Wer den Schlaf von Kindchens Augen stahl, muß ich wissen.
Den Krug auf der Hüfte, ging Mutter Wasser holen aus dem nahen Dorf.
Es war Mittag. Der Kinder Spielzeit war vorüber. Im Teich die Enten
schwiegen.
Der Hirtenknab' lag eingeschlafen unter dem Schatten des Feigenbaums.
Der Kranich stand ernst und still in dem Sumpf am Mangohain.
Mittlerweile kam die Schlafdiebin, haschte den Schlaf von Kindchens
Augen und flog davon.
Als Mutter heimkehrte, fand sie Kindchen auf allen Vieren durchs Zimmer
kriechen.
* * * * *
Wer stahl von Kindchens Augen Schlaf, muß ich wissen. Ich muß sie finden
und anketten. Ich muß dort in die schwarze Höhle schaun, wo durch Felsen
und düstres Gestein ein kleiner Bach sickert.
Ich muß suchen in dem Schlummerschatten des Bakulahains, wo Tauben in
den Verstecken gurren und Elfenringe in der Stille der Sternennächte
klirren. Des abends will ich in das flüsternde Schweigen des
Bambuswaldes lugen, wo Leuchtkäfer ihr Licht verschwenden, und will
jedes Wesen fragen, das ich treffe: »Kann einer mir sagen, wo die
Schlafdiebin wohnt?«
* * * * *
Wer stahl von Kindchens Augen Schlaf, muß ich wissen.
Würd' ich ihr nicht ordentlich Bescheid sagen, wenn ich sie nur
erwischen könnte! Ihr Nest würd' ich überfallen und sehn, wo sie all
ihren gestohlenen Schlaf hütet. Ich würde es ganz plündern und ihn
heimtragen.
Ich würd' ihre zwei Flügel fest zusammenbinden, sie an das Ufer des
Flusses setzen und sie dann die Fischerin spielen lassen zwischen den
Binsen und Wasserlilien.
Wenn abends das Markten vorüber ist, und die Dorfkinder ihren Müttern im
Schoß sitzen, werden die Nachtvögel ihr spottend in die Ohren kreischen:
»Wessen Schlaf stiehlst Du Dir jetzt?«