Sind es Spinnenweben!? Licht-Gespinste? Sind es Strahlengeflechte, die
kreuz und quer in sich verschlungen, durch den Weltraum gezogen sind!?
Nein.
Es ist das Gitter.
Und das Gitter kommt auf Peter zu, wandert, wandert vor ihm her, wandert
ihm nach bis in den kleinsten Weltwinkel.
Er steht in einer sauberen Stube. Er ist einem Mädchen gut. Er hat sie
umgefaßt. „Du, wollen wir nicht zueinander „Du“ sagen!?“ Er ist
eigentlich ganz glücklich ...
Da senkt sich auch schon wieder schwer, schwarz, vierkantig und
schemenhaft vor ihm das Gitter herab.
Das Gitter spricht:
„Bevor ich nicht zerbrochen bin, gibt es für dich Ruhe nicht! ... Peter,
tu deine Pflicht! ... Feile, beiße dich mit den Zähnen fest, reiße deine
Hände wund daran, kniee dich herauf zu mir, ziehe dich zu mir empor,
presse deine Schädelknochen hinein zwischen mich, rüttle daran, schüttle
mich ... Friß das Gitter ...“
Das Gitter spricht:
„Ich laß dich nicht!“
„Wie schön das Leben ist!“ flüstert Peter. „Die Berge, das Meer,
wellengebuckelt, Gewitter darüber metallisch, wie über einer gerippten
Fläche aus schwarzem Erz! Und die Jahreszeiten! So ein Winter voll
Schneefließen und Skilauf! ... Wie die Bäume blühen, die Wälder duften
... Wie ein Klotz liegt man ausgestreckt inmitten des Wiesenkrauts ...
Windmühlenflügel am Horizont! Kornwagen, die auf der steinigen
Landstraße polternd von der Ernte dorfwärts schwanken ... Menschen,
gebräunte knochige Gesichter, die in der Schenke vor einem hölzernen
Tisch sitzen, bei Rauch und bei Wein! ... O noch einmal! O noch _ein_
Mal!“
Und wieder fällt das Gitter, ein Netz diesmal, gewoben aus Geschoßbahnen
und Feuerdampf, es fällt und fällt, bis der ganze Weltraum durchgittert
ist. Auch das „schöne Leben“ durchgittert ist! Irrsinnig flackernde
Augenpaare dahinter, Bajonette und Stacheldraht, Knochenknacken und
Aechzen und Tränenwimmern, das schwere Stampfen einer Riesenpumpe, die
Menschenblut pumpt, die Menschenmark, Menschenlebenskraft saugt.
Mordmaschinen, Fabrikanlagen: Massenmord wie harmloses Kinderspielzeug
fabrizierend ...
Da sind Menschen, die vor dem Gitter flüchten. Menschen, die hinter dem
Gitterwerk träumen. Es ist ein goldener Käfig, darin sie sich schändlich
zutod träumen. Die Stäbe sind broncen lackiert ...
Das Gitter wächst ... Setzt Glieder an, Knoten, Verkuppelungen ... Es
kann Menschen umarmen, Menschen umarmend zu Tode drücken. Die
Gitterstäbe sind vielkantig, messerscharf ...
Und das Gitter steht mitten in Europa.
Und das Gitter steht in Asien.
Steht um Afrika herum ...
Dehnt sich aus und zieht sich wieder zusammen ...