Chor der Vögel, die Nachtigall, Chorführer

+Chor+:

Du Gute, du! Du Braune mein!

Du allerliebstes Vögelein!

Sangesgenossin früh und spat,

Gespielin du und Kamerad!

O Nachtigall!

Nun bist du nah,

Nun bist du da

Und bringst mir wundersüßen Schall.

Laß hell die Flöte jubilieren,

Selig im Frühlingsüberschwall,

Ehe wir unsre Jamben dumpf skandieren.

(Die Nachtigall spielt auf der Flöte eine jubelnde Weise)

+Chorführer+ (an die Zuschauer gewendet):

Auf, Männer, deren Sein im Dunkeln ruht!

Raschwelkes Laub! Ein Nichts in eurer Blöße!

Flügelbeschnittne Eintagsmückenbrut!

Wankende Schattenträume! Erdenklöße!

Blickt her zu uns, die wir unsterblich sind!

Nie alternd leben wir in Luft und Wind,

Wo unser ewiger Geist nur Ewiges spinnt.

Vernehmet überirdischer Dinge Mär

Von Vogelart und von der Götter Größe,

Von Flüssen, von des Chaos wüstem Meer,

Wie sie voreinst entstanden und woher.

Und ging euch auf der Rede Sinn und Seim,

Dann geiget euren Philosophen heim!

Im Anfang war das Chaos und das Dunkel.

Schwarz starrten Erebos und Tartarus.

Nicht Luft noch Erde gab’s noch Sterngefunkel.

Aber im tiefsten Schlund der Finsternus,

Mit düstren Fittigen, brütete die Nacht,

Bis sie das Ur-Ur-Windei fertig bracht’.

Daraus sah man im Ringellauf der Zeiten

Den immer sehnsuchtsvollen Eros gleiten,

Ein auf dem Rücken goldgeflügelt Kind

Und flink und hurtig wie ein Wirbelwind.

Der tät im weiten Tartarus inzwischen

Sich mit dem nachtbeschwingten Chaos mischen

Und zeugte so und heckte +unsre+ Art,

Die dann +zuerst+ ans Licht befördert ward.

Unsterbliche Götter waren unbekannt,

Eh’ Alles Eros durcheinanderrührte.

Indem sich eins nun mit dem andern band,

Erstanden Himmel, Meere, festes Land,

Erstand der ewigen Götter selige Würde.

Drum sind +wir+ älter als die Götterschaar.

Und daß wir Eroskinder, das ist klar:

Wir +fliegen+ doch und sind zu allen Stunden,

Bei Tag und Nacht, den Liebenden verbunden.

So mancher schöne Knabe, dem das Spiel

Mit heißverliebten Männern nicht gefiel,

Ward schließlich mürb. +Wir+ brachten sie ans Ziel,

Wenn sie ihm eine Wachtel, einen roten

Fasan, ein Gänschen, einen Hahnen boten.

Was immer groß euch dünkt, ihr Menschenkinder,

Da stecken +wir+ mit unsrer Macht dahinter.

Wir künden euch den Frühling, Sommer, Winter.

Der Kranich, wandert er nach Afrika,

Krächzt niederwärts: die Zeit der Saat ist da!

Dem Schiffer sagt er: tu dein Ruder fort

Und ruh’ dich aus im winterlichen Port!

Dem Dieb: Web’ einen Mantel für die Brust,

Daß du, wird’s kalt, dir keinen stehlen mußt.

Schickt sich der Geier an, nach Haus zu kehren

Im jungen Lenz, so heißt’s: die Schafe scheren.

Die Schwalbe singt: versetz’ den Winterkragen,

Nun ist die Zeit, sich sommerlich zu tragen.

+Wir+ sind euch, wenn die Zukunft reden soll,

Delphi, Dodona, Ammon und Apoll.

Drum fragt erst +uns+, dann mögt ihr eure Sachen:

Handel, Erwerb und Hochzeit, fertig machen.

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Sofern ihr +uns+ als Götter anerkennt,

Kommt jedes Ding zu seinem guten End’.

Auch laufen wir nicht mißgelaunt davon,

Sitzen nicht stolz wie Zeus im Wolkenthron:

Nein, immer seht ihr uns bei euch verweilen,

Um alle Erdengüter auszuteilen,

Euch selber und dem Sohn und Sohnessohn!

Heil, Leben, Jugend, Lachen, Tänze, Frieden,

Ja ... Vogelmilch sogar wird euch beschieden.

Ihr schwimmt in Glück und Überfluß ... zum Lohn!

+Chor+ (von der Nachtigall auf der Flöte begleitet):

Wie oft, du bunte Muse schattiger Haine,

Sangen wir hell in dunkler Schlucht

Oder am sonnigen Höhenraine,

Wo wir der Eschen Dickicht aufgesucht,

Pan und der Berge Mütterchen zu preisen,

Heiliger Reigentänze hehre Weisen!

.. Draus Dichter, die wie Immlein uns umflogen,

Ambrosischer Lieder süßen Honig sogen!

+Chorführer+ (gegen die Zuschauer):

Herauf zu +uns+, wer hier im Publikum

Sein Leben ruhsam abzuspinnen trachtet:

Was man bei euch verbietet und verachtet,

Das nimmt euch bei den Vögeln keiner krumm.

Gilt’s +euch+ als Schmach, den Vater durchzubläuen:

Bei +uns+ pflegt man den Akt zu benedeien.

Man stößt und schlägt und reizt ihn voller Zorn:

„He, alter Gockel, hebe deinen Sporn!“

Gebrandmarkt bleibt, lief Einer bei euch weg.

+Wir+ sind nicht so; uns heißt er „bunter Scheck“.

Erstrebt ein Sklave Bürgerrecht und Ahnen,

So hilft er sich und nimmt statt ihrer ... Hahnen.

Öffnet Verrätern Einer Tor und Türen,

Tut er’s als Spatz und läßt sie ... einspazieren.

+Chor+ (von der Nachtigall auf der Flöte begleitet):

An buschigen Ufern, dem Apollo klagend,

Sitzen die Schwäne oft in langer Reih’,

Rauschend die wuchtig-weißen Schwingen schlagend.

Durch Sommerwolken aufwärts dringt ihr Schrei.

Es lauscht das Wild ... Des Meers bewegte Glieder

Bettet das lichte Himmelsblau zur Ruh’.

Der Götter Haus erdröhnt; sie staunen nieder.

Aber der Musen Herz ergreift’s im Nu:

Sie jauchzen mit den Grazien dawider.

+Chorführer+ (wiederum gegen die Zuschauer):

Flügel zu rühren macht das Leben freier!

Wär’ zum Exempel einer hier beschwingt

Und hätte satt das tragische Geleier,

Weil ihm der Hunger in den Därmen singt:

Zum Frühstück flög’ er heim und hinterher

Nähm’ er die komische Muse als Dessert.

Wenn’s einen andern plötzlich zwackt und klemmt,

Dann bläst er’s nicht verschämt ins Unterhemd:

Er schwingt sich auf, lädt’s anderweitig nieder

Und kommt gelüftet und erheitert wieder.

Sieht ein Galan den Eh’mann seiner Buhle

Behaglich hier im Senatorenstuhle,

Gleich fliegt er weg, mit Fittichen ausstaffiert,

Und kehrt zurück, nachdem er sich lustiert.

Nicht wahr, ihr müßt die Kunst des Fliegens loben:

Sie hilft hinauf und sie erhält uns oben.

Stolz fliegt zu Roß vor den Schwadronen her

So mancher, der ein hohler Schwadroneur!

Die Vögel · 第 18 / 61 题