?

Die Bürger.

Ganz recht!

Das Volk nur ist die Stadt.

Brutus.

Durch aller Einstimmung sind wir erwählt

Als Obrigkeit des Volks.

Die Bürger.

Und sollt es bleiben.

Menenius.

Ja, so sieht's aus.

Cominius.

Dies ist der Weg, um alles zu zerstören,

Das Dach zu stürzen auf das Fundament

Und zu begraben jede Rangordnung

In Trümmerhaufen!--

Sicinius.

Dies verdient den Tod!

Brutus.

Jetzt gilt's, daß unser Ansehn wir behaupten

Oder verlieren. Wir erklären hier

Im Namen dieses Volks, durch dessen Macht

Wir sind erwählt für sie: Marcius verdient

Sogleich den Tod.

Sicinius.

Deshalb legt Hand an ihn,

Bringt zum Tarpejschen Felsen und von dort

Stürzt in Vernichtung ihn.

Brutus.

Ädilen, greift ihn!

Die Bürger.

Ergib dich, Marcius!

Menenius.

Hört ein einzig Wort!

Tribunen, hört! ich bitt euch, nur ein Wort.

Ädilen.

Still, still!

Menenius.

Seid, was ihr scheint, Freunde des Vaterlands.

Ergreift mit weiser Mäßgung, was gewaltsam

Ihr herzustellen strebt.

Brutus.

Die kalten Mittel,

Sie scheinen kluge Hilf und sind nur Gift,

Wenn so die Krankheit rast. Legt Hand an ihn

Und schleppt ihn auf den Fels!

Coriolanus.

Nein, gleich hier sterb ich.

(Er zieht sein Schwert.)

Es sah wohl mancher unter euch mich kämpfen;

Kommt und versucht nun selbst, was ihr nur saht.

Menenius.

Fort mit dem Schwert. Tribunen, steht zurück.

Brutus.

Legt Hand an ihn.

Menenius.

Helft! helft dem Marcius! helft!

Ihr hier vom Adel, helft ihm, jung und alt.

Die Bürger.

Nieder mit ihm! Nieder mit ihm!

(Handgemenge, die Tribunen, die Ädilen und das

Volk werden hinausgetrieben.)

Menenius.

Geh! fort, nach deinem Haus! enteile schnell!

Zugrund geht alles sonst.

Zweiter Senator.

Fort!

Coriolanus.

Haltet stand!

Wir haben ebensoviel Freund als Feinde.

Menenius.

Soll's dahin kommen?

Erster Senator.

Das verhütet, Götter!

Mein edler Freund, ich bitte, geh nach Haus.

Laß uns des Schadens Kur.

Menenius.

Denn unsre Wund ist's:

Du kannst nicht selbst dich heilen. Fort, ich bitte.

Cominius.

Freund, geh hinweg mit uns.

Coriolanus.

O! wären sie Barbaren! (und sie sind's,

Obwohl Roms Brut) nicht Römer! (und sie sind's nicht,

Obwohl geworfen vor dem Kapitol).

Menenius.

Komm!

Nimm deinen edlen Zorn nicht auf die Zunge;

Einst kommt uns beßre Zeit.

Coriolanus.

Auf ebnem Boden

Schlüg ich wohl ihrer vierzig.

Menenius.

Ich auch nehm es

Mit zwei der besten auf, ja, den Tribunen.

Cominius.

Doch hier ist Übermacht nicht zu berechnen;

Und Mannheit wird zur Torheit, stemmt sie sich

Entgegen stürzendem Gebäu. Entfernt Euch,

Eh dieser Schwarm zurückkehrt, dessen Wut

Rast wie gehemmter Strom, und übersteigt,

Was sonst ihn niederhielt.

Menenius.

Ich bitte, geh!

So seh ich, ob mein alter Witz noch anschlägt

Bei Leuten, die nur wenig haben. Flicken

Muß man den Riß mit Lappen jeder Farbe.

Coriolanus.

Nun komm!

(Coriolanus, Cominius und andere gehn ab.)

Erster Patrizier.

Der Mann hat ganz sein Glück zerstört.

Menenius.

Sein Sinn ist viel zu edel für die Welt.

Er kann Neptun nicht um den Dreizack schmeicheln,

Nicht Zeus um seine Donner: Mund und Herz ist eins.

Was seine Brust nur schafft, kommt auf die Zunge,

Und ist er zornig, so vergißt er gleich,

Daß man den Tod je nannte.

(Geräusch hinter der Szene.)

Ein schöner Lärm.

Zweiter Patrizier.

O! wären sie im Bett!

Menenius.

Wären sie in der Tiber! Was, zum Henker,

Konnt er nicht freundlich sprechen! Brutus, Sicinius,

Bürger kommen zurück.

Sicinius.

Wo ist die Viper,

Die unsre Stadt entvölkern möcht, um alles

In allem drin zu sein?

