Es regnete, als man Grau begrub. Viele Leute waren gekommen, auch Fremde,
die man noch nie gesehen hatte. Eine Menge Kränze und Blumen bedeckten
Graus Sarg und noch Tage, ja Wochen nach seinem Tode trafen Kränze ein. Ein
Gärtner hatte einen wunderbaren Kranz mitgebracht, man hatte noch nie zuvor
solch einen Kranz in der Stadt gesehen. Auch Adele war gekommen.
Der Dekan von Weinberg hielt die Rede. Es war ein schöner Mann mit blondem
Vollbart, der sich selbst stets einen echten Germanen nannte. Er prüfte, ob
das Brett fest sei, das man wegen des Schmutzes gelegt hatte, und der
Kirchner mußte die ganze Zeit einen Regenschirm über ihn halten.
Dicht am Grabe standen zwei fremde Offiziere, die Helme in der Hand. Sie
hatten rötliches Haar und helle Augen und jeder sah, daß sie Graus Brüder
waren.
Der Dekan sprach, er sprach von dem jugendlichen Eifer Graus, seiner großen
Nächstenliebe, den himmlischen Herrschern und vielem anderen. Je mehr er
sprach, desto spöttischer lächelte Eisenhut, schließlich räusperte er sich
unverschämt und endlich hustete er. Der Dekan mit dem blonden Vollbart warf
ihm zornige Blicke zu.
Der Dekan hatte geendigt, da trat Eisenhut ans Grab. Er hob die Hand, zum
Zeichen, daß er sprechen wolle. Dann sprach er.
»Hochverehrte Anwesende --« so sprach Eisenhut -- »dieser Mensch, den wir
heute begraben -- er ist --«
Er konnte nicht fortfahren. Eisenhut war kein Redner. Die Leute sahen ihn
erstaunt an und unterdrückten ein Lächeln.
Adele ging hinaus zu Mütterchen. Mütterchen saß allein in der Stube, die
Hände im Schoß.
»Welche Freude!« sagte sie. »Wenn Susanna wüßte, daß Sie mich besuchen!«
Adele setzte sich in den Sessel.
Sie sagte: »Wer hätte denn denken können, daß er krank war und daß es so
schnell mit ihm zu Ende gehen könnte.«