Es war spät Nacht, als Max sich auf den Heimweg machte.
Er fühlte sich gewaltig gestärkt und über sich selbst emporgehoben.
„Ich werde schon fertig damit. Nur keine Bange ... Ich bin in den
letzten Tagen der Lösung des Problems schon ziemlich nahe gekommen ...
Lene ist ein Prachtkerl ... Auch sie hat mir noch geholfen ... Wird der
Wilhelm Augen machen, wenn ich ihm erzähle ... Nun gut so ... Jetzt nur
noch ein kleiner Stoß ... Doch genug für heute ...“
Die Straßen waren menschenleer.
An einer Straßenbahnkreuzung wurden die Schienen ausgebessert. Ein
Haufen von Arbeitsmännern hantierte mit Schweißapparaten. Schienenhobel
flitzten. Eine Weiche wurde schwer herausgehoben.
Das blaue Licht der Sauerstoffgebläse gespensterte magisch auf und ab in
der Nacht. Huschte die Häusermauern entlang. Wie Gerippe, mit fahlen
Knochenhäuten bespannt, geisterten sie ...
„Arbeitskollegen. Genossen. Proleten. Wir. Du und ich. Wir gehören
zusammen ... Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“
Ein wunderbarer Satz!
Max sprach ihn immer wieder vor sich hin.
Welcher Menschengehirnkraft, Menschenerfahrung, welchen Menschenleids
bedurfte es, um diesen proletarischen Block zusammenzuschweißen! Trieb
nicht vorher die ganze Menschheit in einem riesigen Leidensmeer,
Traumtrümmer an Traumtrümmer!? Was an Heroismus, Aufopferung, Disziplin
wird weiterhin nötig sein, um diesen Block in Bewegung zu setzen, welche
gewaltigen Hebelkräfte, ihn über die dem Untergang geweihten
Geschlechter der Vergangenheit hinweg in die Zukunft zu wälzen! ... Gebt
uns eine Partei! so schrie es aus Millionen Mündern in allen
Menschensprachen. Gebt uns eine Partei! Einen aus Millionen
Proletarierarmen geschmiedeten Hebelarm, eine eisern in sich gefügte
Organisation, ein Willens-Kollektiv, ein Erfahrungs-Kollektiv ... und
verlaßt euch drauf: wir werden es schaffen!
„Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“
Eine Parole. Eine Fanfare. Der alarmschmetternde Grundton des
proletarischen Siegesmarsches. –
Max marschierte im Infanterieschritt.
Pfiff dazu ...
Marschierte mit Hunderten, mit Tausenden ...
Im Gleichschritt. Im Arbeiter-Marsch.
Kolonnen marschierten auf Kolonnen ...
Manchmal gewitterte ein elektrischer Schein über den Horizont herauf.
Auch schimmerte es schon rötlich an der Himmelsferne. Nun färbte sich
ein langverzogener Wolkenstreifen lebendig rot.
Die ersten Fabriksirenen heulten ...
Ein riesiger steinerner Pfuhl, ein ungeheurer aus Granit und Zement
gehauener Leidenstümpel ist diese Stadt. Morgen, übermorgen, wie schön
und frei werden dann die Menschen wohnen!
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