Vor einer halben Stunde war im Nordostfeld der Zeche „Königin Luise“,
Fach 7, die Schlagwetterexplosion erfolgt.
Zuerst: ein Riß. Ein gewaltiger Schnitt mitten durch die Luft ... Das
Trommelfell platzt, den Brustkasten quetscht es wie einen Schwamm aus
... als zöge es einem die Lunge wie einen Schlauch durch den Hals herauf
... Der Explosionsstoß: und die Bergarbeiter klatschten an die Wände.
Mit zerbrochenen Gliedern, mit Gehirnerschütterungen, mit Schädelbrüchen
kleben sie da, bereits unkenntlich entstellt ... Zwanzig, oft dreißig
Meter weit fliegen sie, manche nach oben, zappelnd: schwer wie ein Sack
fallen sie wieder nieder ... Und da rast auch schon die Explosionsflamme
daher: verbrennt, verkohlt, stürzt sich von allen Seiten zugleich auf
dich, reißt mit ihrem stechenden Feuer dir die Augen aus ... Die wenigen
noch Ueberlebenden fliehen, flüchten durch brennende Gänge; wie
Feuerschlangen winden die sich; die Angst peitscht sie, die Todesangst
sitzt wie ein Stachelhalsband fest an der Gurgel. Auf allen Vieren
flieht man, krabbelt, macht Schwimmbewegungen. Stürzt über sich selbst
im Dunkeln, das ununterbrochen giftigen Kohlenstaub regnet.
Gesteinhagel prasseln.
Ein schlagartiger Wind schlägt.
Ein eiserner Luftdruck. Ein unsichtbarer atomhafter Riesenknebel ...