Von einem großen freien Platz aus, der mit rußerstickten verkrüppelten
Bäumchen umpflanzt war, tönt jetzt eine gewaltige Stimme herüber:
„So ist bereits festgestellt, daß riesige Kohlenstaubmengen vorhanden
waren, die weder berieselt noch mit Gesteinsstaub unschädlich gemacht
wurden ... Die Koksablagerung nach der Explosion ist der sicherste
Beweis ... Auch die Ansammlung von Schlagwettern ist auf der „Königin
Luise“ keine Seltenheit gewesen. Sehr oft haben wir vom Betriebsausschuß
bei unseren Befahrungen Wetter festgestellt. Aber gerade darum, weil wir
sehr oft die Verwaltung belästigten und dem Betriebsführer und Steiger
meldeten, daß dort und dort Wetter stehn, sind wir an der Befahrung
gehindert worden ... Ja, seit Oktober vorigen Jahres hat man uns vom
Betriebsausschuß am ordentlichen Befahren gehindert ... Ihr alle spürt
es ja am eigenen Leib – und an der Hand der Förderzahlen können wir es
auch leicht nachweisen – bei uns hier herrscht das schlimmste
Antreibersystem ... Ja so sieht in Wahrheit der Geist des
Unternehmertums aus ... Was dem Bergmann nottut, daß der Bergarbeiter
schließlich auch ein Mensch ist, seine Bedürfnisse, seine Sorgen, seine
Nöte hat: das, das alles scheint man im Laufe der Zeit wieder ganz und
gar vergessen zu haben. Wir, wir hausen hier unten in unseren Gruben wie
in einer unterirdischen Leichenfabrik ...“
Tausende von Kumpels standen dort, eng um den Redner gedrückt. Mit
stieren Augen sogen sie sich fest im Boden ein. Tausende Fäuste waren
wie zu einem Klumpen aus Stein geballt.