Menenius.

Würdge Tribunen--

Sicinius.

Wir stürzen ihn von dem Tarpejschen Fels

Mit strenger Hand; er trotzet dem Gesetz,

Drum weigert das Gesetz ihm das Verhör;

Die Macht der bürgerlichen Strenge fühl er,

Die ihm so nichtig dünkt.

Erster Bürger.

Er soll erfahren,

Des Volkes edler Mund sind die Tribunen,

Wir seine Hand.

Mehrere Bürger.

Er soll! er soll!

Menenius.

Freund--

Sicinius.

Still!

Menenius.

Schreit nicht Vertilgung, wo ein mäßges Jagen

Zum Ziel euch führen mag.

Sicinius.

Wie kommt's, daß Ihr

Ihm halft, sich fort zu machen?

Menenius.

Hört mich an:

Wie ich den Wert des Konsuls kenne, kann ich

Auch seine Fehler nennen.

Sicinius.

Konsul? welcher Konsul?

Menenius.

Der Konsul Coriolan.

Brutus.

Er, Konsul?

Die Bürger.

Nein, nein, nein, nein, nein!

Menenius.

Vergönnt, ihr, gutes Volk, und ihr, Tribunen,

Gehör, so möcht ich ein, zwei Worte sagen,

Die euch kein weitres Opfer kosten sollen

Als diese kurze Zeit.

Sicinius.

So faßt Euch kurz,

Denn wir sind fest entschlossen, abzutun

Den giftgen Staatsverräter; ihn verbannen

Läßt die Gefahr bestehn; ihn hier behalten

Ist sichrer Tod. Drum wird ihm zuerkannt:

Er sterb noch heut.

Menenius.

Verhüten das die Götter!

Soll unser hohes Rom, des Dankbarkeit

Für die verdienten Kinder steht verzeichnet

In Jovis Buch, entmenscht, verworfne Mutter,

Den eignen Sohn verschlingen.

Sicinius.

Ein Schad ist er, muß ausgeschnitten werden.

Menenius.

Ein Glied ist er, das einen Schaden hat:

Es abzuschneiden tödlich, leicht zu heilen.

Was tat er Rom, wofür er Tod verdiente?

Weil er die Feind' erschlug? Sein Blut, vergossen

(Und das, ich schwör's, ist mehr, als er noch hat,

Und manchen Tropfen), floß nur für sein Land;--

Wird, was ihm bleibt, vergossen durch sein Land,

Das wär uns allen, die es tun und dulden,

Ein ewges Brandmal.

Sicinius.

Das ist nur Gewäsch.

Brutus.

Gänzlich verkehrt! Als er sein Land geliebt,

Ehrt' es ihn auch.

Menenius.

Hat uns der Fuß gedient

Und wird vom Krebs geschädigt, denken wir

Nicht mehr der vor'gen Dienste?

Brutus.

Schweigt nur still.

Zu seinem Hause hin! reißt ihn heraus,

Damit die Ansteckung von giftger Art

Nicht weiter fort sich zünde.

Menenius.

Nur ein Wort.

So tigerfüßge Wut, sieht sie den Schaden

Der ungehemmten Eile, legt zu spät

Blei an die Sohlen.--Drum verfahrt nach Recht,

Daß nicht, da er beliebt, Partein sich rotten

Und unser hohes Rom durch Römer falle.

Brutus.

Wenn das geschäh!

Sicinius.

Was schwatzt Ihr da?

Wie er Gesetz' verhöhnte, sahn wir ja.

Ädilen schlagen! Trotz uns bieten! Kommt!

Menenius.

Erwägt nur dies: er ist im Krieg erwachsen;

Seit er ein Schwert mocht haben, lernt' er fein

Gesiebte Sprache nicht, wirft Mehl und Kleie

Nun im Gemengsel aus. Bewilligt mir,

Ich geh zu ihm und bring ihn friedlich her,

Wo nach der Form des Rechts er Rede steht

Auf seine äußerste Gefahr.

Erster Senator.

Tribunen,

Die Weis ist menschlich; allzu blutig würde

Der andre Weg, und im Beginnen nicht

Der Ausgang zu erkennen.

Sicinius.

Edler Menenius,

So handelt Ihr denn als des Volks Beamter;--

Ihr Leute, legt die Waffen ab.

Brutus.

Geht nicht nach Haus.

Sicinius.

Hin auf den Markt, dort treffen wir Euch wieder,

Und bringt ihr Marcius nicht, so gehn wir weiter

Auf unserm ersten Weg.

(Ab.)

Menenius.

Ich bring ihn euch.

(Zu den Senatoren.)

Geht mit mir, ich ersuch euch. Er muß kommen,

Sonst folgt das Schlimmste.

Erster Senator.

Laßt uns zu ihm gehn.

(Alle ab.)

Coriolanus(#6990) · 第 34 / 50 题