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Die roten Arbeiter- und Farmerbataillone, die in Kolonnen von Hunderten
von Lastkraftwagen bei Morgengrauen auf verschiedenen Anmarschstraßen
dem amerikanischen Giftgas- und Waffenarsenal Edgewood zueilten, sahen
in der aufgehenden Morgensonne plötzlich vor sich über eine schneeweiß
schimmernde Ebene dahingestreckt ein riesiges Mohnfeld.
Die Blüten des Mohns schwangen im Wind, entfalteten sich, wehten und
leuchteten ...
Einen Augenblick stoppten die Kolonnen, mit Ferngläsern und
Scherenfernrohren suchte man den Horizont ab: ein Freudenschrei, ein
Schrei, der in einen gewaltigen Massengesang überschlug: hunderte von
roten Fahnen flatterten in der Ferne über den unzähligen weißlichen
Wellblechbaracken und auf den Giebeln der Verwaltungsgebäude, des
Kontrollwerkes und der Elektrizitätsanstalt. Ja, der Blitzableiter jedes
Fabrikschlotes trug ein rotes Fähnlein.
Edgewood war gefallen! Edgewood, das gewaltigste Kriegsarsenal der Welt,
in den Händen der „Roten“!
Hurra! Hurra! Hurra!
Wie drei Freudensalven knallte es aus Hunderttausenden von Mündern dahin
...
Und in diesem Augenblick stieg es schon auf: Geschwader an Geschwader,
Kampfflieger, Aufklärungsflugzeuge, Bombenflugzeuggeschwader: alle rote,
lange, bänderartige Wimpel an den Tragflächen. Das ganze Tal überzog
sich mit einer Schicht von Flaggenrot und Motorengeknatter: in ruhig
geschwungenen Schleifen zogen die Geschwader dahin, in Spiralen tauchten
sie auf und nieder in dem gläsernen Luftmeer, und landeten dann unter
dem gleichzeitigen Jauchzen von hunderten von Fabriksirenen senkrecht
abschießend auf den verschiedenen Flugplätzen ...
* * * * *
Der rote Kriegsrat des Farbstofftrusts, dem Arbeiter, Matrosen,
Soldaten, die Offiziere des revolutionären Offiziersbundes angehörten,
beschloß einstimmig: der Angriff gegen die feindlichen Stellungen,
Flugzeughäfen und Flottenstützpunkte hat unmittelbar zu beginnen. Die
Operationsbasis ist durch die Industriegebiete und durch die eroberten
militärischen Bollwerke gegeben, das Ziel: die rücksichtslose
Niederkämpfung der feindlichen militärischen Macht. Zu gleicher Zeit
wird ein umfangreicher Propagandaapparat eingesetzt, ein richtiger
Feldzugsplan zur Zersetzung, zur moralischen und materiellen, der
feindlichen Streitkräfte ist ausgearbeitet und wird in den einzelnen
Punkten von den betreffenden Stellen noch heute durchgeführt. Es ist
selbstverständlich, bei der geradezu bestialischen Art, mit der die
Weißen den Bürgerkrieg zu führen belieben, daß von der chemischen Waffe
zweckmäßig Gebrauch gemacht wird. Die Zweckmäßigkeitsfrage wird bei
jeder taktischen Ueberlegung in den Mittelpunkt gestellt, Sentiments und
Ressentiments sind restlos auszuschalten ... Keiner Erwägung bedarf der
Beschluß, sich mit den revolutionären Organisationen Japans, Europas,
Rußlands unverzüglich in Verbindung zu setzen ... Wobei, was andere noch
nicht revolutionierte Völker anbetrifft, zu bemerken ist; das siegreiche
Proletariat kann keinem fremden Volk irgendwelche Beglückung aufzwingen,
ohne damit seinen eigenen Sieg zu untergraben ... Schon sind Fälle
ferner gemeldet worden, wonach die Regierungsflugzeuggeschwader die
Reviere der revolutionären Bergarbeiter eingegast haben, man hat
Kohlenschächte ersäuft, in denen man rebellische Belegschaften
vermutete, und durch Ueberläufer und abgefangene Radios weiterhin
festgestellt ist, daß umfangreiche Vorbereitungen getroffen sind,
Edgewood durch einen groß angelegten Bombenfliegerangriff in einen
Gassumpf zu verwandeln ... Also: wir werden ihnen die Suppe gründlich zu
schmecken geben, die sie uns zugedacht haben ... Das ist
selbstverständlich ...
* * * * *
Wieder trillerten die Fabriksirenen.
Die roten Fahnen wurden eingezogen: grau und eisig lag Edgewood da.
Die Flugzeuge waren startbereit.
Auf einer elektrisch betriebenen Kleinbahn rollten die schweren
Riesenflügelbomben zum Flugplatz an: sie waren mausgrau, am Kopf
dicklich und rund und hatten ganz das Aussehen von Walen.
Ein Kommando.
Viele Klingeln schrillten. Leuchttafeln zuckten auf ...