Der Dithyrambendichter +Kinesias+, lang, dürr, säbelbeinig, tritt
singend auf:
Hierhin und dorthin, leicht beschwingt,
Bis zum Olymp mein Flügel dringt.
Der Lieder Fittich darf nicht rosten ...
+Ratefreund+:
Das wird ein Fuder Federn kosten!
+Kinesias+:
Auf Leib und Seele voll Verlaß,
Bewandl’ ich itzt die neusten Pfade ...
+Ratefreund+:
Willkommen denn, Kinesias,
Du Lindenblütenlimonade!
Was schwingt und penduliert dein Bein
Krummsäbelig zu uns herein?
+Kinesias+ (verzückt):
O süßes Nachtigallenflöten!
Ich wollt’, ich wär’ ein Vögelein!
+Ratefreund+:
Laß das Gezirp! ... Was ist vonnöten!
+Kinesias+:
Beflügle mich! Ich will empor!
In alle Höhen will ich steigen!
Nach neuen Versen jagt mein Ohr
Im Wirbelwind und Flockenreigen.
+Ratefreund+:
Die fängst du dir im Wolkenduft?
+Kinesias+:
Ja, unsre Kunst hängt in der Luft!
Was blendet mehr im Festgedicht
Als Ätherblau und Himmelsprächte
Und Flügelschlag und Sammetnächte?!
... Paß auf, wie so ein Dichter spricht ...
+Ratefreund+:
Neinnein, neinnein! Beileibe nicht!
+Kinesias+:
Beim Herakles, jawohl! ... Wir schreiten
Selband durch aller Lüfte Weiten:
Siehst du die flinken Schatten gleiten
Der Vögel mit gerecktem Hals?
+Ratefreund+:
Stopp, stopp!
+Kinesias+:
Beim Tanz des Wogenfalls
Möcht’ ich des Windes Atem sein ...
+Ratefreund+ (mit der Peitsche drohend):
Dir geb’ ich was für Winde ein!
+Kinesias+:
So furch’ ich, bald gen Süd gewiegt
Und bald an Boreas geschmiegt,
Des hafenlosen Äthers Acker ...
(Währenddes hat ihn Ratefreund rundum mit Federn besteckt. Er
sieht erstaunt an sich herab):
Potz Blitz, das heiß’ ich klug und wacker!
+Ratefreund+ (zieht ihm eins über):
Was meinst du zu dem „Flügelschlag“?
+Kinesias+ (entrüstet):
Das mir, dem größten der Choregen,
Um den sie sich zu balgen pflegen?!
+Ratefreund+:
Du bleibst wohl gar bei uns im Hag
Und leitest Vogelreigentänze
In dem Bezirk der Stummelschwänze?
+Kinesias+ (mit stolzer Verachtung):
Ich sehe, du verspottest mich.
Doch laß ich nimmer nach, bis ich
Auf Flügeln durch den Äther glänze!
(säbelt hoheitsvoll ab)