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Leib an Leib krümmt sich übereinander.
Das ganze werktätige Volk ist nichts mehr weiter als ein einziger
zuckender Schmerzenskadaver, ein fleischerner Berg, von abgerissenen
Gliedern dicht überwachsen wie von Gestrüppen ... Der stößt keine
lebendigen Schreie mehr aus, Millionen erloschener Augen glühen daran
schwarz; schwärzer, durchdringender als selbst die Finsternis.
Unterirdisch nur ein unverständliches Murmeln. Hie und da Wortfetzen.
Hie und da ein fieberiges, feuriges Flackern; fernes Alarmheulen ... Und
hie und da ängstliches Zusammenrücken an den Tischen der Götter,
Halbgötter, Rentner, Parasiten und anderer Heiligen:
„Der Berg ... der Berg ... wehe ... Kommt er nicht doch eines Tages über
uns ...“
Aber die ganze Welt ist mit Fatalismen vollgepfropft. Alles, was da ist,
ist im molkig getrübten Bewußtsein der Mehrzahl der Menschen heute noch
vernünftig und muß eben so sein, der Pfaffe, der Gerichtsherr, der
Mehrwerts-Vampir, der Journalist: das alles hängt zusammen an
unsichtbaren Fäden und zappelt sich herum im Weltraum im Auftrag jenes
großen grandiosen Ueberirdischen ...
Hah! Und die papierene Sintflut schwemmt befehlsgemäß heran!
Tausende von Laboratorien fabrizieren das so beliebte Volks-Opium:
Aberglauben, Kulturdünkel, Verstocktheit ... Immer wieder und immer von
neuem wieder wird erfolgreich das Preisrätsel gelöst: wie erhalte ich am
besten die Massen der Ausgebeuteten in Abhängigkeit und Dummheit? ...
Die Bücherfabriken rascheln, die Zeitungen flattern fröhlich wie winzige
Papierdrachen von Hand zu Hand im Wind ... In wunderbaren Einbänden, mit
herrlichen verlockenden Titeln geschmückt, auch sonst fein säuberlich
aufgemacht, präsentieren die Menschenfänger ihre im Interesse der
Massenverbreitung recht preiswert gehaltenen Köder ... Aestheten,
Schriftsteller, Gelehrte hocken herum, gierig lauernd auf jeden Auftrag,
gesellschaftstüchtige Heimarbeiter. Sie sind ordentlich elastisch
geworden mit der Zeit, ihre geistigen Glieder zu Gummi gebogen, sie
lernten es, sich rasch umzustellen ... Tempo! Das Geschäft verlangt es
... An solch originellen Charakteren hat es ja bekanntlich nie gefehlt.
Und die Kultur muß dem Volk erhalten bleiben, koste es, was es wolle.
Und der Heldentod ist schließlich nur auf dem Papier was wert, in
Wirklichkeit keinen Pfifferling.
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Die Kinomaschinen rattern.
Hopla, mein Freund, damit auch deine Augen nicht verhungern. Und ein
strammer Militärmarsch „Ruck-zuck“ sorgt für den Ohrenschmaus.
Und die Männer der Regierung marschieren auf, liebe freundliche Herren,
kein Zweifel. Wie schön und blendend neu gestärkt ist dem Herrn
Präsidenten sein Frackhemd, wie ein Harnisch; und einen Blick tut er,
einen Blick, sage ich Ihnen, aus der Tiefe seiner Seele in die Tiefe
deiner Seele: akkurat wie durchschaun tut er einen ... Da gibt es sogar
einen Wohltätigkeitstee, und die ausgemergelten dünnen Fingerchen
einiger extra ausgesuchter Musterproletarierkinder zupfen an der Frau
Minister herum: da ist alles Samt und Seide, Perlenkettlein und
Brillantring ... Gottwohlgefällig rauscht dahin über das prima
gebohnerte Parkett der Hermelinmantel ... Wessen Herz blüht da nicht
über in Ehrfurcht und Bewunderung ... Und da nippt so eine Exzellenz an
einer anderen mit einem Handkuß ... Und stehen da nicht, in holder
Umarmung mit Unternehmern, Generälen und Bankpiraten aufgenommen,
hoffähige Gewerkschaftsbeamte, wie aus dem Ei gepellte, tadelfrei
geschnitzte und ebenholzschwarz mit neuen Paradefräcken anlackierte
Männlein: sie, die letzten Endes glorreich immer wieder sich selbst
begaunernden Schlaumeier! ... Ihre Rede: ein bedingungsloses zu allem Ja
und Amen ... An Gründen hinterher, sogar überzeugenden, fehlt es
bekanntlich ja nie, und sie kommen sogar, einem Eingeweihten zwar nicht
gerade überraschend, ihren Unterdrückern zu Hilfe, wenn diese
ausnahmsweise einmal in Verlegenheit geraten sind, und offerieren sich
ihnen, lakaienhaft lächelnd, auf dem Präsentierteller.