Chor der Vögel. Chorführer

+Chor+:

Schon opfern +uns+ mit heißem Flehen,

Uns, die wir Alles lenken, Alles sehen,

Die Menschen rings ... Der Erdenplan

Ist unsren Augen untertan.

Wir schirmen wohlbegrünte Fluren

Vor jener Brut von Kreaturen,

Die, was da aufzukeimen wagt,

Im Boden grimmen Mauls zernagt

Oder auf Bäumen heimisch ist,

Wo sie die süßen Früchte frißt,

Oder duftender Gärten Pracht

Mit eklem Schmutz zu Schanden macht.

Was immer kreucht und nagt, krepiert,

Wenn unsereins die Schwingen rührt.

+Chorführer+ (gegen die Zuschauer):

Kund und zu wissen gibt man heutzutage:

Wenn einer den Diagoras erschlage,

Den Götterleugner, krieg’ er ein Talent.

Der selbe Ehrensold wird +dem+ versprochen,

Der einen der Tyrannen abgestochen

(Als wär’s mit ihnen nicht schon lang zu End’!)

So künden und verheißen denn auch wir

Dem ein Talent, der einen Finkler tötet,

Weil er auf uns, die Vogelgötter, flötet;

Und wer ihn lebend bringt, kriegt ihrer vier, —Ihn,

der die Finken aneinander bandelt

Und sieben um ein Groschenstück verhandelt!

Ihn, der die Drosseln aufbläst und verklopft

Und durch die Amselnasen Federn stopft

Und Tauben fängt, die nun vergittert hocken,

Um durch ihr Gurren andre anzulocken!

Drum höret wohl: wer Vögel zieht und quält

Und im Geflügelhof gefangen hält,

Der geb’ sie frei! Sonst lochen wir ihn ein.

Dann mag er selber Menschenköder sein!

+Chor+:

Was sind wir Vögel von beglückter Art!

Im Winter bleibt ein Mantel uns erspart.

Uns hitzet nicht

Der Sonne weithinglühend Angesicht.

Im Wiesengrund, in kühler Blätter Hut,

Hausen wir um die Zeit der Mittagsglut,

Wenn allwärts die Zikade, gotterfüllt

Und sonnetrunken, ihre Lieder schrillt.

Grottengewölbe tun sich winters auf,

Da bergen wir mit Nymphen uns zuhauf

Und warten

Der Myrtenzweige, in der Grazien Garten,

Der lenzgebornen, lichten, jungfernzarten.

+Chorführer+ (gegen die Zuschauer):

Ein Wort an euch, die ihr uns kritisiert:

Verleiht ihr +uns+ des Sieges Ehrenkrone,

Dann werden euch der Schätze mehr zum Lohne,

Viel mehr noch, als sie Paris heimgeführt.

Für’s erste — jeder Richter wünscht sich’s ja —

Sind immer Silbereulentaler da ...

In eurer Tasche Nest sind sie zuhaus

Und hecken junge Silberlinge aus.

Fürs zweite wohnt ihr wie in Tempeln schier:

Ein Adler sitzt ob jedes Hauses Tür.

Wollt ihr ein Ämtchen, auf Profit bedacht:

Ein Habicht zeigt, was man für Klauen macht.

Lud man euch wo zu einem Essen ein:

Gleich wird ein Vogelkropf zuhanden sein.

So ihr euch aber +wider uns+ entscheidet,

Sei euer Haupt mit einem Mond bekleidet,

Aus Blech, wie man die Göttersäulen schützt.

Wer +keinen+ trägt, büßt’s, wenn er weißbemantelt

Erhobnen Hauptes durch die Gassen wandelt:

Von allen Vögeln wird er vollgesprützt!

Die Vögel · 第 34 / 61 题