„Restbautrieb – reaktionäre Masse – fahnenflüchtig!“
So kollerte es noch lang in Maxens Schädel herum.
„_Fahnenflüchtig!?_“
Und diese Frage nahm plötzlich Gestalt an, wurde wie zu einem Menschen,
der lang und tief in ihn hineinschaute.
Dieser Mensch war seinesgleichen.
Blut von seinem Blut.
Ganz seiner Art.
Hieß auch Max Herse. Trat jetzt vor ihn hin wie sein leibhaftiger
Steckbrief.
Dieser Max Herse fragte ihn:
„Max, stimmt das: fahnenflüchtig!? Ist da nicht doch vielleicht etwas
wahr daran!? ... Wie war das nur neulich bei der Grubenkatastrophe?
Erinnerst du dich nicht mehr, was du unter dem unmittelbaren Eindruck
dieses Unglücks alles gesagt hast!? ... Versprochen hast eigentlich?!
... Fahnenflüchtig ... Desertiert aus der Klassenkampfreihe ...
Verlassen das proletarische Banner!? ... Das Banner, für das dein Vater
gekämpft und gelitten hat, für das deine Mutter sich so manchen Bissen
vom Munde abgespart hat!? Die rote wehende Hoffnung deiner Millionen
Arbeitsbrüder! Der Stolz deiner Arbeiterinnen-Schwestern, für das sie in
manchen Nächten ihre Finger sich wund genäht haben ... Max Herse! Willst
du nicht wieder ehrlich, proletarisch ehrlich werden!? ... Stimmt das
nicht, was der Wilhelm sagte: „Ja, für euch bleibts halt ewig beim
Alten, ihr wißt schon, was ich meine: Kaisergeburtstagsfeier und erster
Mai ...“
„Wieder ehrlich, proletarisch ehrlich werden ...!?“
Max Herse sprach im Halbtraum schon, diese Frage nach.